Aus der Kulturszene gibt es erneut Protest gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. "Wir, aktuelle und ehemalige Jurymitglieder der Stiftung Kunstfonds, möchten unser Entsetzen über die politische Einmischung des Beauftragten für Kultur und Medien zum Ausdruck bringen", heißt es in einer Erklärung von mehr als 30 Unterzeichnern. Zunächst hatte der "Spiegel" darüber berichtet. Hintergrund sind Berichte, nach denen die Behörde des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, kurz BKM, Listen aller Jurymitglieder in den diversen Kunstinstitutionen angefordert habe. Meist sind Jurys für die Auswahl von Künstlerinnen und Künstlern zuständig, die Fördergeld oder Preise bekommen sollen. In der Stellungnahme heißt es, laut Grundgesetz sei die Kunst frei. "Mit großer Besorgnis nehmen wir jedoch zunehmend Angriffe und Einschüchterungsversuche der Politik auf die Meinungs- und Kunstfreiheit wahr." Durch eine befürchtete verfassungsrechtliche Überprüfung würden Akteure in der Kultur zunehmend eingeschüchtert. Weimer hatte zuletzt drei linke Buchläden wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen und die Auswahl einer Jury dabei übergangen. Zudem wurde bekannt, dass auch die Auswahl der Jury beim Hauptstadtkulturfonds in einem Fall revidiert worden war. In ihrer Erklärung fordern die Jurymitglieder ein Ende des sogenannten Haber-Verfahrens - also möglicher Anfragen beim Verfassungsschutz – im Kulturbetrieb und die Offenlegung aller bisherigen Anfragen sowie eine Nichteinmischung in die Arbeit von Jurys und eine Löschung der Mitgliederlisten.
Museen
Nikolaus Bernau kommentiert im "Tagesspiegel", nicht die Verzögerungen beim Pergamonmuseum seien das eigentliche Problem, sondern die Gewöhnung daran. Zwar solle der Altarsaal "im Frühjahr 2027" öffnen, doch Bauzeiten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz seien "hochvariabel". Deutschland stehe "den Bürgern der Welt gegenüber in der Pflicht", mahnt Bernau. "15 Jahre Zeitverzug fallen nicht vom Himmel, sondern wurden von der Politik und der Kulturwelt in Kauf genommen." Ganze Generationen verpassten zentrale Werke.
In der "Welt" polemisiert Alan Posener gegen das Fotografieren in Ausstellungen und fordert ein Verbot. Museumsbesuche seien ohnehin ein "Kreuzweg" aus Enge, Belehrung und Überfüllung, doch Smartphones machten das Erlebnis endgültig unerträglich. Besucher verhielten sich wie auf "Fotosafari", blockierten Werke und zerstörten die unmittelbare Wahrnehmung. Gerade die von Walter Benjamin beschriebene "Aura" der Kunst gehe verloren, wenn man sie nur durch den Bildschirm betrachte. Posener ruft daher: "Nutzt eure Augen! Und zwar hier und jetzt!" Zwar dürfe jeder sich selbst "um das Wesentliche eines Ausstellungsbesuchs bringen", nicht aber andere stören. Fotografieren solle deshalb verboten oder zumindest stark eingeschränkt werden, um Museen wieder zu Orten unmittelbarer Kunsterfahrung zu machen.
Bildpolitik
Die Exegese bescheuerter Trump-Memes ist inzwischen ein eigenes Genre. Philip Kennicott knüpft sich nun in der "Washington Post" das KI-generiertes Trump-als-Jesus-Bildchen vor, das der US-Präsident selbst gepostet und dann wieder gelöscht hat. Es sei "von schlampiger Symbolik durchzogen" und wirke zugleich "ungefiltert, beleidigend und wirr". Das Bild – Trump als heilende, fast christusgleiche Figur – transportiere mehr Bedeutungen als beabsichtigt, darunter "ein spürbares Gefühl der Verzweiflung". Kennicott deutet es als Zeichen einer "Instabilität des Mannes, der es verbreitet hat" und einer brüchigen Beziehung zu seiner Anhängerschaft. Indirekt legt er nahe, dass die überladene Ästhetik nicht nur künstlerisch misslingt, sondern politisch offenlegt, wie sehr Trump auf die "Begeisterung" seiner Basis angewiesen ist, ohne sie wirklich zu verstehen. Die rasche Löschung des Posts wertet er als seltenes Zurückweichen. Georg Löwisch schreibt in der "Zeit", Trumps Jesus-Meme wirke "auf absurde Weise" klärend: Es reduziere alle Deutungen auf "ein alter Mann, dessen Ich-Sucht keine Grenzen kennt". Das Bild als "Sakrokitsch" entlarve, was lange rationalisiert worden sei. Löwisch beschreibt, wie Beobachter stets versuchten, Strategie zu erkennen; indirekt folgert er jedoch, vieles sei nachträgliche Sinngebung eines "Irrwitz[es], der nicht witzig war". Trumps Behauptung, er sei nur als Arzt dargestellt, erscheint ihm als weiterer Versuch der Rationalisierung. Dass Trump das Bild löschte, deutet er als seltenes Eingeständnis von Grenzen – selbst für Anhänger sei die Anmaßung "ein Schritt zu viel".
Nachruf
Kurator Zdenek Felix zeichnet in der "taz" das Bild eines Künstlers, der Kunst als experimentelle Forschung verstand: Thomas Zipp habe seine Installationen als "rätselhafte Labore" inszeniert, in denen sich Publikum und Künstler gemeinsam auf die Spuren der Psyche begaben. Sein Werk kreiste um das Unbewusste, um Rausch, Krankheit und Erkenntnis; Ziel sei eine "im Grunde neurowissenschaftliche Forschung mit künstlerischen Mitteln" gewesen. Felix betont, Zipp habe stets zwischen "heiler" und "kranker" Welt vermittelt und Kunst als diagnostisches Instrument verstanden, das Macht- und Kontrollmechanismen sichtbar macht. Performative Formate und kollektive Rituale erweiterten diese Forschung ins Soziale. Wahnsinn und Heilung seien für ihn kein Gegensatz gewesen, sondern Teil eines offenen Dialogs. Mit seinem Tod verliere die Kunst einen eigenwilligen "Psychonauten", dessen Werk noch lange nachwirken dürfte.