Medienschau

"Geh nicht auf eine Uni, um Kurator zu werden"

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Was macht der Kunstwelt Hoffnung? Wie wird man Kurator? Warum boomt die Luxussparte der Auktionshäuser, obwohl die Luxusbranche insgesamt schrumpft? Das ist unsere Medienschau am Freitag

Kunstbetrieb

Im "New York Times T Magazine" fragt Kate Guadagnino fünf Kunstschaffende, was ihnen angesichts deprimierender Nachrichten noch Hoffnung für die Kunstwelt gibt. Massimiliano Gioni, Direktor des New Museum, sieht gerade im Nichtverstehen eine Stärke der Kunst: "Die Kunst lehrt uns, mit der Schwierigkeit umzugehen, mit Dingen konfrontiert zu werden, die wir nicht verstehen." Angel Otero beobachtet bei jüngeren Künstlern mehr Ehrlichkeit und Unabhängigkeit vom kommerziellen Kunstbetrieb. Die 87-jährige Barbara Chase-Riboud erklärt dagegen, sie habe kein Vertrauen in die Kunstwelt, wohl aber in die Kunst: "Ich habe nichts Neues gesehen, das mir Hoffnung gibt, aber die Kunstgeschichte tut es." Die Geschichte zeige, dass der Drang, Kunst zu schaffen, selbst nach dem Untergang von Imperien und Zivilisationen fortbestehe.

Auf "Artnet News" berichtet Andrew Russeth über die ungewöhnlichen Ratschläge des Kurators Francesco Bonami zur Ausbildung von Kuratoren. In einem Instagram-Video habe Bonami geraten: Kuratieren sei kein Beruf, sondern "eine Aktivität". Statt Geld für ein Studium auszugeben, solle man zu Hause bleiben und den "Gehirnmuskel" für kuratorische Praxis trainieren. Bonami, Kurator der Biennale Venedig 2003, ist bekannt für seine exzentrischen Instagram-Auftritte – zuletzt empfahl er Künstlern einen morgendlichen Cocktail aus billigem Cognac, Tequila, Salz und Eigenurin. 

Museen

In "Hyperallergic" berichtet Valentina Di Liscia über einen seit 1961 verschwundenen Picasso, den das Guggenheim Museum nun zurückfordert. "Femme dans un fauteuil" war während einer Ausstellung an der University of Pittsburgh gestohlen worden und tauchte erst 2023 wieder auf, als ein Christie’s-Forscher das Werk für einen privaten Verkauf prüfen ließ. Das Guggenheim verklagt die heutigen Besitzer Lawrence Jay Handler und Wendy Cohen Handler, die das Bild 1999 bei einer New Yorker Galerie gekauft hatten. Die Provenienz des Gemäldes, das heute Millionen wert sein soll, ist zwischenzeitlich ungeklärt. Das Museum fordert die Rückgabe und 3,5 Millionen Dollar Schadensersatz. Di Liscia erinnert zudem an einen früheren Rechtsstreit des Guggenheim um einen gestohlenen Chagall, der New York als für die rechtmäßigen Eigentümer günstigen Gerichtsstand etablierte.

Bei "ARTnews" berichtet Brian Boucher, dass Ruth Patirs Videoarbeit "(M)otherland" im Winter im Jewish Museum in New York erstmals in den USA gezeigt wird. Die Arbeit stand im Zentrum der Kontroverse um den israelischen Pavillon der Biennale Venedig 2024: Patir hatte ihn aus Protest gegen den Krieg ihres Landes in Gaza geschlossen und erklärt, er werde erst nach Kriegsende wieder öffnen. Die Installation verbindet animierte Figuren aus der Eisenzeit mit autobiografischen Erfahrungen der Künstlerin nach einer Kinderwunschbehandlung und thematisiert körperliche Autonomie, Medizin und staatliche Eingriffe. 2024 ergänzte Patir die Arbeit um ein fünftes Video über kollektive Trauer und Wut nach dem 7. Oktober. Das Jewish Museum erwarb die Arbeit wenige Monate nach der Biennale.

Kunstmarkt

Auf "ARTnews" fragt George Nelson, warum die Luxusverkäufe der großen Auktionshäuser boomen, obwohl die Luxusbranche insgesamt schrumpft. Bei Christie’s stiegen die Luxusumsätze im ersten Halbjahr 2026 um 15 Prozent auf 539 Millionen Dollar, bei Sotheby’s erreichten sie 2025 einen Rekord von 2,7 Milliarden Dollar. Max Fawcett von Christie’s erklärt die Entwicklung mit einer "K-förmigen Erholung": Während weniger zahlungskräftige Kunden abspringen, geben die Reichsten weiter aus. "Wenn so viele Menschen versuchen, die besten Dinge zu kaufen, weil es davon nur sehr wenige gibt", sagte Fawcett, habe sich der allgemeine Abschwung noch nicht auf den Auktionsmarkt übertragen. Zugleich entdecken Käufer die Vorteile des Sekundärmarkts – etwa bei seltenem Schmuck. Luxus dient den Häusern zudem als Einstieg für neue Kunden: Bei Christie’s kamen 2025 38 Prozent der Neukäufer über eine Luxus-Kategorie.