Medienschau

"Nachahmungen eines mittelmäßigen Teenagers auf Tranquilizern"

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Das V&A zensiert Kataloge auf Verlangen einer chinesischen Druckerei, Hausbesuch bei Künstler Rirkrit Tiravanija und generative KI als "größter Kunstraub der Geschichte": Das ist unsere Medienschau am Mittwoch

Kunstfreiheit

Matthew Weaver berichtet im "Guardian", das Londoner Victoria & Albert Museum habe auf Druck chinesischer Druckereien Inhalte aus Ausstellungskatalogen entfernt. Betroffen seien Karten und Bilder, die laut Behörden "sensitive" Themen berühren – von Tibet bis zum Protest am Platz des Himmlischen Friedens. Intern habe man sich gewundert, da selbst historische Karten gestrichen wurden, "weil darauf China zu sehen ist". Das Museum spricht von "kleinen Änderungen", doch der Fall zeigt laut Bericht, wie weit Zensur reicht. Kostendruck zwinge westliche Institutionen zu Kompromissen, die redaktionelle Prinzipien unterlaufen können.

KI

Künstlerin Molly Crabapple schreibt im "Guardian" (in der deutschen Übersetzung im "Freitag"), generative KI sei "der größte Kunstraub der Geschichte": Milliarden Bilder seien "ohne Nennung des Urhebers, ohne Entschädigung, ohne Zustimmung" genutzt worden. Die Ergebnisse wirkten wie Arbeiten "von einem mittelmäßigen Teenager unter dem Einfluss von Tranquilizern". Tech-Konzerne handelten nach dem Motto, "schnell handeln und Dinge kaputtmachen". Crabapple kritisiert, deren Narrative stellten Entwicklungen als unausweichlich dar – dabei sei "nichts, was Menschen tun, unvermeidlich". KI zerstöre Jobs und ersetze Künstler durch "digitale Homunkuli". Die Vision dahinter nennt sie eine Zukunft ohne "sinnvolle Arbeit" und ohne "echte Gemeinschaften".

Kunstmarkt

Paddy Johnson schreibt in "Hyperallergic", Künstlerinnen und Künstler müssen keine Kunstmessen besuchen: "Es ist optional." Wer weder schauen, kaufen noch netzwerken wolle, könne "zu Hause bleiben" – "niemand wird dich vermissen". Gerade darin liege aber das Problem, denn Künstler würden oft gar nicht wahrgenommen. Johnson betont, der Nutzen hänge davon ab, "was du willst": Strategie und gezielte Planung seien entscheidend. Indirekt kritisiert sie die Szene, die "Strategie" scheue, obwohl Erfolg oft darauf beruhe, aktiv Kontakte zu suchen. Messen seien weniger für Verkäufe wichtig als für Wissen: "Der eigentliche Wert […] liegt nicht im Netzwerken – sondern in Information." Selbst zufällige Gespräche könnten Chancen eröffnen.

Kunstszene

In der "Financial Times" porträtiert ein "At Home"-Stück den Künstler Rirkrit Tiravanija, dessen Haus bei Chiang Mai in Thailand als soziale Skulptur gedacht ist. Für ihn ist es "eine Art öffentlicher und privater Raum", der "im Grunde immer offen" sei – Freunde könnten jederzeit bleiben. Architektur und Kunst verschmelzen: Ziel sei "ein Garten, der von jedem Raum aus sichtbar ist". Indirekt wird deutlich, dass Tiravanija seine Praxis konsequent ins Private überträgt: Begegnungen, Gespräche und gemeinsames Essen sind zentrale Arbeitsformen. Häuser versteht er als Plattformen – er wolle "den Tisch machen", aber nicht an dessen Spitze sitzen.

Gedenkkultur

Französische Finanzfahnder haben den Amtssitz von Präsident Emmanuel Macron, den Élysée-Palast, ins Visier genommen Im Rahmen von Ermittlungen zur Vergabe von Zeremonien für die Aufnahme von Menschen in den Ruhmestempel Pantheon wollten sie an mehreren Orten Durchsuchungen vornehmen, darunter auch im Élysée-Palast. Der Zugang zu den Dienststellen des Präsidialpalastes sei ihnen aber verwehrt worden, hieß es von der Finanzstaatsanwaltschaft Paris. Dem französischen Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné" zufolge wurden die Zeremonien 22 Jahre lang, von 2002 bis 2024, von ein und demselben Unternehmen organisiert. Jede der Feierlichkeiten sei mit rund zwei Millionen Euro in Rechnung gestellt worden. Der Zeitung zufolge wollen die Finanzfahnder herausfinden, ob das Unternehmen Unterstützung aus dem Élysée, dem Kulturministerium oder dem für die Vergabe zuständigen Zentrum für staatliche Monumente CMN erhalten haben könnte.In dem ursprünglich als Kirche geplanten Pantheon werden seit der Französischen Revolution wichtige Vertreter des Landes wie Victor Hugo, Émile Zola, Voltaire oder Rousseau geehrt. Es kommt nur sehr selten vor, dass Menschen neu in den Pantheon aufgenommen werden.