Venedig-Biennale
"The Art Newspaper" berichtet, dass rund 200 Beteiligte der Biennale di Venezia den Ausschluss Israels fordern. In einem offenen Brief erklären sie, man verweigere sich „gemeinsam als Künstler, Kuratoren und Kulturschaffende“, einem Staat eine Plattform zu bieten, der "Völkermord begeht". Zugleich betonen sie ihre Solidarität mit palästinensischen Kulturschaffenden und hoffen auf "ein Ende des zionistischen Völkermords". Die Initiative Art Not Genocide Alliance droht bei Nichtbeachtung mit Boykott. Die Biennale-Leitung weist die Forderungen zurück und erklärt, man lehne "jede Form von Ausschluss oder Zensur von Kultur und Kunst" ab und verstehe sich als Ort des Dialogs. Der Konflikt verschärft den politischen Druck auf die Ausstellung zusätzlich. Zu den Unterzeichnern gehören Alfredo Jaar, Yto Barrada, Rosana Paulino, Meriem Bennani und Cauleen Smith.
Stefan Trinks kritisiert in der "FAZ" die Wiederzulassung Russlands und den Biennale-Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco: "Es ist eine perverse Verkehrung von Angriffskriegern und Angegriffenen, wenn Buttafuoco salbadert, 'alle Länder, die sich derzeit im Krieg befinden', sollten vertreten sein" Der Pavillon sei eng mit Putins Umfeld verknüpft; Kuratorin Anastasia Karneeva habe Kontakte zur Rüstungsindustrie. Für Trinks zeigt dies, wie Kunst hier politisch instrumentalisiert wird und die Ukraine gedemütigt wird.
Museen
Catherine Hickley und Zachary Small berichten in der "New York Times" über ein neues US-Gesetz, das die Rückgabe von NS-Raubkunst erleichtern soll. Das Repräsentantenhaus habe eine Verlängerung des HEAR Act beschlossen, der verhindern soll, dass Ansprüche an Verjährungsfristen scheitern. Kritiker aus Museumskreisen warnen jedoch, die Reform könne "ein gefährlicher Präzedenzfall" sein und "grundlegende Prinzipien unseres Rechtssystems untergraben". Befürworter wie Joel Greenberg halten dagegen, die Verlängerung sei "essenziell", damit Ansprüche "nach ihrem Inhalt und nicht aus formalen Gründen" entschieden werden. Die Neuregelung könnte auch internationale Fälle betreffen, da NS-Enteignungen künftig als Verstöße gegen das Völkerrecht gelten sollen – und damit staatliche Immunität aushebeln würden.
"El País" berichtet über neue Maßnahmen im Museo del Prado zur Eindämmung des Besucherandrangs. Direktor Miguel Falomir warnt, ein Museumsbesuch dürfe "nicht wie eine Fahrt in der U-Bahn zur Stoßzeit" sein. Künftig werden Besuchergruppen von 30 auf 20 Personen reduziert, um "eine bessere Qualität des Besuchs" zu gewährleisten. Gruppen machen rund 16,6 Prozent des Publikums aus. Zudem sollen sie verstärkt in Nebenzeiten gelenkt und der Online-Ticketkauf gefördert werden. Hintergrund sind Rekordzahlen von 3,5 Millionen Besuchern 2025 in dem Madrider Museum. Falomir stellt weitere Anpassungen in Aussicht, etwa neue Zugangsregelungen und mehr Ausstellungsfläche durch den Ausbau des Salón de Reinos.
Lanre Bakare berichtet im "Guardian", dass die Tate Modern ihre Turbine Hall 2027 in ein Opernhaus verwandelt: Gezeigt werden Bühnenbilder von David Hockney für Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Igor Stravinsky. Anlass ist Hockneys 90. Geburtstag. Der Künstler habe seine Motivation nüchtern erklärt: "Ich wollte Opern gestalten, weil ich etwas haben wollte, das ich mir ansehen kann." Laut Tate umfasst das Programm weitere Großausstellungen, etwa zu Claude Monet, dessen Werk als von dem Versuch geprägt beschrieben wird, den flüchtigen Moment festzuhalten. Interimsdirektorin Karin Hindsbo betont, das Programm zeige "die vielen unterschiedlichen Arten, wie Künstler denken und arbeiten" und ihre Fähigkeit, zu inspirieren.
Kunstmarkt
Melanie Gerlis analysiert in der "Financial Times" eine langsame Erholung des Hongkonger Kunstmarkts zur Art Basel / Hong Kong. Nach dem Einbruch seit 2021 sei die Stimmung vorsichtig: Galeristen setzten verstärkt auf etablierte Namen und "sichere" Werke. David Zwirner erinnert daran, dass Hongkong einst "eine Wüste" für westliche Kunst gewesen sei, heute aber eine "eine echte Stadt der bildenden Künste" mit jungen Sammlern. Zugleich bleibe die Lage angespannt; viele Akteure agierten konservativer. Händler beobachteten, Käufer suchten "solide und traditionelle Werte". Dennoch gilt die Messe als zentraler Marktplatz in Asien. Laut Bericht beginne der Auktionsmarkt "in eine frühe Phase erneuten Wachstums überzugehen" – wenn auch in einem insgesamt "konservativeren Marktumfeld".
Street-Art
Reuters will Banksys Identität bestätigt haben: Hinter dem britischen Street-Art-Künstler soll der oft gehandelte Name Robin Gunningham stehen. "Banksys Anonymität ist sein größtes Kunstwerk", sagte jetzt der Kunsthistoriker und Street-Art-Forscher Ulrich Blanché von der Universität Heidelberg der Deutschen Presse-Agentur. "Dazu gehört, dass er nur das Werk, nicht die Person promotet. Wir alle waren Teil dieser Schnitzeljagd." Diese sei auch nach neuerlichen Reuters-Recherchen nicht vorbei. Bereits 2008 war sich die britische Boulevardzeitung "Mail on Sunday" sicher, dass es sich bei Banksy um den Künstler Robin Gunningham aus Bristol handelt, um diesen Namen geht es auch im jüngsten Reuters-Bericht. Experte Blanché sagt: "Dass Robin Gunningham der Mann hinter Banksy ist, war ein offenes Geheimnis seit den Enthüllungen 2008." Das sei in Kunstkreisen in den vergangenen Jahren nie ernsthaft bezweifelt worden. Die sichere und endgültige Enthüllung der Identität könnte aber weitere Folgen haben, sagte Blanché: "Wenn Banksys Wohnort, seine Frau und Kinder von Paparazzi an die Öffentlichkeit vor Kameras gezerrt werden, werden sein Leben und seine Arbeit sehr schwierig." Es stellt sich zudem die Anschlussfrage: Wie wichtig ist es, die wahre Identität des Künstlers zu kennen? Auch dann bliebe "ein umfassendes, vielgesichtiges Werk von 30 Jahren, das unsere Zeit prägte und widerspiegelt", sagte Blanché. Der Street-Art-Forscher nannte unter anderem die Aktion, als Banksy sein Werk "Girl with Balloon" unmittelbar nach dem Zuschlag bei einer Auktion auf Knopfdruck von einem in den Rahmen eingebauten Schredder teilweise zerstören ließ, als Beispiel für die prägenden Elemente des Künstlers. "Banksy ist ein Popstar ohne musikalisches Werk", sagte Blanché. "Ich verehre den Mann für seine Ideen. Dass seine Identität dazu beiträgt, ist keine Frage", sagte der Graffiti-Künstler Loomit, der zu den Vorkämpfern für die Street-Art in Deutschland zählt, der Deutschen Presse-Agentur. "Er verzichtet auf Selbstdarstellung, er stellt die Kunst ins Zentrum." Banksy sei einer der Ersten gewesen, der das Potenzial der Anonymität als Marketinginstrument erkannt habe. In Verbindung mit dessen Humor funktioniere das im öffentlichen Raum wunderbar, sagte Loomit. Graffitikunst sei in Deutschland früher wenig politisch gewesen. Mit der Einführung des Begriffs der Street-Art habe sich das geändert. Damit verbunden ist auch der Zeitfaktor. Früher seien für Graffitikunstwerke im öffentlichen Raum Stunden der Arbeit nötig gewesen, sagte Loomit. Banksy habe aber schnell erkannt, dass es schneller gehen müsse. Die Gefahr, auf frischer Tat ertappt zu werden, ist damit deutlich geringer.
Fotografie
"Le Monde" veröffentlicht einen Bildbericht des Fotografen Lucien Lung über die Krise in Kuba. Lung beschreibt eine drastisch veränderte Stimmung: "Man spürt heute, dass die Hoffnung überhaupt nicht mehr dieselbe ist." Das Land wirke ausgezehrt, vielerorts von Abwanderung geprägt. Nach der Entführung von Nicolás Maduro habe sich die Lage zusätzlich verschärft; die Reporter hätten eine allgegenwärtige Überwachung erlebt. Gespräche mit Einheimischen seien riskant gewesen, da Fotos sie gefährden könnten. Lung betont, man habe versucht, vor allem Atmosphäre einzufangen statt Personen zu zeigen – im Bewusstsein: "Wir konnten abreisen, sie bleiben."