In der "Vanity Fair" schildert Nate Freeman die enge Verbindung des Kunstsammlers und ehemaligen Apollo-Chefs Leon Black zu Jeffrey Epstein und fragt, warum sie dessen Stellung in der Kunstwelt bislang kaum erschüttert hat. Black habe Epstein über Jahre mit Finanzangelegenheiten betraut und ihm laut eigener Aussage insgesamt 170 Millionen Dollar gezahlt. Zugleich blieb Black MoMA-Treuhänder und bewegt sich weiter auf Kunstmessen und Auktionen. Die veröffentlichten Epstein-Akten ermöglichen laut Freeman einen ungewöhnlich detaillierten Einblick in Blacks Sammlung, die einst auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzt wurde. Besonders brisant: Black habe 2012 Edvard Munchs "Der Schrei" für knapp 120 Millionen Dollar ersteigert. Freeman zitiert Black zudem aus dem Jahr 2024: "Ich habe das nicht so ernst genommen." Black habe damit Epsteins Verurteilung wegen Prostitution mit einer Minderjährigen heruntergespielt.
Im "Art Journal" fragt Tom Seymour, warum selbst etablierte Galerien derzeit ins Wanken geraten. Anlass ist die bevorstehende Schließung der Londoner Sid Motion Gallery nach zehn Jahren. Gründerin Sidonie Motion sagt, das Geschäft könne ihre Künstler nicht mehr in dem von ihr gewünschten Maß unterstützen. Ihr Fall steht ein größeres Problem: Stephen Friedman Gallery, Tiwani Contemporary und andere Galerien haben geschlossen oder verkleinert, während die Betriebskosten stärker steigen als die Umsätze. Besonders Galerien mittlerer Größe geraten unter Druck, aber auch Pace reduziert sein Programm drastisch. Der Text kommt zu dem Schluss, dass selbst das kleine, künstlernahe Modell von Sid Motion keine Garantie mehr bietet.
Die österreichische Satirikerin Toxische Pommes macht auf Instagram auf die Nebeneinander der Lebensrealitäten von Kunstkäuferinnen und Kunstproduzentinnen aufmerksam:
Museen
Im "Tagesspiegel" warnt Nikolaus Bernau davor, dass die dringend nötige Sanierung des Alten Museums in einer ohnehin überlasteten Berliner Museumslandschaft weiter nach hinten geschoben werden könnte. Das Gebäude senke sich wegen sinkender Grundwasserspiegel bereits um etwa einen Millimeter pro Jahr, zudem seien Fundament, Haustechnik und Bausubstanz sanierungsbedürftig. Bernau nennt die Situation ein "bereits öfter beklagtes Desaster". Zugleich fehle ein Ausweichquartier für die Antikensammlung; das einzige geeignete Gebäude in Dahlem sei selbst "dringend sanierungsbedürftig". Auch bei der Planung herrsche Stillstand: Vieles sei "weder im Detail geplant noch in den Kosten kalkuliert". Bernau bezeichnet die Glasfassade im Alten Museum als "eine Schande der Stiftungs- und der Berliner Architekturpolitik" und das Museum der Moderne als "Skandalbau" und "Scheune". Ackermann stehe vor "einer Vielzahl von sich überlagernden Bauprojekten". Am Ende drohe deshalb ein absurder Ausgang: "Also Verschub in die Zeit danach. So 'dringend' die Not auch ist."
Malerei
Im "Art Newspaper"-Podcast "A brush with ..." spricht die Künstlerin Katharina Grosse mit Ben Luke über die Einflüsse auf ihr Werk. Die 1961 in Freiburg geborene Malerin arbeitet mit einer Industrie-Sprühpistole und begreift Malerei als expansives Feld, das sich auf Leinwand, Galeriewänden, Skulpturen und sogar in der Landschaft entfalten kann. Grosse beschreibt, ihre Arbeit stehe in unmittelbarem "Feedback" mit den Oberflächen und Umgebungen, in denen sie tätig sei, und sie fühle sich "zu Hause im Flow", wenn sie an mehreren Werken zugleich arbeite. Als prägende Einflüsse nennt sie die Choreografin Pina Bausch, ihr Atelier-Residenz in Edvard Munchs früherem Studio Ekely in Norwegen sowie die "messerscharfe Sätze" der Schriftstellerin Annie Ernaux. Ab dem 26. September zeigt Grosse die Ausstellung "Black Bed" im MUNCH-Museum in Oslo.
Bildpolitik
In der "Zeit" schreibt Sebi Berens, Mitglied der Bildredaktion, über das Gefühl der Ohnmacht angesichts der Waldbrandfotos dieses Sommers. Er beobachtet, dass virale Bilder von Leid heute keine Gemeinschaftserfahrung mehr seien, weil Algorithmen und Smartphones die Betrachtung vereinzeln. Berens verweist auf seinen Kollegen Johannes Schneider, der zugespitzt hat, der Klimawandel lasse sich gar nicht wirksam dokumentieren, weshalb auch Handlung ausbleibe. Als Gegenbeispiel nennt er Konstantinos Tsakalidis' preisgekröntes Foto einer schreienden Frau vor einem Waldbrand auf Euböa. Berens' zentrale These: "Kein Foto muss uns bewegen. Wir selbst müssen uns bewegen." Bilder böten Eindruck, aber keinen Beweis; entscheidend sei nicht, was ein Bild mit einem mache, sondern was man nach dem Betrachten selbst tue.
Kulturberichterstattung
"Das Fernsehfeuilleton von ZDF, ORF, SRF und ARD" - so nennt sich das 3sat-Magazin "Kulturzeit" auch. Die werktägliche Kultursendung auf dem deutsch-österreichisch-schweizerischen TV-Kanal 3sat kommt nun nach sechs Wochen Sommerpause zurück ins Fernsehprogramm. Zum Auftakt am Montag geht es auch um die Salzburger Festspiele, also etwa um Richard Strauss' Oper "Ariadne auf Naxos" in der Regie von Ersan Mondtag und das jüngste Werk der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, "Unter Tieren". Die "Kulturzeit" spricht außerdem mit Karin Bergmann, der Interimsleiterin der Salzburger Festspiele nach dem Rauswurf des langjährigen Intendanten Markus Hinterhäuser. Außerdem berichtet das Magazin über das Filmfest Locarno.