Medienschau

"Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe"

artikelbild_monopol-medienschau

Strukturelle Ungleichheit im Kunstbetrieb, Marion Ackermann über die Sicherheit deutscher Museen, und auch der "Kunstkompass" sieht Gerhard Richter an der Spitze: Das ist unsere Presseschau am Montag

Museen

Als Reaktion auf den Einbruch in den Pariser Louvre hält die Chefin der größten Kultureinrichtung in Deutschland, Marion Ackermann, einen ständigen Austausch mit der Polizei für erforderlich. "Es gilt zu analysieren, welche Objekte im Fokus stehen: Das sind Münzen, Gold und Juwelen, zuletzt gab es etliche Diebstähle im Bereich Porzellan", sagte Ackermann im "Tagesspiegel"-Interview. Die Lösung könne aber nicht sein, Museen in Tresore zu verwandeln. "Wir müssen den Balanceakt zwischen hoher Sicherheit und Öffnung zu den Menschen hinbekommen", betonte die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dabei sieht sie jedoch nicht nur die Museen in der Pflicht. "Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe", sagte Ackermann. Sie sehe die Träger der Häuser gemeinsam mit den Museumsleitungen und den Sicherheitsbehörden in der Pflicht. Viele Museen kämpften mit riesigen Kostensteigerungen für die Sicherheit. "Wir müssen ausloten, wo wir Personal benötigen und wo neueste Technik oder bauliche Sicherheitsmaßnahmen unterstützen können. Hier könnten sich die Berliner Häuser noch weiterentwickeln", erklärte Ackermann. Die Analyse zu dem Einbruch im Louvre läuft nach ihren Angaben noch. "Die gewonnenen Erkenntnisse werden ausgewertet, und die entsprechenden Maßnahmen werden bei Bedarf ergriffen." International seien manche Museen weiter als andere. Wichtig sei ein internationaler Austausch, etwa auch über KI-gesteuerte Videoüberwachung. 

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez ist indes hoffnungsvoll, dass die gestohlenen Schmuckstücke noch gefunden werden. "Solange wir nicht den Beweis dafür haben, dass sie verkauft wurden, bin ich zuversichtlich", sagte Nuñez der "Tribune Dimanche". Er verwies darauf, dass die Behörden von dem vierköpfigen Einbruchskommando mutmaßlich drei Beteiligte geschnappt haben.

Kunstbetrieb

Monopol hat seine Top 100 für dieses Jahr veröffentlicht. Die Nummer eins: Gerhard Richter. Auch im "Kunstkompass" wird der Künstler als weltweit wichtigster Künstler geführt – seit nunmehr 22 Jahren. "Dass je ein Künstler Gerhard Richter an der Spitze des Kunstkompass-Rankings einholen wird, scheint derzeit unvorstellbar", sagt die Journalistin Linde Rohr-Bongard, die das Ranking erstellt. Auch die nächsten Ränge sind unverändert: Auf Platz zwei bleibt der US-amerikanische Performer und Videokünstler Bruce Nauman, dahinter folgen die beiden Deutschen Georg Baselitz und Rosemarie Trockel. Auf Platz fünf steht der in Wuppertal lebende britische Bildhauer Tony Cragg, an sechster Stelle folgt die US-Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman. Die Ränge 7 bis 10 belegen der auch in Berlin wirkende dänische Installationskünstler Ólafur Elíasson, der deutsche Maler und Bildhauer Anselm Kiefer, der mehrfache Documenta-Teilnehmer William Kentridge aus Südafrika und der minimalistische deutsche Maler Imi Knoebel. Der "Kunstkompass" wird jedes Jahr von Rohr-Bongard erstellt und erscheint im Magazin "Capital". Bewertet und mit Punkten gewichtet werden unter anderem Ausstellungen von mehr als 300 Museen, zudem Rezensionen in Fachmagazinen, Ankäufe führender Museumshäuser und Auszeichnungen. Hingegen werden Verkaufspreise und Auktionserlöse nicht berücksichtigt. Die Liste der "Stars von morgen" - Künstler jenseits der Top 100, die den größten Punktezuwachs hatten - wird in diesem Jahr angeführt von der 96 Jahre alten Japanerin Yayoi Kusama, die US-Amerikanerin Tschabalala Self und dem in Berlin lebenden schweizerischen Künstler Julian Charrière. Beim Extra-Ranking der verstorbenen Künstler steht Joseph Beuys (1921-1986) unverändert auf Platz 1, gefolgt von Pop-Art-Star Andy Warhol (1928-1987) und dem Kölner Maler Sigmar Polke (1941-2010). Der in diesem Jahr verstorbene "Nagelkünstler" Günther Uecker steht auf Rang 9.

In den "Kulturfragen" des Deutschlandfunks spricht Dorothea Marcus mit der Künstlerin Ines Doleschal von der Organisation "Fair Share – Sichtbarkeit für Künstlerinnen" über strukturelle Ungleichheit im Kunstbetrieb. Doleschal sagt: "Ich gehöre auch zu den 95 Prozent KünstlerInnen in diesem Land, die nicht davon leben können." Sie erklärt, Museen hätten Künstlerinnen "aktiv vergessen", obwohl es sie "zu jeder Zeit" gab. Studien zeigten, dass "Kunst von Frauen immer weniger wert" sei und sich Karrieren mit Mutterschaft verschlechtern; die Top-Künstlerinnen im Ranking hätten "keine Kinder", die Männer aber "35". Doleschal fordert Quoten, neue Fördermodelle und "mehr feministisches Lautsein", da man sonst "noch 100 oder 200 Jahre" brauche, bis Gleichstellung erreicht sei.