Debatte
Im "Zeit"-Interview erklärt Ulf Poschardt seinen Rückzug als Herausgeber der "Welt". Künftig soll er bei Axel Springer als Autor, Podcaster und "Creator" arbeiten. In dem Gespräch verteidigt er auch ein umstrittenes Video zur Venedig-Biennale. Anlass war die symbolische Schließung mehrerer Pavillons aus Protest gegen Israel. In dem extrem polemischen Beitrag hatte Poschardt der Gegenwartskunst pauschal vorgeworfen, "fett und faul" geworden zu sein. Auf den Einwand der "Zeit", Kunst habe sich historisch meist den Mächtigen angepasst, antwortet er, er spreche explizit von der klassischen Moderne, den Situationisten um Guy Debord und der emanzipatorischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Sein Ziel sei es, "irgendwie die Moderne zu retten" – und bediene sich dafür akademischer Theorie wie einem "fränkischen Eckkneipensound". Der Unterschied besteht allerdings darin, dass ein stumpfer Eckkneipen-Vortrag nicht Hunderttausende Menschen erreicht.
Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar fordert Europäer auf, Haltung zu zeigen: "Wir sind, vor allem als Europäer, dazu verpflichtet, eine Art Schild gegen diese Monster wie Trump, Netanjahu oder den Russen zu werden", sagte er bei den Filmfestspielen in Cannes. Sie seien dazu verpflichtet, weil man hier das Völkerrecht achte. Es gebe eine Grenze für all den "Wahnsinn" Trumps, führte er aus. "Europa darf sich niemals Trump unterwerfen", sagte der 76-jährige Regisseur, der einen Anstecker mit der Aufschrift "Free Palestine" trug. Einige Tage zuvor hatte der spanische Hollywood-Star Javier Bardem in Cannes die aus seiner Sicht "toxische Männlichkeit" der drei Machthaber kritisiert. Almodóvar sagte, ihm scheine es auch eine "moralische Pflicht" zu sein, dass sich Künstler zu gesellschaftlichen Problemen äußerten. Zwar verurteile er niemanden, der sich nicht äußere, doch seien Schweigen und Angst ein schlechtes Zeichen dafür, dass die Demokratie bröckele. In Cannes stellte Almodóvar seinen Film "Bitter Christmas" vor, der ins Rennen um die Goldene Palme geht. Die Tragikomödie verknüpft die Geschichte eines Filmemachers in der Krise mit der einer Werberegisseurin, die sich später als Figur seines Drehbuchs entpuppt. Der Film spielt bewusst mit zwei Handlungsebenen und zwei Zeitsträngen und der Frage, inwieweit die Realität die Fiktion beeinflussen darf. Almodóvar ist der international bekannteste Regisseur Spaniens. Sein Film "Alles über meine Mutter" gewann 2000 einen Oscar. Einen weiteren Oscar erhielt er 2003 für "Sprich mit ihr".
Museen
Wie "Le Figaro" berichtet, bereitet der Regisseur Romain Gavras einen Spielfilm über den Juwelenraub im Louvre vom Oktober 2025 vor, den französische Medien als "Jahrhundert-Coup" bezeichneten. Grundlage ist das Buch "Main basse sur le Louvre" der Journalisten Jean-Michel Décugis, Jérémie Pham-Lê und Nicolas-Charles Torrent, das laut Verlag eine "fesselnde und hochsensible" Rekonstruktion des Falls anhand "geheimer Dokumente und explosiver Berichte" liefern soll. Der Film befinde sich noch in der Entwicklungsphase; Titel, Besetzung und Starttermin seien bislang nicht bekannt. Das Drehbuch entstehe gemeinsam mit Simon Jacquet und Mourad Winter, produziert werde der Film erneut von Iconoclast, mit denen Gavras bereits bei "Athena" und "Le Monde est à toi" zusammenarbeitete.
Kunstmarkt
Die "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet über den Tod des Kölner Galeristen Knut Osper, der am 11. Mai im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Seine Familie würdigt ihn mit den Worten: "Ein Leben geprägt durch die Kunst und für die Kunst ist zu Ende gegangen." Osper hatte seine Galerie bereits mit 20 Jahren eröffnet und über 60 Jahre in Köln betrieben. Noch vor der Schließung sagte er: "Ich müsste 20 Jahre jünger sein, dann würde ich weitermachen." Trotz der Verlagerung der Kunstszene nach Berlin blieb er der Stadt treu und setzte auf ein kunstinteressiertes Publikum mit "viel altem Geld". Der Text beschreibt ihn als Netzwerker der Nachkriegskunst, der Werke von Picasso, Miró und Richter vermittelte. Sein größter Verkauf war ein Gerhard-Richter-Gemälde für 8,7 Millionen Euro. Privat umgab er sich selbst mit Kunst von Baselitz und Appel und verband Galeriearbeit oft mit persönlichen Beziehungen und Geselligkeit.
Architektur
Alexander Gutzmer wendet sich in seiner "AD"-Kolumne gegen den Gegensatz von sozialem und ästhetischem Bauen. Die aktuelle Debatte über "schöne" Architektur reduziere komplexe Fragen auf einen falschen Dualismus: Entweder Architektur sei gesellschaftlich verantwortlich oder gestalterisch anspruchsvoll. Tatsächlich könne und müsse sie beides sein. Ausgangspunkt ist Kritik konservativer Kommentatoren am diesjährigen DAM-Preis, deren Vertreter ein Münchner Mehrgenerationenhaus als "Sperrmüll" verspotteten. Gutzmer hält dagegen, Architektur müsse Menschen "emotional ansprechen" und dürfe gerade deshalb nicht auf reine Funktions- oder Moralästhetik reduziert werden. Die Vorstellung, soziale oder ökologische Architektur könne gestalterische Qualität vernachlässigen, werde oft von jenen vertreten, "die keine Ideen für faszinierende Architektur haben". Als Gegenmodell nennt er den diesjährigen Pritzker-Preisträger Smiljan Radić, dessen Bauten Widersprüche produktiv machten. Radićs Architektur erscheine "spielerisch", "lässig" und "nicht belehrend"; sie verbinde Improvisation, Atmosphäre und Wiederverwendung zu einem "poetischen Eingriff". Besonders das Kunstzentrum NAVE in Santiago de Chile zeige, wie sich sperrige Bestandsarchitektur transformieren lasse, ohne dogmatisch zu wirken. Gutzmers Fazit: Zeitgemäße Architektur müsse soziale Verantwortung und ästhetische Kraft zusammendenken.