Medienschau

"Eine Ära endet, wenn die ihr zugrunde liegenden Illusionen erschöpft sind"

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Die Vermarktung Frida Kahlos, Hans Ulrich Obrist als rastloser Netzwerker und wie der Nahostkonflikt den Golf-Kunstmarkt erschüttert: Das ist unsere Medienschau am Dienstag

Kunstmarkt

In der "Art Newspaper" beschreibt Scott Reyburn, wie der Nahostkonflikt den Golf-Kunstmarkt erschüttert: Messen werden verschoben, Unsicherheit wächst, das Bild von Dubai & Co. als stabilem Luxus-Hub bröckelt. Zugleich zitiert er Arthur Miller: "Eine Ära endet, wenn die ihr zugrunde liegenden Illusionen erschöpft sind". Reyburn deutet an, die Branche halte dennoch an Betrieb und Dialog fest; Galeristinnen betonen, man arbeite weiter. Während im Golf Zensur und Vorsicht dominierten, boome Indiens Markt paradox weiter. Sammler suchten, so wird berichtet, womöglich "Normalität" im Kaufrausch – trotz Krieg und politischer Spannungen.

Kulturerbe

Erneute Suche nach Leitung für Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Bewerbungen können bis zum 31. Mai dieses Jahres eingereicht werden, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung". Dies ist der dritte Versuch, den Posten zu besetzen. Die Stiftung wird derzeit kommissarisch vom Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie, Harald Meller, geleitet. Die Leitung der Stiftung muss alle fünf Jahre ausgeschrieben werden. Zuletzt hatte Brigitte Mang den Posten seit 2017 inne. Sie klagte gegen die Entscheidung des Kuratoriums der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz vom März 2022, dass eine Kulturmanagerin aus Italien die neue Direktorin des Gartenreiches werden soll. Die Ex-Chefin wollte den Posten weiter selbst besetzen. Seitdem war der Weg auf der Suche nach einer neuen Direktorin oder einem neuen Direktor gepflastert mit Klagen und Gerichtsentscheidungen. Später wurde unter anderem ein weiteres Besetzungsverfahren nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts abgebrochen. Die neue Ausschreibung wurde auch von der Hamburger Agentur Kienbaum Consultants veröffentlicht. Demnach wird unter anderem eine Person mit Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein, Verhandlungsgeschick und Kommunikationsfähigkeit gesucht, "die die strategische Entwicklung des Welterbes im Zusammenwirken mit dem Kuratorium und diversen Partnern der Stiftung vorantreibt".  Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz bewahrt, erforscht und vermittelt das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Gartenreich Dessau-Wörlitz. Dazu gehören 140 historische Baudenkmale, davon fünf teilweise als Museen genutzte Schlösser und denkmalgeschützte Gartenanlagen, etwa 7.000 Hektar land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, sowie umfangreiche Kunstsammlungen.

Im "New Yorker" zeichnet Anthony Lane ein Gegenbild zum harmlosen Interieurmaler Johannes Vermeer: Dessen stille Szenen seien Rückzugsorte aus einer von Krieg, Hunger und Massakern geprägten Welt. Lane erinnert an die Gewaltgeschichte der Niederlande und zitiert drastische Berichte  ("Menschen rissen Leichen von Galgen, um sie zu essen"). Zugleich warnt er davor, Vermeer zu verniedlichen; in der Ruhe seiner Bilder liege eine latente Unruhe, "dass die Stille vielleicht nicht hält". Bezugnehmend auf Andrew Graham-Dixons neue Biografie wird argumentiert, religiöse Deutungen könnten die Werke als spirituell aufgeladen lesen. Insgesamt legt Lane nahe, Vermeers Malerei sei weniger Idylle als fragile Zuflucht – ein ästhetischer Schutzraum im Angesicht historischer Gewalt.

In der "Berliner Zeitung" kritisiert Harald Neuber die globale Vermarktung von Frida Kahlo als kulturelle "Verwertungsmaschine". Kahlo werde, so die These, von einer kommunistischen Künstlerin zu einer weltweit lizenzierten Marke mit Produkten von Barbie bis Sneaker transformiert. Ihre Ikonisierung sei dabei längst von der Frida Kahlo Corporation ökonomisch abgesichert und politisch umstritten. Neuber argumentiert, dass diese Kommerzialisierung durch Museen, Verlage und Popkultur weiter verstärkt werde und selbst akademische Deutungen daran mitwirkten. Besonders kritisch sieht er immersive Ausstellungen, in denen Kahlo zur "Lichtinstallation" werde, bei der Schmerz und politische Biografie zugunsten von Erlebnisästhetik verschwinden. Auch die gängige Darstellung ihrer Beziehung zu Diego Rivera wird hinterfragt: Die verbreitete Erzählung einer "komplizierten Liebe" verschleiere Machtungleichgewichte und mögliche Gewaltstrukturen.

Museen

In der "Art Newspaper" berichtet Mercedes Ezquiaga über eine Großspende an das Museo Anahuacalli: Juan Rafael Coronel Rivera, Enkel von Diego Rivera, übergibt mehr als 157.000 Objekte – von Keramiken bis Archiven. Die Sammlung, über Jahrzehnte aufgebaut, solle nun öffentlich zugänglich werden; sie "war immer für ein Museum bestimmt", wird er zitiert. Der Bericht zeigt, dass die Schenkung Riveras Vision einer "Stadt der Künste" neu belebt und die Institution als Forschungszentrum stärkt. Direktorinnen betonen, Sammeln sei hier Wissenspraxis und ermögliche neue Lesarten – auch im Dialog mit dem Museo Frida Kahlo.

Porträt

Im "Wall Street Journal" porträtiert Kelly Crow den Kurator Hans Ulrich Obrist als rastlosen Netzwerker mit festen Ritualen: Er stehe früh auf, gehe joggen, lese täglich – und versuche "jeden Tag ein Buch zu kaufen". Obrist beschreibt seine Praxis als "Verbindungen herstellen", indem er Menschen gezielt zusammenbringt. Trotz seines Rufs als hyperaktiver "Jetset-Kurator" betont er, viele Projekte reiften über Jahrzehnte; Kunst stehe für Dauer, nicht für Beschleunigung. Auch zu KI äußert er sich offen: Künstlern solle nichts vorgeschrieben werden, doch ein verantwortungsvoller Einsatz sei nötig.