Kunstmarkt
Der Sammler Adam Lindemann spricht für "Artnet News" mit dem wegen Kunstbetrugs verurteilten ehemaligen Händler Inigo Philbrick über dessen Haftzeit, die Hintergründe des Falls und seine Reue. Philbrick, der 2022 zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, aber wegen guter Führung nicht mehr Gefängnis ist, bezeichnet seine Taten als "absolutes Wirtschaftskriminalitätsdelikt" und räumt auch einen Vertrauensmissbrauch ein. Seine Flucht nach Vanuatu erklärt er mit Verzweiflung und dem Versuch, die verfahrene Situation noch zu lösen. Über seine Haft sagt er, sie sei "ein wirklich grausamer Ort" gewesen. Als größten Fehler nennt er, aus Angst, Stolz und Arroganz zu spät mit Freunden und Geschäftspartnern über seine Probleme gesprochen zu haben. Sein Fazit: "Je offener und ehrlicher wir miteinander kommunizieren, desto besser."
Museen
Die "New York Times" berichtet über eine Niederlage der New Yorker Ermittler im Streit um eine Egon-Schiele-Zeichnung des Art Institute of Chicago. Wie Graham Bowley und Tom Mashberg schreiben, entschied ein Berufungsgericht einstimmig, dass die Staatsanwaltschaft Manhattan ein Strafgesetz fälschlich angewandt habe, um die 1916 entstandene Zeichnung "Russischer Kriegsgefangener" zu beschlagnahmen. Das Gesetz sei "nicht dafür gedacht, komplizierte, umstrittene Eigentumsfragen zu klären", so die Richter. Das Museum begrüßte die Entscheidung als Bestätigung, dass der Fall vor ein Zivilgericht gehöre. Der Anwalt Nicholas O'Donnell erklärt, das Urteil schränke die Möglichkeiten der Staatsanwaltschaft erheblich ein. Kritisch äußert sich dagegen Raymond Dowd, Anwalt eines Erben des ermordeten Kabarettisten Fritz Grünbaum: "Zu sagen, es sei eine Zivilsache, ist eine reine Ausrede. Polizei und Staatsanwaltschaft sollten geraubte Kunst genauso beschlagnahmen können wie Kokain oder Drogengeld."
Kunstbetrieb
Mittlerweile ist es ein eigenes Genre der Kulturberichterstattung: die Warnung vor dem Bedeutungsverlust der Berliner Kunstszene. Duncan Ballantyne-Way machen in "The Berliner" steigende Mieten, Galerieabwanderungen und Kulturkürzungen Sorgen. Er verweist auf die Schließung beziehungsweise den Wegzug der Galerien Sweetwater und Heidi, der Berliner Dependance der Julia Stoschek Foundation sowie auf die pausierte Ausstellungsarbeit von Savvy Contemporary. Berlin drohe dadurch seine besondere kulturelle Atmosphäre zu verlieren und zu einer "immer größer werdenden Ödnis aus Cafés, Luxusrenovierungen und Öko-Eisdielen" zu werden. Ballantyne-Way fordert deshalb: "Die Stadt muss ihr verrücktes, unberechenbares und unverständliches Kulturleben angemessen finanzieren." Der Artikel wurde übrigens vor dem Wahlsieg der Linken geschrieben.
Debatte
"Vanity Fair" bringt einen Ausschnitt aus einem neuen Buch, in dem der Pulitzer-Preisträger Benjamin Moser den Auftritt von Nan Goldin bei den Rencontres d’Arles beschreibt, wo sie zunächst eigene Arbeiten und schließlich eine Slideshow über Gaza zeigt. Goldin sagt, sie habe den Preis eigentlich nicht gewollt, und kündigt eine "Überraschung" an. Die Bilder zeigen den Alltag in Gaza ebenso wie Zerstörung, Flucht und tote Zivilisten. Goldin erklärt, Gaza sei "der Holocaust auf unseren Handys". Nach einem Zwischenruf verteidigt sie ihre Position, erkennt die Gewalt des 7. Oktobers an und fragt: "Hat es nicht genug Rache gegeben?" Sie bezeichnet Israels Vorgehen als "Krieg gegen Kinder" und als Genozid. Moser hebt die Wirkung der gemeinsam betrachteten Bilder hervor.
Architektur
Der von US-Präsident Donald Trump geplante riesige Triumphbogen in Washington soll nach Angaben des Republikaners auch als Militärstützpunkt dienen. Dort könnten viele Drohnen gelagert und bei Bedarf rasch eingesetzt werden, zudem ließen sich dort Scharfschützen postieren, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Auch könnten in dem Komplex große Mengen Munition für die Scharfschützen gelagert werden. "Es wird in der ganzen Welt keine solche Einrichtung geben", schrieb Trump weiter. Bislang war bei dem geplanten Bau eher die Rede von einer neuen Touristenattraktion für die Hauptstadt gewesen, inklusive Aussichtsplattform auf dem Dach. Dass nun Drohnen und Scharfschützen Vorrang haben sollen, begründete Trump mit einer angeblichen Bitte des Militärs und "Gründen der nationalen Sicherheit". Details dazu nannte er nicht. Offen blieb auch, ob die Umwidmung des Triumphbogens neue Genehmigungsverfahren nötig macht. Kritikern werfen dem 80-jährigen Präsidenten vor, sich mit dem Triumphbogen vor allem selbst ein Denkmal setzen und im Stadtbild der Hauptstadt verewigen zu wollen. US-Medien sprechen bisweilen spöttisch vom «"Arc de Trump". Vorigen Plänen zufolge soll der Triumphbogen gut 76 Meter hoch werden. Der 1836 fertiggestellte Arc de Triomphe in Paris misst rund 50 Meter. Geplant ist das Bauwerk am Rande des Hauptstadtbezirks District of Columbia auf einem Kreisel, von dem aus die Arlington Memorial Bridge zum Lincoln Memorial führt. Früheren Äußerungen Trumps zufolge schwebt ihm der "GRÖSSTE und SCHÖNSTE Triumphbogen weltweit" vor. Über die Kosten und Finanzierung des Triumphbogens ist bislang kaum etwas bekannt. US-Medienberichte zitierten Schätzungen, wonach der Bau zwischen 100 und 250 Millionen US-Dollar kosten könnte – also bis zu 217 Millionen Euro. Ein Ausbau als militärische Einrichtung dürfte nochmals deutlich teurer werden. Die "Washington Post" wies darauf hin, dass es kaum vorstellbar sei, das Bauwerk zu einem Drohnen-Stützpunkt zu machen, auch weil es in der Nähe des Reagan-Hauptstadtflughafens stehen würde – Luftlinie nur gut drei Kilometer von der nördlichen Landebahn entfernt. Flugzeuge nutzen häufig die Einflugschneise über dem Fluss Potomac am Westrand der Hauptstadt. Der demokratische Abgeordnete Don Beyer aus dem angrenzenden Bundesstaat Virginia, wo auch der Hauptstadtflughafen liegt, nannte Trumps Plan "bescheuert, gefährlich und nicht praktikabel". Der Republikaner gehe wohl davon aus, dass er vor Gericht verlieren werde und bemühe sich daher schon um einen neuen Vorwand für den Bau des Triumphbogens. Die militärische Begründung sei "natürlich idiotisch", schrieb Beyer auf der Plattform X.
Das besondere Kunstwerk
Nicola Kuhn berichtet im "Tagesspiegel" über das neue Mahnmal für die Opfer des rechtsextremen Terroranschlags von Utøya und Oslo 2011. Matias Faldbakkens zwölf Meter hohe Skulptur "Upholding" besteht aus einem Stahlgerüst, das an eine frühere Baustelle erinnert, und einem aus 300.000 Mosaiksteinen gebildeten Vogel. Kuhn beschreibt das Werk als bewusst irritierend: Es halte "die Wunde offen" und lasse "das Trauma nicht enden". Zugleich verweist sie auf die politische Dimension öffentlicher Kunst. Kuratorin Helga-Marie Nordby sagte bei einem Termin in der norwegischen Botschaft in Berlin: "Kunst und öffentlicher Raum sind der entscheidende Punkt für eine Demokratie." Im neuen Regierungsviertel wird außerdem mit einem Textilbild der samischen Künstlerin Hilde Skancke Pedersen die Präsenz der Indigenen im Zentrum der politischen Macht sichtbar. Über das Mahnmal hat auch Monopol berichtet.
Matias Faldbakken "En opprettholdelse / Upholding", 2026