Medienschau

"Eintrittsgeld für den Dom? Wer hat sich das denn ausgedacht?"

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Weimer lässt Jurymitglieder erfassen, das Versagen der Berliner Kulturverwaltung, und Hape Kerkeling ist gegen Eintritt für Kölner Dom: Das ist unsere Medienschau am Montag

Kulturpolitik

Nach "Spiegel"-Informationen lässt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer Jurymitglieder der Kulturförderung systematisch erfassen. Wie Ulrike Knöfel berichtet, sei intern um "weitergabefähige" Listen gebeten worden, da "hoher politischer Druck entsteht". Offiziell diene die Erhebung dem Überblick über Verfahren, Kritiker fürchten jedoch eine stärkere Einflussnahme auf unabhängige Gremien. Es bestehe sogar die Sorge, einzelne Jurymitglieder könnten einer Überprüfung durch den Verfassungsschutz unterzogen werden. Dies wies die Sprecherin des Beauftragten für Kultur und Medien auf dpa-Anfrage zurück. "Vielmehr gebührt den vielen Ehren- und Nebenamtlichen, die sich in den Jurys des BKM für Kunst und Kultur engagieren, großer Dank und Anerkennung." Zuletzt hatte eine Entscheidung Weimers beim Deutschen Buchhandlungspreis für Wirbel gesorgt: Er hatte drei linke Buchläden, die von einer Jury für die Auszeichnung und ein Preisgeld ausgesucht worden waren, von der Liste streichen lassen - wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse", wie es hieß. Inzwischen bröckelt der Rückhalt für Weimer auch in der Unionsfraktion. "Es rumort ordentlich", schreibt Eckart Lohse in der "FAZ". Selbst Wohlgesonnene seien "nicht mehr in der Mehrheit". 

In der "Berliner Zeitung" zeichnet Ulrich Seidler das "Protokoll eines angekündigten Skandals" nach: Bei einem Zehn-Millionen-Fonds gegen Antisemitismus habe die Berliner Kulturverwaltung eigene Warnungen ignoriert. Laut Seidler belegen interne Dokumente "Regelverletzungen bis zur groben Fahrlässigkeit". Förderentscheidungen seien teils ohne inhaltliche Prüfung erfolgt – "in vollständiger Verantwortung der Hausleitung". Politischer Druck habe das Verfahren beschleunigt, während Fachstellen vor rechtlichen Risiken warnten. Die heutige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson habe schließlich angewiesen, Anträge nur formal zu prüfen. Seidler deutet an, dass dadurch Haftungsfragen entstehen könnten; ein Untersuchungsausschuss soll nun klären, ob Fördermittel rechtswidrig vergeben wurden.

Im Antisemitismusstreit um die Kunstakademie Düsseldorf kritisiert Boris Pofalla in der "Welt" die Leitung der Hochschule. Rektorin Donatella Fioretti zeige sich "maximal uneinsichtig" – "zum Schaden aller". Anlass ist ein umstrittener Auftritt der Künstlerin Basma al-Sharif, deren Einladung laut Kritikern ein "fatales Signal der Normalisierung" sende. Pofalla hält fest, die Akademie habe es versäumt, klar Stellung zu beziehen: Statt konkreter Auseinandersetzung mit den Vorwürfen begnüge sie sich mit allgemeinen Floskeln. Gerade das wirke nach außen so, "als habe al-Sharif alles richtig gemacht". Zwar sei es legitim, kontroverse Künstler einzuladen, doch dürfe das nicht bedeuten, auf eine eigene Haltung zu verzichten. Die Folge: Die Affäre sei größer geworden als nötig. Für Monopol berichtete Daniel Kothenschulte

In der "New York Times" berichtet Julia Jacobs über die Aufstellung einer neuen Kolumbus-Statue auf dem Gelände des Weißen Hauses. Die Skulptur ist eine Replik eines 2020 in Baltimore von Demonstrierenden gestürzten Denkmals und wurde nun vor dem Eisenhower Executive Office Building installiert. Die Maßnahme ist Teil der politischen Symbolpolitik von Donald Trump: "In diesem Weißen Haus ist Christoph Kolumbus ein Held", erklärte ein Sprecher, man werde sicherstellen, dass er "für kommende Generationen geehrt" werde. Jacobs ordnet dies in die Auseinandersetzungen um Denkmäler im Zuge der Proteste nach dem Tod von George Floyd ein, bei denen landesweit mehr als 30 Statuen entfernt wurden.

Architektur

Zur Wiedereröffnung des New Museum in New York zeichnen Claas Oberstadt in der "Zeit" und Frauke Steffens in der "FAZ" ein Bild zwischen Zukunftseuphorie und Gegenwartsdiagnose. Oberstadt beschreibt den Erweiterungsbau des Büros Rem Koolhaas als "Raumschiff", das in Manhattan gelandet sei – ein futuristisches Signal in Zeiten von KI-Ängsten und Kulturkürzungen. Die Ausstellung "New Humans" verknüpfe Technikträume der 1920er mit der Gegenwart und zeige, wie sehr "Mensch und Maschine" verschränkt sind. Auch Steffens betont die architektonische Wucht: Der Neubau verstehe sich als "Ergänzung, ein Gegenstück" und verdopple die Fläche. Museen seien "letzte echte öffentliche Räume", heißt es aus dem Haus. Zugleich wirkt die Schau mit über 700 Objekten bewusst überbordend und ernst.

Kulturerbe

Hape Kerkeling ist gegen Eintritt für den Kölner Dom: "Unmöglich! Das geht nicht", sagte der Entertainer, Schauspieler und Buchautor der Deutschen Presse-Agentur. "Die Zeiten ändern sich – aber Eintrittsgeld für den Dom? Wer hat sich das denn ausgedacht?" Das Domkapitel hatte kürzlich angekündigt, demnächst von Touristen Eintrittsgeld zu verlangen. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden. Gottesdienstbesucher und Betende sollen weiter gratis Zugang erhalten, ebenso Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins. In Hape Kerkelings neuem Film "Horst Schlämmer sucht das Glück" kommt der Dom prominent vor – ebenso wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. "Wir wollten ihn wahnsinnig gern dabeihaben, denn zum Glück gehört für wahnsinnig viele Menschen ja nun auch der Glaube an Gott", sagte Kerkeling. "Und deshalb hat das in einem Film über Glück viel verloren. Und mit wem sollte man darüber reden, wenn nicht mit dem Erzbischof von Köln, der Diözese, in der Horst Schlämmer nun mal beheimatet ist?" Kerkeling war aber "dann schon sehr erstaunt, dass Herr Woelki tatsächlich zugesagt hat", erzählte er. "Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Aber er hat zugesagt, und das auch mit großer Freude."

Street-Art

Die "Bristol Post" berichtet über eine Verwechslung nach den neuen Recherchen zur Identität von Banksy. Fotos von einem Londoner Bauarbeiter sind im Netz aufgetaucht, nachdem Reuters erneut Robin Gunningham als den Künstler hinter dem anonymen Street-Artist ausgemacht hat. Aber der Bauarbeiter George Georgiou weist die Gerüchte zurück: "Ich bin nicht Banksy … Es ist wirklich nervig, lächerlich und verstörend." Die Spekulationen seien inzwischen "ein alter Witz" und würden seinen Alltag "ununterbrochen stören". Auslöser waren wiederaufgetauchte Fotos, die ihn bei Arbeiten an einem Banksy-Werk zeigen. Der Bauarbeiter betont, er habe damals lediglich Arbeiten zum Schutz des Werks ausgeführt.