Museen
Ben Davis schildert auf "Artnet News" eine Kongressanhörung zur angeblichen ideologischen Schlagseite der Smithsonian Institution als parteipolitisches Spektakel. Sein Fazit: Museumsdirektorin Anthea Hartig habe die Angriffe "gelassen, professionell" überstanden und den Republikanern "irgendwelche echten Gotcha-Momente" verweigert. Die Republikaner wirkten laut Davis schlecht informiert und stützten sich fast ausschließlich auf den Bericht "Saving America’s Story", während die Demokraten zwischen berechtigter Empörung und professoralem Ton schwankten. Historiker David Blight sei dagegen zur zentralen Gegenstimme geworden. Davis beschreibt die Anhörung insgesamt als "widerwärtige Angelegenheit".
Matthias Dusini schreibt im Wiener "Falter" über den gestoppten Ankauf der Sammlung Peter Weiermair durch das Land Tirol. Auslöser war laut Bericht der Verdacht auf "Missbrauchsdarstellungen von Knaben", der Weiermairs Ruf als Pionier queerer Kunstgeschichte posthum beschädige. Dusini fragt: "Ist das noch Kunst oder muss das weg?" und schildert den Konflikt zwischen Missbrauchssensibilität, Archivarbeit und politischer Vorsicht. Er berichtet, dass Journalistin Edith Schlocker rund 20 problematische Bilder identifiziert habe, ohne sie Juristen oder Fotohistorikern vorzulegen. Der Autor schreibt, der Fall zeige, wie das Reizthema eine sachliche Beschäftigung mit Archiven verhindere. Weiermairs Neffe spreche von "Zerstörung der Privatsphäre".
Kunstmarkt
George Nelson berichtet im "Art Journal" über eine neue Studie in Nature Communications, die die Ursachen der Geschlechterlücke im Kunstmarkt untersucht. Die von Xindi Wang, Alexander J. Gates, Magnus Resch und Albert-László Barabási verfasste Analyse von 65.768 Künstlerinnen und Künstlern zeigt, dass nicht allein das Geschlecht, sondern vor allem institutionelle Netzwerke den langfristigen Erfolg prägen. Resch erkläre, der überraschendste Befund sei gewesen, "dass das Geschlecht eines Künstlers ein schwächerer Indikator für den Zugang zum Auktionsmarkt war als die Geschlechterzusammensetzung der Institutionen, die seine Arbeit zeigen". Entscheidend seien also Museen, Galerien und Beziehungen, über die Karrieren aufgebaut würden. Resch betone: "Der Kunstmarkt glaubt gern, Erfolg beruhe auf Talent. Ich widerspreche: Institutionelle Netzwerke sind der stärkste Prädiktor für langfristigen Erfolg." Eine gerechtere Kunstwelt erfordere daher nicht nur mehr Ankäufe von Künstlerinnen, sondern einen besseren Zugang zu den Netzwerken, in denen Erfolg entsteht.
Tessa Solomon berichtet in "ARTnews", dass Jeff Koons einen weiteren Rechtsstreit um Urheberrechte gewonnen hat. Ein Berufungsgericht in New York wies die Klage des Künstlers Michael Hayden gegen Koons’ Serie "Made in Heaven" ab, da sie nach Ablauf der dreijährigen Verjährungsfrist eingereicht worden sei. Hayden hatte geltend gemacht, eine von ihm geschaffene Styropor-Skulptur eines aufgerollten Schlangenkörpers sei 1989 ohne Erlaubnis in einer Fotografie der Serie verwendet worden. Richter Denny Chin erklärte, die Entscheidung bedeute nicht automatisch, dass keine Urheberrechtsverletzung vorliege. Allerdings könnten Kläger "nicht den Kopf in den Sand stecken, eine weltweite Medienberichterstattung ignorieren und dann 30 Jahre später klagen". Solomon erinnert daran, dass Koons’ Aneignungspraxis bereits mehrfach Gegenstand von Copyright-Verfahren war – darunter ein verlorener Prozess 2021 in Frankreich um die Skulptur "Fait d’hiver".
Performance
Wann folgen die ersten Werke in den USA? Florentina Holzinger scheint gerade einen Durchbruch in den USA zu gelingen: Gestern berichteten wir an dieser Stelle von ihrem riesigen "New Yorker"-Porträt, aber auch "Cultured" hat jetzt ein langes Interview mit der österreichischen Choreografin und Performancekünstlerin veröffentlicht. Im Gespräch mit Elisabeth von Thurn und Taxis erklärt Holzinger, ihr Ziel sei es gewesen, "einen echten Körper in diesen Kontext zu bringen"; ihre Arbeit mit Nacktheit, Schmerz und Körperlichkeit verstehe sie als Reaktion auf strukturelle Gewalt und gesellschaftliche Tabus. Zur anhaltenden Empörung über nackte Frauenkörper sage Holzinger, viele Menschen könnten "einen weiblichen Körper ohne Kleidung" nur im pornografischen Kontext denken. Mit Blick auf soziale Medien betone sie zudem, es sei "sehr wichtig, sich mit dem ungefilterten Körper auseinanderzusetzen". Den Erfolg ihrer Arbeiten führt sie auf ein langjähriges Team zurück; die sichtbaren Narben ihrer Performerinnen gehörten zu deren Geschichte und müssten nicht verborgen werden. Die Zusammenarbeit mit der Galerie Thaddaeus Ropac bezeichnet sie als logische Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Praxis.
KI
Nach dem erfolgreichen Kinostart von Christopher Nolans "Die Odyssee" will auch Elon Musk das antike Epos in einen Film verpacken. "Noch vor Ende des Jahres wird Grok Imagine einen abendfüllenden Film über die Odyssee machen, der historisch korrekt ist und Homers Werk gerecht wird", schrieb der Milliardär auf seiner Plattform X. Grok Imagine ist der Bild- und Videogenerator von Musks KI-Unternehmen xAI. Die antike Dichtung von Homer in der "Odyssee" ist kein historischer Bericht. Das Epos handelt unter anderem von Zauberei, Zyklopen und Sirenen. Was Musk unter historisch korrekter Darstellung versteht, ließ er offen. "Die Odyssee" läuft seit vergangener Woche im Kino. In dem Film nach Homers Epos verkörpert Matt Damon den griechischen Helden Odysseus auf dessen jahrelanger, von Stürmen, Kämpfen und mythischen Gefahren geprägter Heimreise nach dem Trojanischen Krieg.