Medienschau

"Triumphale Verherrlichung"

artikelbild_monopol-medienschau

Verklärt das neue "Bauhaus-Manifest" die widersprüchliche Geschichte der Schule? Müssen Eltern alle Zeichnungen der eigenen Kinder aufbewahren? Scheitert das Naturkundemuseum im Elbtower? Das ist unsere Medienschau am Montag

Debatte

Dankwart Guratzsch kritisiert in der "Welt" das "Bauhaus-Manifest 2026", mit dem 14 Kulturinstitutionen angesichts der Angriffe der AfD für "Freiheit, Offenheit und Kreativität" werben. Der Autor hält die politische Stilisierung des Bauhauses für historisch verkürzt und verweist insbesondere auf Hannes Meyer, der die Schule marxistisch geprägt habe. Dessen Credo lautete: "Unter architektur verstehe ich die kollektivistische und unter ausschluss des persönlichen erfolgende deckung aller lebensbedürfnisse." Zugleich erinnert Guratzsch an die Selbstkritik Walter Gropius’, der später von "Greueln von reglementierten Wohnhaussiedlungen" sprach. Das heutige Manifest betreibe dagegen eine "triumphale Verherrlichung" des Bauhauses und verkenne dessen widersprüchliche Geschichte. Das sieht Peter Richter in der "SZ" ähnlich: Er erinnert etwa an rassistische und esoterische Strömungen sowie an Bauhäusler mit Nähe zum Nationalsozialismus. Gerade die erneute Glorifizierung hält er für problematisch: Das Bauhaus werde "immer wieder aufs Neue zusammengeknetet". Zugleich sieht er die AfD als unfreiwillige Helferin des Bauhaus-Mythos: Wer dessen "einseitige Glorifizierung" angreife, sorge für geschlossene Reihen. Gropius, so Richter zugespitzt, sei "ein zweifelhafter Architekt, aber unzweifelhaft ein Großmeister der Propaganda".

Sonja Zekri analysiert in der "SZ" noch einmal breiter, wie die AfD in Sachsen-Anhalt Kultur zum politischen Instrument machen will. Im Wahlprogramm steht "Kultur und Integration" ungewöhnlich weit oben. Vorgesehen sind unter anderem ein "Stolz-Pass", mehr Förderung von Brauchtum und Kriegerdenkmälern sowie Einschnitte bei politischer Bildung und Provenienzforschung. Zekri sieht dahinter die Strategie, eine "patriotische Wende" über kulturelle Hegemonie einzuleiten. Maßgeblich geprägt habe das Konzept der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der Deutschland eine "Identitätsstörung" und einen "Schuldkomplex" attestiert. Seine "neue, patriotische Kulturpolitik" solle die deutsche Identität heilen und zugleich Integration fördern. Zekri hält diese Vorstellung von Identität für widersprüchlich und kulturpolitisch fatal.

Wlada Kolosowa beschreibt im "Zeit"-Familienressort ihren pragmatischen Umgang mit der Kunstproduktion ihrer Kinder. Nachts werde sie zur "Kuratorin" und sortiere die zahllosen Werke ihrer vierjährigen Tochter aus. "Dann werfe ich alle in den Müll." Kolosowa betont, dass kreatives Schaffen Kindern guttue, sie aber keine Wohnung voller Kinderkunst anhäufen wolle. Ihre Lösung: Nur sechs Bilder pro Jahr kommen in einen Best-of-Karton, der bis zum Schulabschluss reichen soll. Das Ausmisten vergleicht sie augenzwinkernd mit der Kunstgeschichte: Auch bei Picasso müsse für Ausstellungen radikal ausgewählt werden. Die Kuratorin Janet McLean sagt dazu: "Wenn man alles hineinnimmt, kann man nichts mehr sehen." 

Kunstmarkt

Im "Art Newspaper" erklärt Anna Brady, wie Künstler und Sammler ihre Werke zurückerhalten können, wenn Galerien insolvent gehen – etwa nach den jüngsten Pleiten von Stephen Friedman, Arusha und Simon Lee. Die Anwältin Petra Warrington von Wedlake Bell rät: "Die Einlieferer sollten sich so bald wie möglich an die Insolvenzverwalter wenden, ihre Eigentumsrechte geltend machen und einen Eigentumsnachweis vorlegen." Da der Kunstmarkt oft auf mündlichen Absprachen statt schriftlichen Verträgen beruhe, könnten fehlende Dokumente den Prozess erschweren; Insolvenzverwalter seien "sind selten mit den Gepflogenheiten des Kunstmarktes vertraut". Am wirksamsten schütze eine klare Konsignationsvereinbarung, die das Eigentum eindeutig beim Einlieferer belasse. James Ratcliffe vom Art Loss Register ergänzt, immer mehr Künstler ließen umstrittene Werke registrieren, um vor unautorisierten Verkäufen gewarnt zu werden – dabei zähle vor allem Geschwindigkeit: "Je mehr Transaktionen ein Kunstwerk durchläuft, desto schwieriger wird es für alle Beteiligten, wieder den richtigen Stand zu ermitteln ..."

Museen

Der geplante Einzug des Naturkundemuseums in den Hamburger Elbtower droht zu scheitern. Auf eine Frage des "Hamburger Abendblatts", wie hoch er die Wahrscheinlichkeit für eine Umsetzung des Projekts einschätze, sagte der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Dirk Kienscherf: "Die schätze ich als gering ein." Nach der Pleite der Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko ruhen beim Elbtower seit Oktober 2023 die Bauarbeiten. Seit Dezember 2024 verhandelt ein Konsortium um den Immobilieninvestor Dieter Becken mit dem Insolvenzverwalter Torsten Martini über den Kauf des halbfertigen Rohbaus am Ostende der HafenCity. Einer Eckpunktevereinbarung vom Oktober 2025 zufolge soll im Elbtower auch das geplante Naturkundemuseum untergebracht werden. Dafür will die Stadt fast die Hälfte des Gebäudes zu einem Festpreis von 595 Millionen Euro übernehmen. Genau das scheint nun aber auf der Kippe zu stehen. "Wir sind bereit, über das Teileigentum zu reden, wenn es dazu dient, das Naturkundemuseum zu realisieren", sagte Kienscherf. Dazu seien Bedingungen formuliert worden, die den Investoren seit Monaten vorlägen. "Da wird es auch keinen Nachschlag geben", betonte der SPD-Fraktionschef. Die Stadt habe ein Angebot vorgelegt. "Das bedeutet noch nicht, dass ein entsprechender Erwerb eines Teileigentums überhaupt zustande kommt", sagte Kienscherf. Am Ende entscheide die Bürgerschaft. "Der Elbtower war und ist ein privates Bauobjekt, und kein Bürger in dieser Stadt muss befürchten, dass staatliches Geld zulasten der Steuerzahler reingeht." Ursprünglich sollte der aktuell 100 Meter hohe Elbtower des Architekten David Chipperfield mit 64 Stockwerken und 245 Metern Höhe Deutschlands dritthöchstes Gebäude werden. Nun sollen es nur noch 199 Meter werden, wie aus dem Bauvorbescheid vom März dieses Jahres hervorgeht. An dem Konsortium sind neben Becken der Milliardär Klaus-Michael Kühne, die Versicherung Signal Iduna, das Bauunternehmen Adolf Lupp sowie der Gründer der Drogeriekette Rossmann, Dirk Roßmann, beteiligt.

Dank eines aufmerksamen Zeugen hat die Polizei drei mutmaßliche Schmuckdiebe nach einem Einbruch in das Pforzheimer Schmuckmuseum ertappt. Die Verdächtigen seien in der Nacht "am Objekt" festgenommen worden und würden nun vernommen, heißt es in der "Pforzheimer Zeitung". Auch ein Hubschrauber war demzufolge im Einsatz. Ob die Täter bereits Beute bei sich gehabt oder es auf ein besonderes Schmuckstück abgesehen hätten, sei noch unklar. Auch war zunächst nichts zum Alter der Festgenommenen bekannt oder dazu, wie sie in das Gebäude gelangt waren. In dem Museum werden Exponate aus rund 5.000 Jahren gezeigt. Auch eine Sammlung von Ringen sowie eine Taschenuhrsammlung ist dort zu sehen, wie auf der Website des Hauses zu lesen ist. Derzeit laufen dort drei Ausstellungen zum Thema Silber.

Malerei

In der "Augsburger Allgemeinen" spricht Birgit Müller-Bardorff mit Antje Scherner, Direktorin des Bode-Museums, über den Besucheransturm auf das Kanzlerinnen-Porträt von Angela Merkel (die Besucherzahlen sind um 85 Prozent gestiegen). Viele Gäste würden das Gemälde nicht nur betrachten, sondern die Kanzlerschaft selbst mitreflektieren. Zur künstlerischen Gestaltung durch Jérémie Queras erklärt Scherner: Statt frontalem Licht habe der Künstler ein Streiflicht gewählt, "um die Würde, aber auch die Herausforderung dieses Amtes herauszustellen." Auffällig sei zudem der Verzicht auf Merkels bekannte Raute-Geste; stattdessen liege auf dem Tisch ein Würfel mit der Inschrift "In der Ruhe liegt die Kraft" – für Scherner "ein kluger Spruch, der doch viel mehr aussagt über diese Kanzlerin als die Raute". Das Porträt ist noch bis zum 4. Oktober zu sehen, bevor es ins Bundeskanzleramt wechselt.

Kunstberichterstattung

"The Art Newspaper" meldet, dass die AMTD Group Benjamin Sutton zum Global Editor-in-Chief der Publikation ernannt hat. Sutton war seit 2021 zunächst Editor Americas und zuletzt Editor in Chief, Americas, wobei er das Redaktionsbüro in New York leitete und die Berichterstattung nach Kanada und Lateinamerika ausweitete. Unter seiner Führung entstand laut Mitteilung das erste zweisprachige englisch-spanische Projekt der Zeitung in Mexiko-Stadt sowie die Messe-Tageszeitungen bei Art Basel Miami Beach, Frieze Los Angeles und Frieze New York. In seiner neuen Rolle soll er die globale redaktionelle Strategie festlegen und den Ausbau der digitalen Präsenz vorantreiben. Die AMTD Group ist ein in Hongkong ansässiger Finanz- und Medienkonzern, der "The Art Newspaper" 2023 vollständig von der bisherigen Besitzerin Inna Bazhenova übernommen hat. Seither ist die Zeitung alleiniges Eigentum von AMTD, das sie über seine Tochtergesellschaft The Generation Essentials Group betreibt.

KI

Anders als andere Musiker hat der US-Rapper und Musikproduzent Dr. Dre nichts gegen den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Musik. "Ich sehe das nicht als Bedrohung. Ich denke, die einzigen Leute, die das als Bedrohung sehen, sind diejenigen, die Schwierigkeiten haben, kreativ zu sein", sagte der 61-Jährige in einem Interview mit der "New York Times". Der Musiker berichtete von einer Diskussion, die er mit ein paar Leuten geführt habe. "Sie waren gegen KI, und ich sagte: 'Okay, du klingst wie jemand, der auch gegen die Drum Machine gewesen wäre, als sie herauskam.'" Es sei ein neues Werkzeug für Kreativität. "Manche Leute haben Angst, Neues zu lernen. Ich befürworte es. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, was damit passieren wird", sagte der Rapper weiter. Auf die Frage, ob er selbst KI beim Musikproduzieren benutze, sagte er: "Ja, ich benutze sie. Noch einmal: als Werkzeug, um zu sehen, was sie mit dem macht, was ich gerade gemacht habe."  Andere Musiker sehen die Technologie kritischer. Popstar Madonna lehnt die Technologie in der Kunst ab: "Algorithmen und künstliche Intelligenz sind das Gegenteil von Risikobereitschaft – und für mich ist das das Gegenteil von Kunstschaffen", sagte sie vor Kurzem im Gespräch mit "Vogue Italia". Rapperin Doja Cat kritisierte den Rapper Tyga kürzlich für den Einsatz von KI auf dessen neuem Album. Beide Künstler haben bereits mehrfach zusammengearbeitet. Der 36-jährige Tyga hatte kürzlich in einem "Vibe"-Interview zugegeben, auf KI bei der Produktion seines Albums "$TARFACE" zurückgegriffen zu haben. Das Musikmagazin "Pitchfork" gab dem Album in einer Kritik "0,0" Punkte und nannte es "ein Stück Scheiße".