Medienschau

"Berlins Verlust, Londons Gewinn"

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Warum eine Berliner Galerie nach London zieht, Angela Merkel eröffnet eine Ausstellung, und der griechische Ministerpräsident plädiert für die Rückgabe der Parthenon-Skulpturen: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag


Kunstmarkt

In "The Art Newspaper" berichtet Kabir Jhala über den Umzug der Berliner Galerie Heidi nach London. Galeristin Pauline Seguin nennt neben der "lebendigen Szene jüngerer Galerien" in London auch die Probleme Berlins als Grund: Sinkende Kulturbudgets und die Immobilienkrise führten dazu, dass "immer weniger experimentelle Kunst" gezeigt werde. Zudem habe die globale Kunstmarktkrise die Bedeutung von Sammlerkontakten erhöht: "Nicht viele Menschen reisen tatsächlich nach Berlin." In London setzt Seguin deshalb auf die Dichte der Sammler und hat ein kleines Ladenlokal in der Nähe der Bond Street bezogen. Paris habe sie wegen des "etwas konservativen" Geschmacks verworfen; London habe dagegen "Appetit auf das Experimentelle und Subkulturelle". Jhalas Fazit: Berlins Verlust sei Londons Gewinn.

Kunst und Politik

Im "Guardian" plädiert der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis für die Rückgabe der Parthenon-Skulpturen aus dem British Museum nach Griechenland. Er vergleicht sie mit dem ungeteilten Teppich von Bayeux: Niemand würde ernsthaft erwägen, den Teppich zu zerschneiden und auf London und Bayeux aufzuteilen. Die Parthenon-Skulpturen seien dagegen als Teile eines einheitlichen Monuments gewaltsam getrennt worden. Mitsotakis betont, es gehe nicht nur um Besitz oder Eigentum, sondern um die "Wiederherstellung der physischen, ästhetischen und konzeptionellen Integrität" des Bauwerks. Griechenland lehne Leihmodelle ab und wolle eine dauerhafte Wiedervereinigung in Athen. Der britischen Öffentlichkeit bescheinigt er wachsende Unterstützung für die Rückgabe. Nötig seien nun "politischer Wille und Mut".

In der "Zeit" analysiert Ijoma Mangold Angela Merkels Auftritt bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Porträts von Oskar Kokoschka und Andy Warhol im Bundestag. Das Publikum habe weniger die Kunst als Merkels mögliche Deutung der aktuellen politischen Lage erwartet. Doch Merkel habe weder Landtagswahlen noch ihren Nachfolger kommentiert. Gerade durch das Ungesagte sei eine "Aura des Unausgesprochenen" entstanden: Die Anwesenden hätten zwischen den Zeilen nach Botschaften gesucht. Applaus erntete Merkel etwa für Adenauer als "Brückenbauer" und für die Ergänzung, dazu gehörten heute "Menschen mit und ohne Migrationshintergrund". Über ihre eigene Porträtiertwerdung sagte sie: "Da geht es nicht mehr ums Bestimmen, da bestimmt der Künstler." Mangold beschreibt den Abend als Blick in eine Vergangenheit, in der Moral und Macht noch gefestigt schienen.

Kunst und Theater

Die Feuilletons wissen offenbar immer noch nicht so richtig, was sie mit der Intendanz von Çağla Ilk am Berliner Gorki Theater anfangen sollen. Will die Kuratorin das klassische Ensembletheater abschaffen, wird es nur noch Kunst zu sehen geben? War es das jetzt mit dem postmigrantischen Programm ihrer Vorgängerin Shermine Langhoff? Nun versucht sich auch Bernd Noack in der "NZZ" an einer Einordnung der neuen Gorki-Intendantin und konstatiert: "Jetzt steht Ilk an der Spitze und wirft alles, was Langhoffs Gorki ausmachte, über den Haufen." Laut Ilk soll ihr Haus vieles sein dürfen: "Ein Treffpunkt mithin, an dem so gut wie alles möglich und erlaubt sein soll – nur eines nicht: ein langweiliger Spielplan mit lauter Theaterstücken und den immer gleichen Schauspielernamen", schreibt Noack. Das Eröffnungsprogramm, das sich mit multimedialen Werken an der Theaterlegende Tadeusz Kantor abarbeitet, findet der Autor schon mal "nicht die schlechteste Idee". Angetan ist er vor allem von einer Installation des türkischen Künstlers Sarkis, in der das Publikum wie in einem Spukschloss herumwandelt. "Den Geist Tadeusz Kantors will man hier nicht bannen. Man soll ihm begegnen, mit ihm in Dialog kommen über Theater, das mehr sein will als nur begrenzte, teilnahmslose Unterhaltung."

Ausstellung

Einen "Jahrgang mit starker Konkurrenz" sieht Kunstkritiker Jonathan Jones im "Guardian" beim aktuellen Turnerpreis. Für die renommierteste britische Auszeichnung der Gegenwartskunst sind 2026 vier Einzelpersonen nominiert (nach den kollektiven Experimenten der vergangenen Jahre keine Selbstverständlichkeit): Tanoa Sasraku, Marguerite Humeau, Kira Freije und Simeon Barclay. Bei der traditionellen Gruppenausstellung, diesmal im Mima in Middlesbrough, kristallisiert sich für Jones eine klare Favoritin heraus: Wie ein Fußballfan feuert er die Bildhauerin Kira Freije an, deren Cyborg-artige Metall-Skulpturen für ihn eine Suche nach Menschlichkeit im KI-Zeitalter verkörpern: "Das ist nicht die Zukunft. So leben wir heute. Freijes Cyborgs berühren sich zärtlich, stehen einander bei und kuscheln mit Haustieren aus Stahl. Das Einzige, was zählt und überdauert, so vermittelt diese atemberaubende Installation, sind Liebe und Mitgefühl." Aber auch die Werke der anderen Nominierten überzeugen den Kritiker, was ihm Hoffnung für den schon oft totgesagten Turnerpreis gibt: "Es fühlt sich wie ein Ereignis an, als ob es von Bedeutung wäre – was dem Turner-Preis in den letzten Jahren oft nicht gelungen ist. Ich hoffe, dass es zu heftigen und eloquenten Meinungsverschiedenheiten anregen wird."