Kulturpolitik
Im Deutschlandfunk zeichnen Lars Hendrik Beger und Stefan Koldehoff die umstrittene Amtszeit von Wolfram Weimer nach. "Noch kein Jahr ist Wolfram Weimer Kulturstaatsminister, schon hagelt es Rücktrittsforderungen", heißt es gleich zu Beginn. Anlass seien Debatten um die Berlinale, den Deutschen Buchhandlungspreis und die Deutsche Nationalbibliothek. Weimer selbst betont, er wolle "klare kulturpolitische Akzente setzen". Kritiker werfen ihm hingegen vor, Kulturpolitik "ideologisch zu verengen". Der Beitrag hält fest: "Die Kultur ist längst zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen geworden".
Im "Guardian" berichtet Philip Oltermann über den Streit um den südafrikanischen Beitrag zur Venedig-Biennale. Die Performance "Elegy" von Gabrielle Goliath, die einen Bezug zum Gazakrieg hat, war zunächst gestoppt worden, soll nun aber doch in der Kirche Chiesa di Sant’Antonin gezeigt werden – allerdings außerhalb des offiziellen Programms. Die Absage habe "einen gefährlichen Präzedenzfall" geschaffen und sei erfolgt, weil Kulturminister Gayton McKenzie "Anstoß an bestimmten Aspekten der Arbeit genommen" habe. Dieser begründete die Entscheidung damit, das Thema sei "bekanntermaßen stark spaltend" und betreffe einen "breit polarisierenden" Konflikt. Goliath widerspricht: Nicht die Sprache mache das Werk kontrovers, "sondern die Tatsache, dass es sich dem Trauern um palästinensische Leben widmet". Der südafrikanische Pavillon selbst bleibt leer.
Christian Schröder schildert im "Tagesspiegel" den Machtkampf um das Berliner Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung und warnt vor einer erinnerungspolitischen Verschiebung: Es gehe darum, ob weiterhin eine international eingebettete, auf Ausgleich zielende Erinnerungspolitik dominiert oder stärker eine deutsche Opferperspektive. Die bisherige Direktorin Gundula Bavendamm müsse überraschend um ihre Verlängerung kämpfen – ein ungewöhnlicher Vorgang, der als "Demütigung" gelten könne. Favorit sei der politisch vernetzte Funktionär Sven Oole, dem Kritiker mangelnde wissenschaftliche Erfahrung attestierten. Laut Historiker Stephan Lehnstaedt wäre es "überraschend", wenn Oole nicht gewinne; dann drohe, dass der Bund der Vertriebenen "durchregieren" wolle. Schröder beschreibt eine "Atmosphäre unterschwelliger Angst" im Haus, viele fürchteten eine "180-Grad-Kehrtwende". Lehnstaedt warnt, eine solche Neuausrichtung könne zu einer Erzählung führen, in der Deutschland als "leidgeprüft erscheint".
Nachruf
In "Texte zur Kunst" erinnern Susanne Pfeffer, Marietta Kesting und Ekaterina Degot an die Mitte Februar verstorbene Künstlerin Henrike Naumann. Naumann habe die Umbrüche nach der Wende als Zustand erlebt, in dem sich viele "befreit, aber auch wie im freien Fall, orientierungslos und verraten" fühlten, schreibt Museumsdirektorin Pfeffer. Sie hebt hervor, wie kompromisslos sich Naumann diesen Entwicklungen stellte und sie künstlerisch sezierte. Naumanns Werk bleibe zentral, um "diese Gegenwarten auch in Zukunft zu begreifen". Ihre Installationen seien "ganze Welten", die sich kaum dokumentieren ließen und in Aufzeichnungen nur noch als "Schatten ihrer selbst" erscheinen, schreibt Degot. Sie betont Naumanns Methode, widersprüchliche Kontexte zusammenzuführen, etwa in "Ruinenwert", wo sie verdrängte ideologische Spuren im Design sichtbar mache. Sie habe nie die "bequeme geistige Sicherheit" gesucht, sondern unbequeme Vergleiche gewagt. Naumann sei eine "wahre Historikerin unserer Gesellschaft", deren dialektischer Blick heute dringend gebraucht werde – ihr Werk liefere Einsichten in Gegenwart und rechten Backlash und müsse weiterwirken.
Kunstmarkt
Die Wiener Galeristin Christine König porträtiert der Radiosender Ö1 in seiner Reihe "Menschenbilder". Aus einer Salzburger Hoteliersfamilie stammend, habe sie früh "einen unbeugsamen Willen" entwickelt und keine Angst gekannt, weil "das Schlimmste hatte ich schon hinter mir". Sie studierte Germanistik und promovierte mit einem aufwendigen bibliografischen Projekt über die Bibliothek von Gerhard Rühm – parallel zu ihrer Arbeit als Galeristin und alleinerziehende Mutter. Seit den 1990er-Jahren zeigt sie in Wien internationale Gegenwartskunst mit Schwerpunkten auf Konzeptkunst, Feminismus und politischem Aktivismus und öffnet ihre Galerie bewusst für Diskurs. Heute führt sie mehrere Räume, während sie selbst "Chapter III" leitet.