Medienschau

"Auf der Freiheit der Kunst werden wir bestehen"

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Benedikt Tasc­hen verkauft sein Haus, Kunststiftungs-Direktorin über die AfD-Angriffe auf die Moderne in Sachsen-Anhalt – und Illustrator will seinen Grüffelo nicht auf der Wiesn sehen: Das ist unsere Medienschau am Freitag
 

Kulturpolitik

In der "Welt" spricht Marcus Woeller mit Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, über die Ausstellung der Bauhaus-Textildesignerin Benita Koch-Otte und die Angriffe der AfD auf die Moderne. Bursian sieht Parallelen zwischen heutiger und historischer Diffamierung: "Man liest in alten Archivalien und erkennt durchaus ähnliche Mechanismen: sprachliche Diffamierung, versuchte Umdeutungen und Zweifel an wissenschaftlicher Erkenntnis, politischer Druck und der Entzug von Geld." Die Kunstinstitutionen müssten deshalb standhaft bleiben: "Eine vorauseilende Anpassung kommt für uns nicht infrage. Auf der Freiheit der Kunst werden wir bestehen." Zugleich plädiert Bursian dafür, Kunst stärker außerhalb der Metropolen zu vermitteln. Koch-Otte verbinde Gestaltung, Teilhabe und Inklusion.

Architektur

In der "New York Times" berichtet Daniela Gorny über den Verkauf von Benedikt Tasc­hens restauriertem Haus in Beverly Hills für 25 Millionen Dollar. Die 1956 errichtete Mid-Century-Residenz kaufte der deutsche Verleger und Sammler 2018 und ließ sie detailgetreu restaurieren. Fünf Interessenten hätten das Gebäude damals abreißen wollen, so Taschen: "Alles, was sie liebten, war das schöne Grundstück, um dort einen weiteren Monsterbau hinzusetzen." Taschen wollte dagegen "ein Stück Geschichte im Herzen des goldenen Zeitalters Hollywoods bewahren". Zu den erhaltenen Elementen gehören Korkböden, Shoji-Schiebetüren und ein holzverkleideter Aufzug. Taschen sagt, es sei "sehr selten, nach so vielen Jahren ein unverändertes Haus zu finden"; man habe "alles bewahren und es wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen lassen" wollen.

KI

Illustrator Axel Scheffler will seine berühmte Kinderbuch-Figur Grüffelo nicht auf dem Oktoberfest sehen. "Ein Freund hat mir Bilder geschickt von KI-generierten Buchcovern, 'Der Grüffelo auf dem Oktoberfest' und so. Das war schockierend", sagte der 68-Jährige der "SZ". Scheffler gab vor vielen Jahren dem namengebenden Fabeltier aus dem Kinderbuch "Der Grüffelo" seine Gestalt.  Er habe lange versucht, künstliche Intelligenz zu ignorieren, "aber jetzt kann ich das nicht mehr", sagte der deutsche Illustrator, der seit vielen Jahren in London lebt. "Ich muss mich jetzt damit auseinandersetzen, auch wenn ich keine Lust darauf habe. Die Verlage müssen etwas dagegen unternehmen." Das Bilderbuch "Der Grüffelo" wurde im Jahr 1999 zum weltweiten Bestseller. Geschrieben wurde es von der britischen Kinderbuchautorin Julia Donaldson. Seither begeistert die Geschichte rund um das Monster mit den auffälligen Zähnen und der grünen Warze auf der Nasenspitze Kinder auf der ganzen Welt. 2004 folgte die Fortsetzung "Das Grüffelokind". Mehr als 20 Jahre später erschien nun ein dritter Band, "Die Grüffelo-Oma". Auf die Frage, warum es jetzt die Fortsetzung gibt, sagte Scheffler, dies sei eigentlich eine Frage an die Autorin. "Ich hatte nie vor, noch eine Fortsetzung zu machen. Aber Julia hatte schon länger darüber nachgedacht. Es war jetzt wohl ein kreativer Impuls. Druck vom Verlag gab es jedenfalls nicht, und am Geld kann es sicher auch nicht liegen"

"Bristol24/7" berichtet über heftige Kritik an einem KI-generierten Wandbild an einem Pub in Banksys Heimatstadt Bristol. Das Motiv enthält zahlreiche Fehler: Der Cabot Tower steht fälschlich in Kanada, Banksys "Mild Mild West" wurde falsch interpretiert und die SS Great Britain ähnelt eher einem Schlepper. Caroline Maggs vom Bristol Mural Collective sagt, KI-Entwürfe "entwerten und untergraben die Arbeit von Künstlern". Emily Tuffen bezeichnet das Wandbild als "Ohrfeige für Bristol" und als öffentliches Zeichen für eine "sehr klare und reale Bedrohung" der Existenz von Künstlern. Weitere BMC-Mitglieder nennen das Werk "visuell peinlich" und einen "erschreckenden und völlig unsensiblen Ausdruck" von Gleichgültigkeit gegenüber Künstlern. Die Pub-Betreiber erklären das Motiv als Übergangslösung.