Debatte
Martina Meister berichtet in der "Welt" über den eskalierenden Streit um die neuen Glasfenster für die Pariser Kathedrale Notre-Dame, entworfen von der Künstlerin Claire Tabouret. Auslöser ist ein Kulturkonflikt in Frankreich über die Frage, ob die nach dem Brand 2019 erhaltenen Fenster von Viollet-le-Duc ersetzt werden dürfen. Während eine Petition Hunderttausende Unterstützer gegen das Projekt mobilisierte, verteidigt die Regierung die Entscheidung für zeitgenössische Kunst im sakralen Raum. Kritiker wie Didier Rykner sprechen von einem Bruch mit dem Denkmalschutz und fragen empört Richtung Präsident Macron: "Wer gibt ihm das Recht?". Auch der Vorwurf mangelnder "spiritueller Tiefe" wird laut, während einzelne Kritiker die Farbgestaltung drastisch als "absurd scheußliches Hustensaftrosé" abwerten. Tabouret selbst betont, sie wolle keine historische Kopie schaffen, sondern "Erinnerungsspuren", und erklärt: "Ich wollte mich an die Grisaillen erinnern, weniger sie reproduzieren."
Museen
Klaus Hillenbrand berichtet in der "taz" über Vorwürfe gegen die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel, die im Rahmen einer großen Cézanne-Schau mit rund 80 Werken ein Aquarell zeigt, eine Leihgabe aus US-Privatbesitz. Der Jurist und Provenienzforscher Willi Korte vermutet, es könne sich um NS-Raubkunst aus der Sammlung des jüdischen Papiergroßhändlers Gustav Schweitzer handeln, dessen Bestand nach 1939 verschollen sei. Korte wirft dem Museum "Versagen und Schlampigkeit" vor und fragt: "Schauen die denn nicht ins Werkverzeichnis, bevor sie so ein Blatt in eine Ausstellung nehmen?" Das Museum verweist darauf, bei der Aufnahme seien keine Hinweise auf einen Verdacht vorgelegen. Die Familie Schweitzer wurde durch NS-Verfolgung auseinandergerissen, Teile emigrierten, andere wurden ermordet. Ein Enkel fordert Aufklärung und Rückführung. Das Museum äußert sich gegenüber der "taz" nicht ausführlich.
Kunstmarkt
Nate Freeman berichtet für "Vanity Fair" über die milliardenschwere Christie’s-Auktion in New York, deren Auftakt ein Jackson-Pollock-Gemälde ("Number 7A") für rund 181 Millionen Dollar markiert. In der Auktion mit insgesamt 1,1 Milliarden Dollar Umsatz, so der Autor, zeige sich ein Kunstmarkt im Ausnahmezustand, in dem nur noch Superreiche mitbieten. Ein Berater bringt es auf die Formel: "Es ist nur die Frage: bist du reich genug oder nicht?" – ein Satz, den er als zynische Essenz des Abends rahmt. Im Saal liefern sich laut Freeman Bieter wie Iwan Wirth und Alex Rotter ein Duell um Millionensteigerungen, während selbst Namen wie Jeff Bezos oder Ken Griffin nur spekulativ im Raum stehen.
In der "New York Times" sehen Zachary Small, Julia Halperin und Tim F. Schneider eine überraschende Erholung des Kunstmarkts, der durch Auktionen von Christie’s, Sotheby’s und Phillips insgesamt rund 2,5 Milliarden Dollar einbrachte. Ausgangspunkt ist auch hier Pollocks "Number 7A", das ihnen als Symbol eines Neustarts der Branche gilt. Der Erfolg beruhe auf gutem Timing und geschickter Steuerung sowie auf stark inszenierten Auktionen und vorab vereinbarten Garantien, die Risiken für die Häuser minimieren. Das Autorenteam beschreibt diese Entwicklung als eine qualitätsgetriebene Erholung, die vor allem von hochkarätigen Nachlässen getragen werde, während der Markt für jüngere Kunst deutlich schrumpfe. So seien nur noch 112 Werke von nach 1975 geborenen Künstlerinnen und Künstler im Angebot gewesen – fast 50 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig werde der Markt stärker von sehr wohlhabenden Sammlerinnen und Sammlern dominiert, während andere Regionen wie Asien oder der Nahe Osten an Einfluss verlören. Christie’s-CEO Bonnie Brennan wird mit der Aussage zitiert, der Markt sei "gesund, aber diszipliniert".
Valentina Di Liscia berichtet für "Hyperallergic" über den Schuldspruch gegen Daniel Sikkema, der laut Jury an der Ermordung seines getrennt lebenden Ehemanns, des New Yorker Galeristen Brent Sikkema, beteiligt war. Dieser wurde im Januar 2024 in seiner Wohnung in Rio de Janeiro erstochen; die Tat habe die Kunstwelt erschüttert. Laut Autorin identifizierten Ermittler einen mutmaßlichen Auftragskiller, Alejandro Triana Prevez, der angab, von Daniel Sikkema beauftragt worden zu sein. In dem Verfahren wurde zudem ein belastender Audiomitschnitt präsentiert, in dem der Angeklagte sagt: "Er kann sich so viel Zeit lassen, wie er will. Mal sehen, ob ich statt einer Scheidung am Ende Witwer werde, was mir viel besser passen würde."
Architektur
Nikolaus Bernau schreibt im "Tagesspiegel"-Kommentar zum 20. Geburtstag des Berliner Hauptbahnhofs eine ambivalente Würdigung des Bauwerks. Einerseits kritisiert er Eingriffe in die ursprüngliche Planung, etwa durch den damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn, und spricht zugespitzt von einer "Verhunzung" bzw. "Verstümmelung" des Kunstwerks, insbesondere wegen verkürzter Bahnsteighallen und funktionaler Kompromisse. Gleichzeitig betont der Autor indirekt die architektonische Qualität des Bauwerks und beschreibt den Bahnhof als "weltweit einzigartige Inszenierung des Massenverkehrs". Besonders eindrücklich seien für ihn das "Frühlingslicht", das durch alle Ebenen fällt, sowie die "atemberaubend leichte Konstruktion", die trotz ihrer Dimensionen eine besondere Leichtigkeit vermittle.