Medienschau

"Er schien sich über jedes Hindernis zu freuen"

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Erste Stimmen zum Tod von Alexander Kluge, England könnte bald Museumseintritt von Touristen verlangen und warum Gegenwartskunst kurzlebig bleibt: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag

Museen

Die "Financial Times" berichtet, dass England erwägt, von ausländischen Touristen Eintritt für große Museen zu verlangen. Kulturministerin Lisa Nandy wolle "die potenziellen Chancen" eines solchen Modells prüfen. Betroffen wären Häuser wie das British Museum oder die National Gallery. Grundlage ist ein Vorschlag von Margaret Hodge, der jedoch eine digitale Identitätsprüfung voraussetzt, um In- und Ausländer zu unterscheiden. Befürworter nennen das Modell angesichts sinkender staatlicher Mittel "sehr sinnvoll". Kritik kommt etwa von Tristram Hunt (V&A), der stattdessen eine Touristenabgabe für Übernachtungen bevorzugt. Laut Bericht könnten Eintrittspreise zwischen 15 und 20 Pfund liegen.

Kunstszene

Melena Ryzik berichtet in der "New York Times", wie Dave Eggers in San Francisco ein alternatives Kunstzentrum initiiert: "Art + Water" soll in einer ehemaligen Lagerhalle kostenlose Ateliers und eine atelierartige Ausbildung bieten. Zusammen mit JD Beltran reagiere er damit auf ein zentrales Problem der Stadt, den"mass exodus of artists". Das Projekt kombiniere Mentoring, Ausstellungen und öffentliche Angebote, um Kunst "ökonomisch zugänglich" und weniger elitär zu machen. Ryzik zeigt, wie steigende Mieten und das Verschwinden klassischer Kunsthochschulen die Szene unter Druck setzen; für viele wirke ein künstlerisches Leben "wie eine praktische Unmöglichkeit". Eggers’ Initiative versteht sich als Gegenmodell – offen, gemeinschaftlich und bewusst niedrigschwellig.

Travis Diehl schreibt im "Spike"-Magazin, dass Gegenwartskunst strukturell kurzlebig bleibe und kaum "auf die Ewigkeit" ziele. Ausgehend von der Ausstellung "Monuments" im MOCA Geffen kritisiert er, sie erkenne zwar den Mythos, liefere aber keine adäquate Antwort: Zeitgenössische Kunst richte sich "per Definition an den gegenwärtigen Moment". Historische Monumente wirkten dagegen fort, weil sie Mythen wie die "Lost Cause" tradieren. Heute produzierten Künstler schnell zirkulierende Werke für Markt und Diskurs; sie dächten "nicht an den Jüngsten Tag, sondern an September". So entstehe Kunst, die rasch veralte und stark kontextabhängig sei. Zwar hoffe das System auf Dauer – "der Himmel ist die Kunstgeschichte" –, doch Unsterblichkeit entstehe erst durch Publikum und Institutionen.

Kunstmarkt

Elisa Carollo schreibt im "Observer", dass sich der Kunstmarkt in Hongkong und Festlandchina trotz geopolitischer Turbulenzen an einem Wendepunkt befinde. Zwar belasteten Krieg und Börsenverluste die Region, doch Käufer kehrten "allmählich zurück – wenn auch vorsichtiger". Die anstehende Art Basel / Hong Kong werde zum "eigentlichen Test" der Erholung. Laut Bericht stabilisierten sich die Auktionen, 2025 lagen die Verkäufe nur 2,2 Prozent unter Vorjahr, während die Transaktionen zunahmen. Experten erwarteten nun zu 48 Prozent Wachstum. Zugleich werde der Markt selektiver: Qualität, Provenienz und "faire Preisgestaltung" gewännen an Bedeutung. Während hochpreisige Segmente schwächelten, boomten Luxusobjekte und traditionelle asiatische Kunst – ein Hinweis auf stärker regionale Nachfrage und langfristigere Sammelstrategien.

Fotografie

Ravi Ghosh beschreibt in der "Frieze" einen "familial turn" in der Fotografie: Künstler greifen verstärkt auf eigene Familienarchive zurück – auch als Reaktion auf ethische Kritik an dokumentarischer Fotografie und schrumpfende Produktionsbedingungen. Die intime Perspektive gilt als "sicherere Option", zugleich eröffne sie neue ästhetische Verfahren von Collage bis KI. An Beispielen aus Ausstellungen im Museum of Modern Art und bei Autograph zeigt Ghosh, wie Migration, Verlust und Erinnerung verhandelt werden. Zugleich warnt er vor der vermeintlichen Authentizität: Familienbilder hätten oft nur geringen Realismus, wie Theoretiker betonen. Viele Arbeiten kreisen um Abwesenheit – etwa herausgeschnittene Figuren – und versuchen, Lücken zu "füllen". Doch auch diese Archive seien subjektiv und verlangten einen kritischen Blick.

Nachruf

Andreas Platthaus schreibt in der "FAZ", Alexander Kluge sei ein "Produzent auf allen Feldern" gewesen, ein Künstler, der nach der Erfahrung des Kriegs "das Überleben der Kultur" ins Zentrum seines Werks stellte. Sein Tod reiße eine Lücke; was Kluge über Jürgen Habermas schrieb – "Wir bräuchten ihn jetzt" –, gelte nun für ihn selbst. Platthaus hebt Kluges enzyklopädischen Geist und seine Rolle für den Neuen Deutschen Film hervor, dessen "Abschied von gestern" zum Schlüsselwerk wurde, sowie seine eigensinnige Fernsehproduktion, die Sehgewohnheiten bewusst unterlief. Willi Winkler betont in der "SZ" Kluges unerschöpfliche Energie und seinen Drang, "alles" zu wollen: schreiben, filmen, aufklären und eingreifen. Hindernisse habe er als Ansporn begriffen; "er schien sich über jedes Hindernis zu freuen". Als "Ein-Mann-Guerilla" sei er ins Privatfernsehen gegangen, überzeugt: "Gegen die Macht eines Leitmediums hilft […] nur Gegenproduktion." Für Monopol erinnert Daniel Völzke an Kluge.