Medienschau

"Kein Schwein hat sich für mich interessiert"

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Künstlerin Gabriele Stötzer über späte Anerkennung, die "Zeit" plädiert für freien Eintritt in Museen, und Galerist Johann König verklagt den "Zeit"-Verlag auf Schadensersatz: Das ist unsere Presseschau am Dienstag 

Museen

Hanno Rauterberg plädiert in der "Zeit" für einen radikalen Perspektivwechsel in der Museumspolitik. Öffentliche Kunstsammlungen, so Rauterberg, gehörten längst allen: "Die Sammlung gehört schließlich nicht mir allein. Sie gehört auch denen, die gerade diesen Artikel lesen." Dennoch verhielten sich viele Museen, als seien Besucher nur Gäste – abgesichert durch Eintrittspreise, die "stramm der 20-Euro-Marke entgegenklettern" und viele ausschlössen. Anhand britischer Erfahrungen schildert Rauterberg den freien Eintritt als "politische Tat", die Neugier, Besucherzahlen und Bindung an die Kunst nachhaltig steigere. Das Essener Museum Folkwang belege, dass ohne Ticketdruck eine offenere, ruhigere Kunsterfahrung möglich werde. Kunst, schreibt Rauterberg, entfalte ihre Kraft nur im Kollektiv – und sollte deshalb nicht bezahlt, sondern geteilt werden.

Kunstmarkt

Nach einem Bericht von Ursula Scheer und Michael Hanfeld in der "FAZ" verklagt Galerist Johann König den "Zeit"-Verlag auf 1,2 Millionen Euro, weil ein Artikel ihm übergriffiges Verhalten vorwarf. Scheer und Hanfeld schreiben, König wende sich gegen den Text, der ihm "schweren wirtschaftlichen Schaden" zugefügt habe, und fordere Unterlassung sowie Schadenersatz. Die "Zeit" sehe einer Verhandlung gelassen entgegen. Den Autoren zufolge führten die Vorwürfe zum Weggang mehrerer prominenter Künstlerinnen, König expandierte aber international – unter anderem nach Mexiko-Stadt.

Kunstbetrieb

In einem Interview mit Sarah Alberti in der "taz" spricht die Künstlerin Gabriele Stötzer über späte Anerkennung und jahrzehntelange Unsichtbarkeit. Als erste ostdeutsche Künstlerin erhält sie 2026 den Goslarer Kaiserring. Stötzer sagt rückblickend: "Ich war unentdeckt, und das war für mich ganz normal. Kein Schwein hat sich für mich interessiert.“ Alberti lässt sie ausführlich über die Bedingungen für Künstlerinnen in der DDR sprechen, die sie als "Macho-Gesellschaft" beschreibt: "Da musste man sich als Frau schon durchsetzen, um wahrgenommen zu werden." Die Haft im Gefängnis Hoheneck, politische Repression und Solidarität unter Frauen seien prägend gewesen. Heute versteht Stötzer die Auszeichnung als kollektiven Moment: "Gerade die Frauen sagen: Eine von uns muss es schaffen!"

Wie Joe Ware in "The Art Newspaper" berichtet, unterstützen prominente Künstler wie Antony Gormley und Brian Eno mit Werkspenden eine Benefizauktion zugunsten von medizinischen Helfern in Gaza. Die Versteigerung "Seeds of Solidarity", organisiert von der Initiative Health Workers 4 Palestine, findet am 1. Februar in London statt. Der Erlös soll medizinische Stipendien, mobile Kliniken und den Wiederaufbau von Entbindungsstationen finanzieren. Initiator Omar Abdel-Mannan erklärt, die Auktion zeige, dass Kunst "eine Form des Handelns" sein könne und konkrete Hilfe ermögliche. Kuratorin Zayna Al-Saleh knüpfe damit an frühere Auktionen an, die bereits über 1,4 Millionen Dollar einbrachten.

Malerei

Marcus Woeller würdigt in der "Welt" Jean-Michel Basquiat als einen der herausragenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Woeller beschreibt, wie sich die Ausdruckskraft von Basquiats Werk "so unmittelbar auf den Betrachter überträgt, als gäbe es die distanzierende Grenze zwischen Leinwand und Auge nicht". Besonders die zwischen 1981 und 1983 entstandenen Kopfzeichnungen seien von radikaler Direktheit geprägt. Basquiat habe selbst erklärt, er beginne ein Bild mit einem Kopf – nicht als Porträt, sondern als Feld "existenzieller und psychischer Zustände". Dass viele dieser Arbeiten bis zu seinem Tod 1988 privat blieben, unterstreiche ihre Intimität. Die Ausstellung "Basquiat – Headstrong", ab 30. Januar 2026 im Louisiana Museum bei Kopenhagen, macht diese Werke nun erstmals zum Zentrum einer europäischen Schau – und bestätigt, so Woeller, "den Mythos Jean-Michel Basquiat" aufs Neue.