Museen
In der "Welt" zeichnet Boris Pofalla ein ambivalentes Porträt des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart kurz vor seinem 30. Jubiläum. Zwar inszeniert sich das Haus 2026 mit einer prominenten Gala als kulturelles Schaufenster Berlins, doch Pofalla erinnert daran, wie oft der Bau "um ein Haar für immer im Spreewasser versunken wäre" – historisch wie finanziell. Der Autor beschreibt, dass große Ambitionen auf "sehr begrenzte Mittel" treffen: Der Ausstellungsetat sei klein, Ankäufe kaum möglich, 150.000 Euro in drei Jahren entsprächen "so viel, wie die Dienstlimousine eines Politikers kostet". Pofalla beschreibt neue Fundraising-Modelle, etwa exklusive Tische auf einer Gala, die man für bis zu 100.000 Euro mieten kann und die in der Szene Irritationen auslösten. Trotz Kooperationen wie mit Chanel werde das Museum aber keine Glamouradresse, sondern bleibe ein Ort mit Geschichte, Potenzial und offener Zukunft.
In "Cultured" beschreibt die Journalistin Melissa Smith die Lage Schwarzer Kunstinstitutionen in den USA. Anhand einer Gesprächsrunde mit Key Jo Lee vom Museum of the African Diaspora, Cheryl Finley vom Atlanta University Center Art History and Curatorial Studies Collective und Amy Andrieux vom Museum of Contemporary African Diasporan Arts zeigt Smith, wie stark diese Häuser zwischen politischem Druck, Förderkürzungen und enormen Erwartungen stehen. Lee berichtet, "ganze Förderprogramme sind über Nacht verschwunden", ihr Museum habe sogar ein Schreiben erhalten, wonach die eigene Arbeit "nicht länger von Interesse" sei. Andrieux beschreibt einen strukturellen Ausnahmezustand: Schwarze Institutionen würden "in einem permanenten Krisenmodus" gehalten, dennoch sei es gerade jetzt notwendig, "die Lautstärke zu erhöhen und laut zu bleiben". Finley macht indirekt klar, dass chronische Unterfinanzierung zwar existenziell bedrohlich sei, zugleich aber zu Agilität, neuen Bündnissen und innovativen Ausbildungsmodellen zwinge.
Kulturpolitik
In "Le Monde" berichtet Roxana Azimi, dass Catherine Pégard neue Kulturministerin Frankreichs wird und Rachida Dati ablöst. Die 71-Jährige, frühere Präsidentin des Château de Versailles und enge Vertraute von Emmanuel Macron, genieße laut Umfeld "das absolute Vertrauen des Präsidenten", der an ihr Loyalität und Erfahrung schätze. Azimi zeichnet Pégard als diskrete Machtfigur mit "unerschöpflichem Adressbuch", die es verstand, Mäzene zu mobilisieren; in Versailles stieg das Mäzenatentum zeitweise auf 47 Millionen Euro. Als Ministerin müsse sie nun zentrale Baustellen managen, darunter das milliardenschwere Projekt "Louvre Renaissance" und die umstrittene Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Pégard selbst sprach zuletzt davon, es gebe "viele Dinge zu festigen, zu schärfen, neu zu dimensionieren", ein Hinweis darauf, dass sie weniger Brüche als konsolidierende Korrekturen anstrebt.
Nachruf
In "ARTnews" würdigt Tessa Solomon den Videokunst-Pionier Ulysses Jenkins, der im Alter von 79 Jahren gestorben ist. Das Hammer Museum, seine erste wichtige Institution, bezeichnete ihn als "einen wahren Video-Griot, dessen Werk und Geist viele berührt haben". Jenkins verstand Fernsehen früh als ambivalente Macht: Einerseits sei es "ein großes Ereignis" gewesen, erstmals Schwarze Menschen auf dem Bildschirm zu sehen, andererseits habe das Medium Los Angeles als "explosives Labor von Klasse, Race und Geschlecht" verzerrt. Mit Arbeiten wie "Mass of Images" (1977) zerlegte er diese Bildgewalt, fragte provokant: "Warum lacht ihr?" – und machte den rassistischen Blick selbst zum Thema. Indirekt zeigt Solomon, dass Jenkins’ Kunst darauf zielte, seine Community aus medialen Zuschreibungen zu befreien. Als Muralist, Performer und Lehrer prägte er Generationen und schrieb Medien- und Bürgerrechtsgeschichte zugleich. 2023 haben wir seine Ausstellung in der Julia Stoschek Foundation Berlin besprochen.
Giancarlo Politi, Gründer des Kunstmagazins "Flash Art", ist am 24. Februar im Alter von 89 Jahren gestorben. Als Kritiker, Dichter und Verleger habe eri seit 1967 die internationale Kunstdebatte geprägt, schreibt Bianca Cerrina Feroni in "Le Quotidien de l’Art": "Flash Art" sei früh zu einem "militanten" Forum geworden, das neue Bewegungen sichtbar machte – von der Arte povera bis zur Transavanguardia. Berühmt wurden etwa die "Notizen für einen Guerillakrieg" von Germano Celant oder der von Achille Bonito Oliva geprägte Begriff Transavanguardia. Rückblickend sagte Politi: "Italien war lebendig, aber im Rückstand" – die Kunst sei international längst "eine ernste Angelegenheit geworden, kein Spiel mehr“" Feroni zeigt, dass Politis Netzwerk – von Sol LeWitt bis Leo Castelli – und ikonische Projekte wie eine von Maurizio Cattelan gestaltete Titelidee sein Vermächtnis bis heute tragen. Vor einigen Jahren hat Autorin Ute Diehl für Monopol die "Flash Art"-Redaktion und Politi besucht.
Ranking
Die Malerin Amy Sherald ist für das "Time"-Magazin eine von 16 "Frauen des Jahres". Sie wolle in ihren Porträts "die Schönheit alltäglicher Amerikaner" sichtbar machen, schreibt Erin McMullen in einem Kurzporträt. Bekannt wurde Sherald durch ihr Bildnis von Michelle Obama, doch sie selbst betont: "Mich ziehen Ausdrucksformen von Menschlichkeit an" – Gesichter, bei denen Betrachter darüber nachdenken sollen, "wer diese Menschen sind und welche Geschichten sie erzählen". Ihre Ausstellung "American Sublime" versammle, so Sherald, ein Amerika, "wie es ist, war und sein könnte". Für Aufsehen sorgte ihr Rückzug der Schau aus der Smithsonian National Portrait Gallery, nachdem es dort Vorbehalte gegen ein Porträt einer Schwarzen trans Frau als Freiheitsstatue gegeben hatte. "Es gibt Dinge, bei denen ich keine Kompromisse eingehe", sagte Sherald. Im Baltimore Museum of Art fand die Ausstellung schließlich eine neue Heimat – für Sherald eine "wunderbare Heimkehr". Porträtmalerei verstehe sie als "Dienst", mit dem sie "Liebe, Empathie und Schönheit in die Welt trägt".