Medienschau

"Die Zukunft gehört denen, die wie Künstler denken"

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Streit um russischen Film "Dau" beim Filmfest Venedig, der Absturz von NFTs am Beispiel von Klimts "Kuss", und "Cool Britannia" ist zurück: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag


Debatte

Naomi Rea berichtet in "Ocula" über den Streit um den für die Filmfestspiele von Venedig angekündigten Film "Dau" des russischstämmigen Regisseurs Ilya Khrzhanovskiy. Die ukrainischen Kultur- und Außenministerien werfen dem Festival vor, mit dem Film russische Versuche zur Auslöschung der ukrainischen kulturellen Identität zu legitimieren. Die Biennale verteidigt ihre Entscheidung und erklärt, sie werde Teilnehmer "niemals" aufgrund ihrer geografischen Herkunft oder Nationalität ausschließen. Khrzhanovskiy weist die Vorwürfe als "sachlich falsche Behauptungen und erhebliche Verzerrungen" zurück und betont, er habe die russische Staatsbürgerschaft aus Protest gegen den Krieg aufgegeben. Die ukrainische Seite kritisiert zugleich, "Dau" erzähle Charkiw ausschließlich durch eine sowjetische Perspektive.

In der "Financial Times" plädiert Yana Peel, Präsidentin für Kunst, Kultur und Kulturerbe bei Chanel, für mehr private Kulturförderung in Großbritannien. London erlebe gerade ein neues "Cool Britannia": Kunsthochschulen, Theater und Museen seien international erfolgreich. Die Investitionen der 1990er-Jahre hätten sich ausgezahlt, nun müsse Großbritannien nachlegen. Gerade im Zeitalter der KI werde Kreativität wichtiger: Die Zukunft gehöre denen, "die wie Künstler denken". Peel verweist auf die USA und Asien, wo Besitzer von privaten Vermögen massiv in Kultur investierten. Auch in Großbritannien gebe es erste Signale: Crankstart habe 150 Millionen Pfund für die National Gallery zugesagt, der Julia Rausing Trust habe die Summe verdoppelt. Es brauche nun "mehr von dieser Energie und diesem Engagement", fordert Peel.

Interview

Im "Zeit Magazin" spricht Giovanni di Lorenzo in Mailand mit dem Künstler Maurizio Cattelan, dessen erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland ab dem 10. September in der Neuen Nationalgalerie Berlin läuft. Cattelan schildert seine Jugend als ungelernter Arbeiter in Deutschland und den zufälligen Weg zur Kunst über selbstgeschweißte Möbel. Zur bevorstehenden Schau, die unter anderem sein Brandenburger Tor aus Holz mit dem Titel "Purgatory" zeigt, sagt er unumwunden: "Ich mach mir vor Angst in die Hose!" Zur politischen Lage äußert er sich zurückhaltend zu Giorgia Meloni: "Ich ertrage Meloni, auch wenn ich eigentlich niemanden ertrage." Über den Ruhm resümiert Cattelan: "Der Erfolg hat Grenzen. Durch ihn lernt man nicht, seine Probleme besser zu verstehen." Cattelan ist auch Titelkünstler der aktuellen Monopol-Ausgabe

Kunstmarkt

Olga Kronsteiner beschreibt im "Standard" den Absturz der NFT-Branche am Beispiel von Gustav Klimts "Kuss". Die 2022 für 1850 Euro ausgegebenen NFTs sind inzwischen nur noch einen Bruchteil wert; der "Frühling" des Marktes lasse weiter auf sich warten. Das Belvedere musste nach dem Diebstahl von rund 7200 NFTs den Verkauf aussetzen. Kronsteiner erinnert an den Hype um Beeples 70-Millionen-Dollar-Verkauf bei Christie’s und den anschließenden Einbruch: Das Handelsvolumen von Kunst-NFTs fiel von 2,97 Milliarden Dollar 2021 auf 197 Millionen 2024. Das Belvedere habe bislang rund 4,8 Millionen Euro umgesetzt und tröste Besitzer inzwischen mit einer kostenlosen Jahreskarte.

Ursula Scheer verfolgt in der "FAZ" die weiterhin heiß diskutierte Frage, ob die Ära der Megagaleri­en an ihre Grenzen stößt. Auslöser sind bekanntermaßen Entlassungen bei Pace und Standortschließungen bei Gagosian. Scheer beschreibt einen Kunstmarkt, der global expandiert hat, während die Umsätze stagnieren und steigende Messe-, Transport- und Mietkosten vor allem kleinere Galerien belasten. Zugleich warnt die davor, Größe allein zum Problem zu erklären: Die großen Häuser reagieren mit Diversifizierung, Kooperationen und regionaler Verankerung. Hauser & Wirth etwa entwickelt sich zunehmend zur Lifestyle-Marke.