Kunstbetrieb
Für CNN schildert Stephy Chung, wie Ai Weiwei nach zehn Jahren erstmals wieder nach China zurückgekehrt ist. Der Künstler reiste im Dezember für drei Wochen nach Peking und wurde am Flughafen zwar fast zwei Stunden lang befragt, danach jedoch unbehelligt gelassen. Ai beschreibt die Ankunft als zutiefst emotional: Es habe sich angefühlt "wie ein Telefongespräch, das zehn Jahre lang unterbrochen war und plötzlich wieder verbunden wird". Besonders bewegt habe ihn das Wiedersehen seines 17-jährigen Sohnes mit seiner 93-jährigen Mutter. Gegenüber CNN sagt Ai, das größte Verlustgefühl im Exil sei nicht materiell, sondern sprachlich gewesen: "Was ich am meisten vermisst habe, war, Chinesisch zu sprechen." Die reibungslose Reise deutet Ai nicht als politische Wende, sondern als Anerkennung seiner Haltung: Auch wenn man seine Positionen ablehne, erkenne man, "dass ich aufrichtig spreche und nicht aus persönlichem Gewinn".
Nachdem US-Präsident Donald Trump das renommierte Kennedy Center in Washington unter seine Kontrolle gebracht hat, hat der Komponist Philip Glass die Premiere seiner neuen Symphonie dort abgesagt. Die Kultureinrichtung hatte den 88-Jährigen mit der Komposition eines Stückes über den früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln (1809-1865) beauftragt, das im Juni dort uraufgeführt werden sollte. Die jetzigen Werte des Kennedy Centers stünden aber in Konflikt mit seiner "Symphony No. 15", schrieb Glass in einem Brief, den er auch via Online-Plattform X veröffentlichte. Deswegen werde er das Werk dort nicht aufführen lassen. Zuvor hatten bereits zahlreiche andere Künstlerinnen, Künstler und Gruppen Auftritte am Kennedy Center abgesagt - darunter die Schauspielerin Issa Rae, das Musical "Hamilton", der Banjo-Spieler Béla Fleck, die Opernsängerin Renée Fleming, die Martha Graham Dance Company, der "Wicked"-Komponist Stephen Schwartz sowie die Washington National Opera, die seit 1971 dort auftritt. US-Präsident Trump hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt mehrere Mitglieder des Kuratoriums des Kennedy Centers entlassen, selbst den Vorsitz übernommen und den früheren US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, zum Präsidenten gemacht. Später benannte der die Einrichtung in Trump-Kennedy-Center um. In dem 1971 eröffneten prunkvollen Bau am Potomac-Fluss werden traditionell alle Genres von Theater, Tanz und Musik gezeigt. Es wurde ursprünglich nach dem früheren Präsidenten John F. Kennedy (1917-1963) benannt.
Kunstmarkt
In einem vielstimmigen, interviewbasierten Porträt erinnert Will Heinrich in der "New York Times" an die vor wenigen Tagen verstorbene Galeristin Marian Goodman – vor allem durch die Stimmen der Künstlerinnen und Künstler, die sie prägte. Julie Mehretu beschreibt eine besondere Beziehung: "Man hatte großen Respekt vor ihr – und zugleich das Gefühl, selbst von ihr zutiefst respektiert zu werden." William Kentridge nennt sie eine Kämpferin, die "wie ein Tiger für ihre Künstler" gestritten habe. Steve McQueen erinnert sich daran, gesehen worden zu sein: "Und wenn jemand dich sieht, dann beginnst du zu leuchten." Auch Gabriel Orozco, Tacita Dean oder Nairy Baghramian schildern Goodman als stille, beharrliche Verbündete, für die Gespräche, Vertrauen und künstlerische Freiheit wichtiger waren als Marktlogik. Aus den Gesprächen entsteht das Bild einer Galeristin, deren Einfluss weit über den Handel hinausging.
Die Art Basel kommt erstmals nach Doha: Vom 5. bis 7. Februar präsentiert die Messe laut Melanie Gerlis in der "Financial Times" 87 Aussteller in Msheireb Downtown. Die Region ziehe ein wohlhabendes Publikum an, das Interesse an Kunst wachse, schreibt sie. Galerist Niru Ratnam vergleicht die Energie der Golfregion mit London Anfang der 2000er-Jahre: "Ich bin natürlich zu den Teilen der Kunstwelt hingezogen, die sich noch bilden.“ Neben Avantgarde-Arbeiten wie Kutluğ Atamans Video "Mesopotamian Dramaturgies“ werden Werke etablierter Künstler wie Picasso, Basquiat und Guston gezeigt. Einige Galerien äußern Bedenken wegen Menschenrechtsfragen und Selbstzensur. Hafiz betont den langfristigen Aufbau eines stabilen Kunst-Ökosystems: "Wenn man ein Ökosystem entwickelt, braucht es Säulen, auf denen es stehen kann.“
Bücher
In der "London Review of Books" bespricht der Kunsthistoriker Hal Foster Amy Newmans Biografie "Barnett Newman: Here". Foster beschreibt Newman als einst "verehrteste Figur der Nachkriegskunst", die heute erstaunlich marginalisiert sei – ein Zeichen dafür, wie sehr sich der Kunstbegriff verändert habe. Im Rückblick auf Leben und Werk zeigt Foster, wie Newman jedes Bild als existenziellen Akt verstand, der nicht erklären, sondern "konfrontieren" sollte. Werke wie "Onement I" verkörperten diesen Anspruch einer radikalen Gegenwärtigkeit – "Here I am, here". Zugleich problematisiert Foster Newmans Pathos des Erhabenen, das später als ideologisch und männlich-heroisch kritisiert wurde. Dennoch plädiert er dafür, Newman jenseits von Ironie neu zu lesen – Amy Newmans Biografie liefere dafür eine überzeugende Grundlage.
Ausstellungen
In einem Interview mit Ella Martin-Gachot für "Cultered" sprechen Udo Kittelmann und Julia Stoschek über ihr Projekt "What a Wonderful World", das vom 6. Februar bis 20. März im Variety Arts Theater in Los Angeles zu sehen ist. Kittelmann beschreibt das Vorhaben bewusst nicht als Ausstellung, sondern als "audiovisuelles Gedicht" – mit dem erklärten Ziel, dass "niemand das Gebäude glücklich verlässt". Es gehe darum, jenseits von Unterhaltung eine existenzielle Erfahrung zu ermöglichen. Stoschek spricht von einem einmaligen Experiment: "Ein solches Projekt machen wir nur einmal im Leben." Beide betonen im Gespräch, dass sich die zentralen Themen der bewegten Bilder seit den Anfängen des Films nicht verändert hätten: Liebe, Verlust, Gewalt, Hoffnung. In Zeiten maximaler Bildschirmnutzung solle das Publikum lernen, wieder zu fühlen – nicht konsumieren, sondern reflektieren.
Boris Pofalla beschreibt in der "Welt" die neue Arbeit "Liminals" des Künstlers Pierre Huyghe in der Halle am Berghain, gezeigt von der LAS Art Foundation, als ästhetisch überwältigend, aber inhaltlich problematisch. Der Film, den Huyghe selbst als "modernen Mythos" bezeichnet, folge einer gesichtslosen Figur "außerhalb von Zeit und Raum", in einem Zustand permanenter Auflösung. Pofalla sieht darin jedoch vor allem eine KI-nahe Bildsprache, die Fragen nach Authentizität aufwerfe und "etwas Generisches" habe. Trotz quantenmechanischer Klangexperimente und monumentaler Inszenierung wirke das Ergebnis wie "sehr professionell gemachter Kitsch". Gleichwohl zwinge die Arbeit dazu, intensiv über den Zustand der Videokunst im Jahr 2026 nachzudenken – und genau darin liege weiterhin Huyghes Stärke. Adrian Searle sieht in der Arbeit eine radikale Grenzerfahrung: Was zunächst wie eine Filmprojektion wirkt, entpuppt sich als allumfassende Installation, in der man sich "oft nicht sicher ist, was auf der Leinwand passiert und was im Raum um einen herum", schreibt er im "Guardian". Schon der Eintritt werde zum Teil des Werks: Besucher tasteten sich durch Dunkelheit und Vibrationen, "ohne zu merken, dass sie längst mittendrin sind". Searle schildert die Bilder als zutiefst verstörend, das Werk sei "eine schmerzhafte Erfahrung", voller körperlicher Verletzlichkeit und abjekter Gesten. Trotz der Bezüge zu Quantenphysik gehe es letztlich um Durchlässigkeit: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Körper und Bild, Innen und Außen.