Medienschau

Schwierige Suche nach neuem Kultursenator in Berlin

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CDU-Politiker Heilmann könnte Berliner Kultursenator werden, US-Justizministerium greift Ballsaal-Kritiker an, und interne Dokumente sollen zeigen, wie die Venedig-Biennale an Russlands Rückkehr gearbeitet hat: Das ist unsere Medienschau am Dienstag

Kultur & Politik

Wer folgt auf Sarah Wedl-Wilson? Nach dem Rückzug der Berliner Kultursenatorin wird nach Medienberichten der frühere Justizsenator und Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann (CDU) als Nachfolger gehandelt. Heilmann (61) sei Favorit bei der Besetzung des Postens, berichten der "Tagesspiegel" und der Sender RBB übereinstimmend und beziehen sich dabei auf ungenannte Quellen. Wedl-Wilson (56) musste wegen der rechtswidrigen Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus gehen. Sie kündigte am Freitag ihren Rücktritt an und zog die Konsequenzen aus einem Bericht des Landesrechnungshofs, der die Förderung von Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention als rechtswidrig bewertet hatte. Heilmann hat Jura studiert, war erfolgreich mit einer Werbefirma und bei anderen Firmen vor allem im Bereich Medien aktiv. Er war von 2012 bis 2016 Berliner Justizsenator und saß von 2017 bis 2025 für die CDU im Bundestag. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über die Nachfolge getroffen. "Ich führe Gespräche, führe auch gute Gespräche", sagte Wegner nach der Senatssitzung auf die Frage eines Journalisten. "Und sobald ich eine Entscheidung getroffen habe, werde ich sie Ihnen bekanntgeben", versprach er. Dafür sei aber noch das ein oder andere Gespräch notwendig. Ungewöhnlich ist, dass sich Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) schon am Morgen zu einem Vorgang äußerte, der am Nachmittag noch nicht offiziell bestätigt war. Auf die Frage, was sie von der Personalie Heilmann halte, sagte sie im RBB-Inforadio: "Dass schnell gehandelt wird und dass erfahrene CDU-Politiker dann auch zur Verfügung stehen, um diesem Senat dann auch das Gesicht zu geben." Heilmann kenne die Berliner Verwaltung. "Er hat lange ein Ressort geführt. Und insofern weiß er, wie er da jetzt anpacken muss. Und das wird er auch tun."

Die US-Regierung hat nach den Schüssen bei einer Abendveranstaltung mit Präsident Donald Trump einen neuen Anlauf für den umstrittenen Ballsaal im Weißen Haus gestartet, berichtet die "Washington Post". Das Justizministerium beantragte am Montagabend bei einem Bundesrichter, den Baustopp für das rund 400 Millionen US-Dollar teure Projekt aufzuheben – in einem ungewöhnlich scharf formulierten Schriftsatz. Darin greifen die Regierungsjuristen die klagende Denkmalschutzorganisation direkt an, bezeichnen sie als "fake" (falsch) und werfen ihr ein "Trump Derangement Syndrome" (etwa Trump-Wahn-Syndrom) vor. Die Wortwahl erinnere an Beiträge auf Trumps Onlineplattform Truth Social. Inhaltlich begründet die Regierung ihren Vorstoß mit dem Vorfall vom Wochenende. Am Samstag war ein bewaffneter Angreifer bei einem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse durch eine Sicherheitsschleuse vorgedrungen und von Sicherheitskräften gestoppt worden. Dabei fielen Schüsse; ein Sicherheitsbeamter wurde verletzt. Dem Mann wird nach Behördenangaben ein Mordversuch an Trump zur Last gelegt. Seither nutzten der US-Präsident und etwa der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche den Vorfall, um für das umstrittene Bauprojekt zu werben. Mit dem geplanten Ballsaal wäre ein solcher Angriff "niemals passiert", so die Argumentation. Das Prestigeprojekt des Präsidenten steht seit Monaten juristisch unter Druck. Trump ließ für den Bau den historischen Ostflügel des Weißen Hauses abreißen. Denkmalschützer klagten dagegen und warnen, der Neubau könne das bestehende Gebäude optisch dominieren. Daraufhin verhängte ein Richter einen vorläufigen Baustopp, während eine Berufungsinstanz den Fall prüft.

Wie Kelly Crow im "Wall Street Journal" berichtet, bedroht der Krieg die internationale Karriere des iranischen Bildhauers Aref Montazeri. Der 39-Jährige aus Teheran war mit seinen großformatigen Spiegelskulpturen zuletzt auf Erfolgskurs; einzelne Werke erzielten bis zu 1,5 Millionen Dollar. Nun fehlen Materialien, Transporte sind blockiert, eine geplante Soloschau bei Leila Heller Gallery in New York wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Montazeri beschreibt, wie Luftangriffe sein Leben erschütterten und ihn zeitweise zur Flucht aus Teheran zwangen. Trotzdem kehrte er zurück, auch wegen seines siebenköpfigen Studio-Teams. "Nichts, nicht einmal Krieg, sollte uns davon abhalten, das zu verfolgen, was wir anstreben", sagt er. Seine Arbeiten aus tausenden Spiegelscherben gelten als futuristische Neuinterpretation persischer Spiegelkunst. Persönlich geprägt sei Montazeri durch die Trennung seiner Eltern worden. Ein Schminktisch mit Spiegel seiner Mutter blieb damals als einziges Möbelstück zurück. Daraus entwickelte sich seine lebenslange Beschäftigung mit Spiegeln. Heute lagern seine verpackten Werke im Atelier und warten auf bessere Zeiten. "Das Studio bleibt ein Ort, an dem ich an Hoffnung festhalten kann", sagt der Künstler.

Venedig-Biennale

Wie Francesca Milano im italienischen Online-Portal "Open" berichtet, zeigen interne E-Mails und Dokumente, dass die Biennale an einer Rückkehr Russlands gearbeitet habe. Demnach schrieb die russische Pavillon-Kommissarin Anastassija Karnejewa bereits im Januar, Russland werde an der 61. Ausstellung teilnehmen. Ein Projekt mit dem Titel "The tree is rooted in the sky" sei samt Installationen und Performances eingereicht worden. Laut Bericht ging es danach vor allem um Visa-Fragen und organisatorische Hilfe. Karnejewa bat Generaldirektor Andrea Del Mercato um Einladungsschreiben und darum, den russischen Pavillon wieder auf Website und Lageplan zu führen. Als Kompromiss sei eine eingeschränkte Teilnahme diskutiert worden: Aufzeichnungen von Performances während der Pressetage, später nur Projektionen im geschlossenen Pavillon. In einer Mail heißt es, der Pavillon werde kurz geöffnet und danach "nur von außen sichtbar" sein. Die Biennale weist diese Darstellung zurück. In einer Stellungnahme betont sie, "kein Verbot der europäischen Sanktionen" sei umgangen worden. Der Fall wirft laut "Open" dennoch die Frage auf, ob das Modell rechtlich zulässig oder eine Grauzone war.

Wie Jenny Wu in "ArtReview" schreibt, rückt die Ausstellung "Helter Skelter" in der venezianischen Fondazione Prada – eine Kollateral-Schau der Venedig-Biennale – die Frage ins Zentrum, wem Bilder gehören. Gezeigt werden Werke von Arthur Jafa und Richard Prince, zwei Künstlern, die fremdes Bildmaterial aneignen – jedoch mit sehr unterschiedlicher Wirkung. Jafa montiert Internetvideos, Polizeibilder und Popkultur zu emotionalen Arbeiten über Schwarze Erfahrung und Gewalt in den USA. Jafa lobte Prince dafür, bestimmte Übertragungen von Bildern "als legitime konzeptuelle Geste autorisiert" zu haben. Wu argumentiert, Appropriation sei nie nur ästhetisch, sondern immer auch eine Frage von Macht, Zustimmung und Besitz. Wer Bilder nutzt, übernehme auch "die Last ihres Inhalts".