Medienschau

"Aua"

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Florentina Holzingers Pfingstspiel, das Berliner "Trauma"-Projekt und von Zensur bedrohte Kunst: Das ist unsere Medienschau am Donnerstag

Kunstfreiheit

Nadia Beard schreibt in der "Financial Times", ausgehend von Daisy Dixons Buch "Depraved" und Ai Weiweis "On Censorship", über die Frage, ob es "gefährliche Kunst" gebe und ob Zensur je gerechtfertigt sei. Dixon argumentiere, Kunst könne moralisch wirken, indem sie Verhalten und Wahrnehmung verändere und etwa Gewalt ästhetisiere oder normalisiere. Ai Weiwei hingegen betone aus eigener Erfahrung von Zensur in China, dass jede Form von Autorität notwendig Einschränkungen von Denken und Ausdruck hervorbringe. Während Dixon Kunst in "gute" und "schlechte" Wirkungen einteile, widerspreche Ai dieser Fixierung auf Konsens. Beide Positionen, so Beard, liefen letztlich darauf hinaus, dass Zensur "mehr Schaden als Nutzen" anrichte und man problematische Kunst eher diskutieren als entfernen solle.

Silvia R. Pontevedra schreibt in "El País", am Centro Galego de Arte Contemporánea (CGAC) in Santiago de Compostela entfalte sich ein offener Konflikt zwischen Kunstszene und Xunta, also der aktuellen Regionalregierung unter Führung der konservativen Partido Popular. Nachdem die Regierung eine als "ohne Projektion" kritisierte Funktionärin zur neuen Direktorin bestimmt hab, sprechen Künstler, Kritiker und Akademiker von einem "sehr schwachen Profil" und einem politisch gesteuerten Auswahlprozess, der auf Kontrolle statt Unabhängigkeit ziele. Unter dem Motto "SÓS CGAC" protestierten laut der Autorin mehr als 1.400 Fachleute gegen die Entscheidung und warnten vor einer zunehmenden Politisierung der Institution. Auch die Berufung auf "Transparenz, Verdienst und Eignung" durch die Xunta werde im Sektor massiv angezweifelt, während Rücktritte im Beirat den institutionellen Bruch verschärften. Insgesamt, so der Tenor der Kritik, drohe dem CGAC eine nachhaltige Schwächung seiner internationalen Ausrichtung zugunsten politischer und touristischer Interessen.

Performance

Sven Behrisch beschreibt in der "Zeit" das "Pfingstspiel" von Florentina Holzinger als überbordendes Spektakel, das weniger wie Erleuchtung als wie technische Überbietung wirkt: "großes Kino", eine "Überdrehung der biblischen Geschichte", am Ende bleibe vor allem "Erleichterung nach einem gelungenen Stunt". Christine Dössel beschreibt in der "SZ" Body-Suspension, also das Aufhängen von Menschen mit durch die Haut gestochenen Haken, als reale Grenzerfahrung, die zwischen Schock und Faszination kippe: "Aua", heißt es lakonisch im Text. Der Austragungsort Schloss Prinzendorf könnte zwar als queer-feministische Umcodierung des Wiener Aktionismus um Hermann Nitsch gelesen werden, aber die Künstlerin selbst sieht darin eher "Anti-Kriegs-Manifest". Sie sehe sich nicht in der Traditionslinie des Aktionismus ("ich komme ja vom Tanz"). Für Monopol war Justine Konradt vor Ort.

Kunstszene

Birgit Rieger beschreibt im "Tagesspiegel" die Berliner Reihe "Trauma" als Versuch, Clubkultur und bildende Kunst neu zu verschalten. Die Macher wollen "nicht einfach nur die nächste Party", sondern ein Format zwischen Performance und Konzert, das Generationen und Szenen mischt. Mitgründerin Madalena Stanescu und Troels Primdahl betonen, sie wollten "kombinieren, was wir zusammen sehen wollen" und ein Publikum schaffen, das sonst kaum Berührung mit Kunst habe. Rieger zeigt "Trauma" als nomadisches Projekt nach dem Verlust der Heidestraße, das nun international operiert – von Venedig bis Art Basel. Zugleich bleibt die Spannung zwischen Subkultur und Institution ungelöst: Man wolle "ein durchmischtes Publikum", doch offen sei, ob sich Clubcodes und Kunstpublikum wirklich verbinden lassen.

Kunstmarkt

Jo Lawson-Tancred berichtet für "Artnet News" über die Veröffentlichung der Ausstellerliste für die kommende Art Basel Paris, die vom 23. bis 25. Oktober im Grand Palais stattfindet. Mit über 200 Galerien aus 41 Ländern verzeichne die Messe laut Autorin ein leichtes Wachstum im Vergleich zum Vorjahr, während gleichzeitig mehrere prominente Galerien fehlten, darunter etwa wegen Insolvenz oder finanzieller Schwierigkeiten. Neu im Hauptsektor seien unter anderem die Berliner Galerien Isabella Bortolozzi, ChertLüddeKraupa-Tuskany Zeidler und Lars Friedrich, sowie Aussteller aus Wien, New York und Seoul, was die zunehmende internationale Durchmischung unterstreiche. Besonders hervorgehoben wird zudem der Trend zu "Joint Booths", bei denen mehrere Galerien gemeinsam auftreten; diese würden laut Messeleitung zu einem festen Bestandteil des Formats und ermöglichten "eine kuratorische Zusammenarbeit, die mehrschichtige und unerwartete Präsentationen hervorbringt".