Medienschau

"Setze dir Ziele, die groß genug sind, um die Opfer zu rechtfertigen"

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Warum manche Sammler ihre Kunstwerke über Trusts verkaufen, der Künstler für den US-Pavillon in Venedig bleibt vielen weiterhin ein Rätsel und Jeffrey Gibsons Rat an sein jüngeres Selbst: Das ist unsere Medienschau am Freitag 


Venedig-Biennale

In der "Welt" analysiert Marcus Woeller die überraschende Entscheidung der USA, den weitgehend unbekannten Autodidakten Alma Allen für den US-Pavillon der Biennale 2026 zu nominieren. Viele fragten sich: "Alma who?" Statt kritischer Symbolpolitik, wie sie Robert Lazzarini, der eigentlich den Pavillon bespielen sollte, geplant hatte, setze die US-Regierung auf "kollektiven Optimismus und Selbstverwirklichung" – ein Kurswechsel, der laut Woeller als Angriff auf den "woken Kunstbetrieb" gelesen wird. Allens "unpolitische" Skulpturen würden dadurch selbst zum Politikum werden. Nach Bekanntwerden ließen ihn seine Galerien fallen. Allen verteidigt sich: "Niemand hat mich gebeten, irgendetwas im Dienste der Trump-Regierung zu tun." 

In der Interview-Reihe "The Art That Made Me" im "Ursula"-Magazin von Hauser & Wirth erzählt Jeffrey Gibson, Alma Allens Vorgänger als Künstler des US-Pavillons in Venedig 2024, von den prägenden Erfahrungen seines Lebens – zwischen indigener Herkunft, Popkultur und globalem Nomadentum. Der Künstler berichtet von einer Kindheit zwischen den USA, Deutschland und Südkorea, in der er "nie eindeutig zugeordnet wurde" und früh lernte, sich anzupassen und zu performen. Seine Eltern hätten ihm vermittelt, "dass das Leben nicht fair ist", aber man trotzdem weitermachen müsse. Madonna, Leigh Bowery und Matisse bezeichnet er als Schlüsselfiguren: Madonna sei für ihn "forthright and provocative" gewesen; Bowery habe gezeigt, "dass man gegen alle Widerstände 'das Haus einreißen kann'". Schönheit sei für ihn keine Dekoration, sondern Strategie: "Beauty is something to draw someone in." Zu seiner Met-Installation sagt Gibson, sie erinnere daran, Empathie und Verbundenheit mit der Natur zu denken. Sein Ratschlag an sein jüngeres Selbst: "Setze dir Ziele, die groß genug sind, um die Opfer zu rechtfertigen."

Kunstmarkt

Im "Observer" berichtet Daniel Grant, warum Sammler Kunst zunehmend über sogenannte Charitable Remainder Unitrusts (CRUT) verkaufen. Der Hintergrund: Wer ein Werk direkt veräußert, muss in den USA bis zu rund 41 Prozent Kapitalertragssteuer zahlen. Ein CRUT dagegen ermögliche es, Kunst steuerlich aufzuschieben und die Verkaufserlöse im Trust weiter anzulegen. Der Anwalt Lawton Leung erklärt: "Der Trust kann verkaufen, ohne einen Steuerhit." Die Steuern fielen erst an, "wenn die jährlichen Auszahlungen erfolgen". Üblich seien fünf bis acht Prozent Ausschüttung an die Begünstigten, meist auf Lebenszeit, bevor der Rest an Wohltätigkeitsorganisationen geht. Laut Leung böten CRUTs eine "Steuerstrategie, um hohe Wertsteigerungen effizient zu nutzen". Der Nachteil: Wer Kunst in den Trust überträgt, darf sie nicht mehr zu Hause behalten.

Die besondere Ausgabe

Das "SZ-Magazin" erscheint morgen zum vierten Mal unter dem Motto "Grosse Kunst". Neun internationale Positionen – darunter Thomas Demand, Ólafur Elíasson, Camille Henrot und William Kentridge – gestalten exklusive Arbeiten als separate Magazinseiten. Chefredakteur Timm Klotzek erklärt, die Reihe verbinde Kunst und das Medium Zeitung auf besondere Weise und mache "hochkarätige Kunstwerke einem breiten Publikum zugänglich". Die Ausgabe erscheint am Samstag als Beilage zur "Süddeutschen Zeitung".