Medienschau

"Willst du sagen, ich bin als Künstlerin veraltet?"

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Anne Imhof reagiert gereizt auf den "Guardian", UdK-Masterstudiengänge schließen, und die Bundeskunsthalle Bonn plant provokante Auseinandersetzung mit Sexarbeit: Das ist unsere Presseschau am Donnerstag


Kunstwelt

Der britische "Guardian" porträtiert Anne Imhof als Künstlerin im Spannungsfeld zwischen Ruhm, Kritik und Neuerfindung. Autor Philip Oltermann erinnert daran, dass Imhof nach dem Goldenen Löwen 2017 mit ihrer radikalen, S&M-codierten Arbeit "Faust" zum "heißesten Scheiß" der Kunstwelt wurde. Ihre jüngste New Yorker Großproduktion "Doom: House of Hope" jedoch wurde teils heftig verrissen und als "schlechte Balenciaga-Werbung" verspottet. Imhof reagiert gereizt auf den Vorwurf des Zeitgeistsverlusts und fragt: "Willst du sagen, ich bin als Künstlerin veraltet?" Doch Oltermann verteidigt ihre Reaktion: "Was den Ärger wahrscheinlich am meisten verursachte, war nicht die Kritik an sich, sondern eher die Tatsache, dass sie nicht direkt genug war. Denn offene Konflikte sind etwas, von dem die heute 48-jährige Imhof immer zu profitieren schien." Die Künstlerin spricht sich gegen platte Politisierung aus: Kunst sei politisch, aber nicht als Statementmaschine. Ihre neue Ausstellung mit dem Adorno-Titel "Fun ist ein Stahlbad" in Porto setze stattdessen auf Autonomie, Kontrolle und pessimistische Klarheit.

Die "SZ" berichtet über den Antisemitismusstreit an der Kunstakademie Düsseldorf. Autor Christoph Koopmann schildert den Fall der Einladung der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif, die - so die Vorwürfe - Israel auf Social Media das Existenzrecht abspreche und Bezüge zu in Deutschland verbotenen Terrororganisationen zeige. Trotz massiver Kritik aus Politik und jüdischen Organisationen habe die Akademie an der Veranstaltung festgehalten und sich auf Kunst- und Meinungsfreiheit berufen. Rektorin Donatella Fioretti erklärte, die Posts seien "strafrechtlich nicht relevant", während der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf von einer "Delegitimierung Israels" spricht und warnt, Antisemitismus werde salonfähig. Koopmann zeichnet den Konflikt als exemplarischen Fall für die Überforderung von Hochschulen im Umgang mit dem Nahostkonflikt – und endet mit einem resignativen Bild: "Gute Nacht, jedenfalls." Für Monopol hat Daniel Kothenschulte über den Streit berichtet.

Die "taz" meldet die drohende Schließung mehrerer Masterstudiengänge an der Berliner Universität der Künste, darunter Sound Studies & Sonic Arts. Autor Julian Zwingel beschreibt die Entscheidung als Folge des strikten Sparkurses des Berliner Senats. Der seit 2005 bestehende, international renommierte Studiengang soll ab dem Wintersemester 2026/27 keine neuen Studierenden mehr aufnehmen. Studiengangsleiter Georg Klein warnt: "Eine künstlerische und wissenschaftliche Tradition wird abgebrochen und geht unwiederbringlich verloren." Aus dem Umfeld heißt es gegenüber der "taz", rechtliche Argumente würden "zunehmend als Instrumente zur Durchsetzung struktureller Vereinfachungen" genutzt. Trotz breiter Proteste und Tausender Unterschriften verweist die Hochschulleitung auf fehlende Mittel und gesetzliche Vorgaben – das letzte Wort sei jedoch noch nicht gesprochen.

Ausstellung

Die Bundeskunsthalle Bonn wird zur Kulisse einer provokanten Auseinandersetzung mit Sexarbeit: Für Oliver Moody ist die Ausstellung ein Symptom dafür, dass Deutschland mit seiner liberalen Prostitutionspolitik ringt. In der "Times" beschreibt er, wie das Museum zu einem "riesigen Bordell-Faksimile" umgebaut wird – just zu einem Zeitpunkt, an dem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner Deutschland als "Puff Europas" bezeichnet habe. Moody zeichnet nach, wie hitzig die Debatte um ein mögliches Sexkaufverbot geführt wird und verweist auf historische Kontinuitäten von Mittelalter bis NS-Zeit. Die Kuratorin Johanna Adam warnt laut Moody, das Thema lasse sich "kaum ansprechen, ohne starke emotionale Reaktionen auszulösen". Die Schau "Sex Work. Kulturgeschichte der Sexarbeit", die vom 2. April bis zum 25. Oktober laufen soll, wolle nicht moralisieren, sondern zeigen, dass Sexarbeit stets zwischen Regulierung, Ausbeutung und gesellschaftlicher Doppelmoral stand.

Museen

Das Guggenheim Museum New York hat 2025 seine Sammlung um 39 Werke von 31 Künstlerinnen und Künstlern erweitert, berichtet Misong Kim auf "Ocula". Die Neuerwerbungen reichen von 1963 bis in die Gegenwart und setzen auf experimentelle, transnationale Positionen. Erstmals vertreten sind unter anderem Ambera Wellmann, Rachel Rossin, Ruby Sky Stiler und die Fotografin Elle Pérez, von der gleich drei Arbeiten aufgenommen wurden. Hinzu kommen Werke etablierter Künstler wie Nancy Holt, Carrie Mae Weems, Salman Toor und Shinro Ohtake. Guggenheim-Vizedirektorin Naomi Beckwith nennt die Ankäufe "einen Beleg dafür, wie die Institution zugleich reflektiert auf ihre Wurzeln zurückblickt und ihr Engagement für experimentelle Formen sowie transnationale Ansätze bekräftigt", wie Kim schreibt. Finanziert wurden die Erwerbungen überwiegend durch die museumseigenen Ankaufgremien.