Venedig-Biennale
Wie Tobias Timm in der "Zeit" schreibt, wurde die Teilnahme am deutschen Pavillon für Henrike Naumann zum letzten großen Projekt. Die Künstlerin starb im Februar mit 41 Jahren, kurz nach dem ersten Geburtstag ihrer Tochter, nachdem bei ihr im Winter zuvor Krebs diagnostiziert worden war. Bis zuletzt arbeitete sie an der Ausstellung, die sie gemeinsam mit Sung Tieu auf Einladung der Kuratorin Kathleen Reinhardt gestalten sollte. Ihr Ehemann Clemens Villinger berichtet, Naumann habe "mit letzter Kraft" weiterkonzipiert und noch eine hunderte Seiten starke Bildrecherche erstellt. Freunde vollendeten danach Objekte für Venedig. Für Naumann sei der von den Nationalsozialisten geprägte deutsche Pavillon der "Endgegner-Raum" gewesen – ein Ort, den sie künstlerisch herausfordern wollte. Timm erinnert an Naumanns Arbeiten über Ostdeutschland, rechte Gewalt, Reichsbürger und Staatsästhetik. Ihre Installationen aus Möbeln, Teppichen und Alltagsobjekten machten politische Brüche sichtbar. In Venedig bespiele sie nun den Hauptraum mit Objektgruppen und Tanzperformance. Ein Satz der Künstlerin bleibt: "Eine Idee, die gut ist, kann fast alles verändern."
Alex Marshall schaut in der "New York Times" noch einmal auf den plötzlichen Tod der Kuratorin Koyo Kouoh im Alter von 57 Jahren, nur wenige Monate nach Beginn ihrer Arbeit an der zentralen Ausstellung der Biennale in Venedig. Sie starb an Leberkrebs und galt zuvor als eine der wichtigsten Figuren der internationalen Kunstwelt, unter anderem als Leiterin des Zeitz MOCAA in Kapstadt. Ihr Team setzt die Ausstellung "In Minor Keys" fort, die am 9. Mai eröffnet werden soll. Kouoh habe, das Publikum auffordern wollen, "in einen langsameren Gang zu schalten und auf die Frequenzen der Molltöne einzustimmen", statt "eine Litanei von Kommentaren zu Weltgeschehen" zu liefern. Die Mitkuratorin Salti beschreibt sie als "unseren Dirigenten". Ihr Ehemann erinnert zudem an ihr Selbstverständnis mit den Worten, sie sei "eine Hebamme für die Künstler" gewesen.
Der US-Pavillon sammelt erstmals offen Online-Spenden ein. Wie Isa Farfan auf "Hyperallergic" berichtet, wirke die Finanzierung des 2026er Auftritts von Bildhauer Alma Allen unter der Trump-Regierung ungewöhnlich intransparent. Die eigens gegründete American Arts Conservancy (AAC) werbe auf ihrer Website mit einem "Support Our Mission"-Button um mindestens 100 Dollar pro Spende. AAC-Direktorin Jenni Parido sagte dem Magazin, es gebe keine Unternehmens- oder Stiftungsförderung, stattdessen stamme das Geld von "Privatpersonen, die an die Bedeutung amerikanischer Künstler und kulturellen Austausch glauben." Der Staat zahle laut Außenministerium nur 375.000 Dollar, weitere Mittel müsse der Künstler selbst auftreiben. Farfan verweist zudem auf ein umstrittenes Auswahlverfahren: Allen sei erst nachträglich berufen worden. Das Außenministerium pries ihn als Künstler, der "die Größe des amerikanischen Traums" verkörpere.
Das israelische Außenministerium wirft der Jury der Biennale von Venedig vor, die Ausstellung zu "politisieren", berichtet James Imam im "Art Newspaper". Die Jury hatte angekündigt, in diesem Jahr bei der Preisvergabe keine Länder zu berücksichtigen, deren Staats- und Regierungschefs vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) mit Vorwürfen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert sind. Auf X sprach das Ministerium von einem "Boykott" des israelischen Künstlers Belu-Simion Fainaru und einer "Kontaminierung der Kunstwelt". Zudem habe die "politische Jury" die Biennale in ein „Spektakel falscher anti-israelischer politischer Indoktrination“ verwandelt. Die Jury betonte dagegen ihre Verpflichtung zur Verteidigung der Menschenrechte. Die Regel betrifft auch Russland im Kontext des Ukraine-Kriegs. Parallel wurden EU-Mittel teilweise eingefroren, während Kaja Kallas die Teilnahme Russlands als „moralisch falsch“ bezeichnete und kritisierte, Russland zerstöre Kultur und solle nicht ausstellen dürfen.
Kunstmarkt
Alton Yan berichtet für "The Art Newspaper" über den Fall des Texaners Robert Dunlap, der ein Krypto-Betrugssystem betrieb und nun zu 23 Jahren Haft verurteilt wurde. Zwischen 2018 und 2023 habe er fast 1.000 Anleger mit einer angeblich durch Kunstwerke von Picasso, Dalí und van Gogh sowie Gold im Wert von Milliarden gedeckten Kryptowährung ("Meta-1 Coin") getäuscht. Tatsächlich existierten weder Kunst noch Gold; Dokumente seien gefälscht gewesen, so die Ermittler. Die US-Staatsanwaltschaft erklärte laut Yan: "Der Angeklagte habe Investoren jahrelang belogen und ihnen vorgespiegelt, er habe eine sichere Geldanlage geschaffen." Der Schaden belaufe sich auf über 20 Millionen Dollar, viele hätten ihre gesamten Ersparnisse verloren. Ein IRS-Ermittler sagte zudem: "Er habe nicht nur Geld genommen, sondern Jahre harter Arbeit, Vertrauen und finanzielle Sicherheit zerstört." Der Fall stehe im Kontext zunehmender Krypto-Betrugsverfahren und gelockerter Regulierung unter der Trump-Regierung.
Das besondere Kunstwerk
Der Musiker, Ökologe und Autor Dominik Eulberg hat gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft eine bundesweite, kollektive Malaktion zum Schutz der Artenvielfalt gestartet. Unter dem Titel "Lepidoptera" sind Menschen jeden Alters aufgerufen, bis Mitte August gemalte Schmetterlinge einzureichen. Aus ausgewählten Einsendungen soll ein animierter Schwarm entstehen, der als Musikvideo zu Eulbergs Stück "Mittlerer Weinschwärmer" genutzt wird. Die Aktion verbindet Kunst, Naturbeobachtung und gesellschaftliches Engagement. Ziel ist es, auf das Verschwinden von Schmetterlingen und anderen Insekten aufmerksam zu machen. "Gerade in der überbordenden schönen Welt der Schmetterlinge zeigt sich sehr gut, dass Mutter Natur die größte Künstlerin von allen ist", sagte Eulberg laut Mitteilung. Das Bündnis sieht in der Kampagne auch ein politisches Signal. "Dominik macht neugierig auf die Schönheit der Schmetterlinge. Wir machen sichtbar, warum sie verschwinden", erklärte Geschäftsführerin Anja Voß. Die Biodiversitätskrise gerate politisch zunehmend ins Hintertreffen. Eulberg veröffentlichte 2025 das Album "Lepidoptera", das zwölf heimischen Schmetterlingsarten gewidmet ist. Mit der aktuellen Aktion soll daraus nun ein öffentliches Beteiligungsprojekt werden. Weitere Informationen sowie Upload-Möglichkeiten für Einsendungen bietet das Bündnis online an.