Kunstszene
In ihrer Kolumne für "Hyperallergic" geht Paddy Johnson der Frage nach, warum der Kunstbetrieb so häufig von toxischem Verhalten geprägt sei. Die Ursache sieht sie vor allem in der Konkurrenz um knappe Ressourcen: "Wir kämpfen um die Reste", schreibt sie über den Wettbewerb um Sammler, Fördergelder und Aufmerksamkeit. Anhand mehrerer Beispiele schildert Johnson illoyales Verhalten unter Künstlern und Konflikte zwischen Galerien und ihren Vertretenen. Oft seien die Grenzen zwischen taktischem Handeln und unethischem Verhalten fließend. Als Schutz empfiehlt sie, Kooperationen sorgfältig zu prüfen und Absprachen schriftlich festzuhalten. Vor allem aber solle man den eigenen Antrieb bewahren, und Paddy Johnsons Rat ist zu schön, um ihn gekürzt wiederzugeben: "Die Kunstwelt bietet uns ständig Gelegenheiten, Sinn gegen Vorteile einzutauschen. Jedes Mal, wenn du ablehnst, bewahrst du ein kleines Stück der Welt, die du hier aufbauen wolltest – für dich selbst und für die Menschen, die dir am Herzen liegen."
Museen
Nach dem Diebstahl eines keltischen Goldschmucks aus einem Museum in Burgund will die französische Regierung besonders gefährdete Kunstschätze besser schützen. Demnach sollen besonders sensible Exponate vorübergehend aus den Ausstellungen genommen und an sicheren Orten verwahrt werden - bis ihre Präsentation besser gegen mögliche Angriffe geschützt ist. Wie unter anderem "Le Monde" berichtet, wurde bei dem Einbruch in das Museum von Châtillon-sur-Seine am Freitag wurde der rund 2.500 Jahre alte Torque von Vix gestohlen - ein kunstvoll gearbeiteter goldener Halsreif und eines der bedeutendsten Zeugnisse der keltischen Kultur in Europa. Wie inzwischen bekannt wurde, betraten die Täter das Museum als Besucher, schlugen eine gesicherte Vitrine ein und entkamen mit dem Goldhalsreif. Laut Ermittler wurde inzwischen ein Tatverdächtiger festgenommen. Mit dem Diebstahl des Torque von Vix setzt sich eine Serie von Einbrüchen und versuchten Diebstählen in französischen Museen fort. Seit dem Einbruch in die Apollo-Galerie des Louvre im Oktober vergangenen Jahres steht die Sicherheit von Kultureinrichtungen verstärkt im Fokus. Mit dem 33-Punkte-Paket will das Kulturministerium nun gegensteuern. Dazu gehören eine landesweite Erfassung besonders gefährdeter Häuser, unangekündigte Sicherheitsüberprüfungen durch Spezialisten des Ministeriums sowie zusätzliche Schulungen für das Museumspersonal. Welche besonders gefährdeten Exponate vorübergehend aus den Ausstellungen genommen werden sollen, ließ das Ministerium aus Sicherheitsgründen offen. Originale sollen nach dem Willen der Ministerin jedoch nicht durch Kopien ersetzt werden.
Kunstmarkt
Wie "ARTnews" berichtet, wehrt sich LVMH-Chef Bernard Arnault gegen eine sechsteilige Recherche von "Le Monde", die ihm vorwirft, Kunstförderung gezielt mit Steuervorteilen zu verbinden. Die Zeitung argumentiert, Arnault habe Projekte wie die Fondation Louis Vuitton und millionenschwere Kunstankäufe für französische Museen genutzt, um Macht zu demonstrieren und von großzügigen Steuervergünstigungen zu profitieren. Arnault entgegnet auf X, er habe die Stiftung "im Rahmen eines vom französischen Parlament beschlossenen Gesetzes" finanziert. Wenn dieses System "so anstößig" sei, müsse der Gesetzgeber es abschaffen. Zugleich weist er Spekulationen über Familienstreitigkeiten zurück und erklärt, wer auf einen Bruch innerhalb der Familie hoffe, werde "lange warten".
Annikka Olsen bespricht bei "Artnet News" Eliza Douglas' erste Einzelausstellung in New York und zugleich ihr Debüt bei Gagosian. Für die Schau überarbeitete sie unverkaufte Gemälde aus dem Bestand ihrer langjährigen Galerie Air de Paris, die zeitgleich ihre Schließung bekanntgab. Douglas habe bewusst sichtbar machen wollen, "etwas, das normalerweise verborgen bleibt", nämlich die Existenz unverkaufter Werke. Die Künstlerin ergänzte die Bilder mit UV-Drucken verfremdeter Selfies ihrer Tante, der UFO-Journalistin Leslie Kean, und schuf so vielschichtige Arbeiten über Erinnerung, Wiederverwertung und Bildproduktion. Kurator Francesco Bonami bezeichnet die Ausstellung als "sehr mutig" und "sehr seltsam" und betont: "Das sind wirklich Gemälde. Ob sie einem gefallen oder nicht."
"The Art Newspaper" würdigt das Ende einer kleinen Tradition in der Kunstwelt: Erstmals seit 1986 ziert nicht mehr eine Anzeige des Schweizer Galeristen Bruno Bischofberger die Rückseite des "Artforum". Wie die Zeitung berichtet, habe Bischofberger dort jahrzehntelang keine Kunstwerke, sondern Fotografien aus der Schweiz gezeigt: "seltsam, manchmal idyllisch, oft auf unheimliche Weise verstörend“, wie Kurator Darren Flook schreibt. Nach Bischofbergers Tod im Mai sei die Rückseite nun Andy Warhols Porträt seines langjährigen Galeristen mit der schlichten Widmung "In Memoriam" gewidmet gewesen – ein stiller Abschied von einer prägenden Figur des internationalen Kunsthandels.
Nachruf
Im "Guardian" schreibt Kunstkritiker Jonathan Jones über den verstorbenen Gunther von Hagens und dessen Vermächtnis als Erfinder der Plastination. Von Hagens habe mit seinen "Körperwelten"-Ausstellungen die Schockkunst der 1990er-Jahre übertroffen. Seine Ausstellungen hätten Damien Hirsts morbide Ästhetik rückblickend wie ein elitäres Nebenspektakel wirken lassen. Er habe "getan, was Hirst und andere nie wagten: Er zeigte echte menschliche Leichen als eine Art makabres, angeblich lehrreiches Kunstobjekt". Während Künstler wie Leonardo da Vinci oder Rembrandt im menschlichen Körper ein Rätsel des Lebens erkannt hätten, habe von Hagens laut Jones den Tod rationalisiert und menschliches Fleisch zu bloßem Material gemacht. "Ehrlich gesagt, fand ich 'Körperwelten' abstoßend", schreibt der Kritiker. Zwar habe von Hagens eine lange Tradition zwischen Kunst und Wissenschaft fortgeführt, doch am Ende sei er für Jones "kein Künstler" gewesen.