Malerei
Ex-Kanzlerin Angela Merkel hat sich viel Zeit gelassen, um sich für die Porträtgalerie im Kanzleramt malen zu lassen. Knapp fünf Jahre nach ihrem Auszug aus der Regierungszentrale wird das Gemälde des bisher weitgehend jungen unbekannten Künstlers Jérémie Queyras im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel enthüllt. Dort soll es drei Monate zu besichtigen sein, bevor es im Herbst in die Regierungszentrale wechselt. "Da häng ich dann eben", sprach Merkel selbst kürzlich in der "Zeit" wenig euphorisch über diesen Moment. "Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird." Im ersten Stock des Kanzleramts hängen Porträts aller Bundeskanzler bis Gerhard Schröder. Der ließ sich 2007 von Jörg Immendorff porträtieren. Neben Merkel fehlt auch noch ein Porträt von Olaf Scholz, der sich nach Angaben aus seinem Büro noch nicht für einen Künstler entschieden hat. Boris Pofalla schreibt in der "Welt", dass das neue Merkel-Porträt weit mehr sei als ein Eintrag in die Kanzlergalerie: Es markiere "einen letzten Akt politischer Bildregie". Anders als ihre Vorgänger habe Merkel das Gemälde selbst in Auftrag gegeben und bezahlt sowie als Leihgabe ausgestaltet, sodass es theoretisch wieder aus dem Kanzleramt entfernt werden könne. Pofalla ordnet das Bild in die Tradition der Kanzlerporträts von Bernhard Heisig, Albrecht Gehse und Jörg Immendorff ein, die jeweils das Selbstverständnis ihrer Auftraggeber spiegelten. Noch bevor das Werk öffentlich zu sehen sei, zeige sich laut dem Autor, "wie kontrolliert der Übergang vom lebenden Machtzentrum zur historischen Figur abläuft – und wie gut Merkel ihn offenbar im Griff hat."
Marina Warner würdigt in der "London Review of Books" die britische Malerin Celia Paul als eigenständige Künstlerin, deren Werk lange vom Verhältnis zu Lucian Freud überschattet worden sei. Ausgehend von einem neuen Werkverzeichnis beschreibt Warner, wie Paul über Jahrzehnte hinweg Mutter, Schwester und schließlich sich selbst porträtierte und dabei eine zutiefst persönliche Bildsprache entwickelte. Paul erklärt: "Irgendwie überlagerte das geliebte Bild meiner Mutter mein eigenes. Erst nach ihrem Tod konnte ich beginnen, mich selbst zu sehen." Warner sieht in den Gemälden keine klassischen Porträts, sondern Formen der Selbstbefragung. Die Autorin argumentiert, Paul habe sich zunehmend von Freuds Einfluss gelöst und zu einer stillen, "metaphysischen" Malerei gefunden, die Natur, Erinnerung und Spiritualität in den Mittelpunkt rücke.
Fotografie
Jurriaan Benschop spricht in "The Brooklyn Rail" mit dem deutschen Künstler Thomas Demand über Erinnerung, Fotografie und den politischen Gehalt von Bildern. Demand erklärt, seine Arbeiten seien weniger von "falscher Erinnerung" als davon geprägt, "wie Erinnerung verzerrt". Bilder formten Weltbild und Individualität und würden ständig neu zusammengesetzt. Kunst verstehe er nicht als politisches Pamphlet: "Sie ist politisch, aber nur im Sinne ihrer Machtlosigkeit. Kunst hat Einfluss, aber keine politische Macht." Zugleich warnt Demand vor der Erosion demokratischer Konventionen und verweist auf historische Parallelen: „Demokratie ist ein sehr verletzliches System.“ Zu Künstlicher Intelligenz äußert er sich offen: Sie sei „ein erstaunliches Werkzeug“, könne jedoch das genuin Menschliche künstlerischer Arbeit nicht ersetzen.
Kunstmarkt
Olga Kronsteiner berichtet im "Standard", dass der Rechtsstreit um Gustav Klimts "Bildnis Fräulein Lieser" neue Erkenntnisse zur NS-Geschichte der Familie Lieser ans Licht bringt. Die in New York eingereichte Restitutionsklage habe den Verkauf des Gemäldes vorerst gestoppt und rücke zugleich Versäumnisse bei der Provenienzforschung des Auktionshauses in den Fokus. Nach neuen Recherchen sei Lilly Lieser die ursprüngliche Auftraggeberin und Eigentümerin des Bildes gewesen. Die Autorin schildert zudem erbitterte Erbstreitigkeiten, die bis in die Nachkriegszeit zurückreichen, sowie die Denunziation von Hans Lieser durch den NS-Kollaborateur Tibor Collas. Laut Kronsteiner sei die Klägerin Patricia Leahy rechtlich keine Erbin, sondern lediglich pflichtteilsberechtigt – ein zentraler Punkt des laufenden Verfahrens.
In "Artnet News" berichtet Judd Tully einem Fall möglicher systematischer Fälschungen im unteren Kunstmarkt: Der eBay-Account "dantegallery" bot Arbeiten von Jim Nutt und Christina Ramberg für jeweils 499 Dollar an. Käufer erwarben zwei gerahmte Zeichnungen mit Etiketten der Phyllis Kind Gallery und der Jean Albano Gallery. Expertinnen bezweifeln die Echtheit. Die Kunsthändlerin Karen Lennox erklärt, "die Zeichnung von Jim Nutt stammt nicht von seiner Hand“" Auch das Ramberg-Label sei gefälscht. Nutt selbst antwortet: "Ich habe diese Zeichnung nicht gemacht.“ Der Händler David Nolan spricht von einer "vollständigen Fälschung" und einer "schlechten Kopie". Die Verkäuferin behauptet dagegen, sie verkaufe Secondhand-Kunst "und weise immer darauf hin, dass sie nur im Stil eines Künstlers sei". Kurz darauf sei der Shop verschwunden.