Medienschau

"Diese Mischung aus Aufregung und Enttäuschung"

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Wer wird im Kunstbetrieb gecancelt? Haben es Künstlerinnen tatsächlich noch schwerer? Braucht es noch Galerien? Das ist unsere Medienschau am Donnerstag

Kunstbetrieb

In der Fachzeitschrift "Nature" legen Xindi Wang, Alexander Gates, Magnus Resch und Albert-László Barabási eine Studie zur institutionellen Geschlechterungleichheit im zeitgenössischen Kunstbetrieb vor. Grundlage sind Ausstellungs- und Auktionsdaten von 65.768 Künstlerinnen und Künstlern aus über 20.000 Institutionen weltweit. Die Autoren berichten, 58 Prozent der Häuser seien "geschlechtsneutral", also proportional zur Künstlerpopulation, doch nur 24 Prozent erreichten tatsächlich Geschlechterparität. Je prestigeträchtiger eine Institution, so das Team, desto stärker falle die Überrepräsentation von Männern aus. Auf dem Auktionsmarkt verschärfe sich das Gefälle nochmals deutlich. Besonders betonen die Autoren, dass das sogenannte "Ko-Ausstellungsgeschlecht" – also das Umfeld, in dem eine Künstlerin ausstellt – stärker mit dem Zugang zum Auktionsmarkt korreliere als ihr eigenes Geschlecht.

Auf "Hyperallergic" berichtet Rhea Nayyar über eine Studie zur "Cancel Culture" im Kunstbetrieb; federführend war Rebecka Hahnel-Peeter. Die Autorinnen fanden, dass Vorwürfe sexueller Übergriffe stärkere Rufe nach Zensur und wirtschaftlicher Abwertung eines Kunstwerks auslösten als Mordvorwürfe – obwohl die Befragten Mord als moralisch schwerwiegender einstuften. Eine Ko-Autorin vermutete virtue signaling als Motiv: Man wolle "tugendhafter wirken" wirken, indem man die Präsentation des Werks verhindere. Zugleich sei die private Wertschätzung der Kunst kaum gesunken – ein Widerspruch zwischen öffentlichem und privatem Verhalten, den die Ko-Autorin mit dem Beispiel Michael Jackson illustrierte.

Kunstmarkt

Auf "Ocula" geht Phin Jennings der Frage nach, ob Künstlerinnen und Künstler überhaupt noch Galerien brauchen. Immer mehr Künstler würden den direkten Weg zum Publikum suchen – über soziale Medien, Werbung und eigene Verkaufsplattformen. Der Maler Mitchell Johnson, der heute selbst als sein eigener Händler agiert, sage, er habe bei Galerien oft "diese Mischung aus Aufregung und Enttäuschung" erlebt, weil Chancen nicht weiterverfolgt worden seien. Jennings berichtet, Künstler wie Werner Bronkhorst würden mit Millionen-Followern online erfolgreich, während andere wie Lubaina Himid weiterhin von Galerien als Türöffner zu Museen profitierten. Die Zukunft liege laut Jennings wohl in einem Nebeneinander: Galerien würden nicht verschwinden, könnten aber ihr Monopol über den Primärmarkt verlieren.

Im "Trierischer Volksfreund" erzählt Stefanie Glandien, wie das 180-Einwohner-Dorf Weidingen in der Eifel zum Kunstzentrum wurde. Galerist Max Hetzler berichtet, ein von seinem Freund, dem Architekten Oswald Mathias Ungers, gekauftes altes Bauernhaus habe den Anfang gemacht. Seit den späten 1980ern lebt Hetzler dort, hat ein Gästehaus, eine Bibliothek mit 3.000 Büchern des Künstlers Günther Förg sowie Skulpturen im Garten errichten lassen, darunter Werke von Hans Josephsohn und Albert Oehlen. Was ihn dort halte, erklärt Hetzler so: "Es ist die Ruhe. Es ist ungemein naturnah." Sein Engagement begründet er nüchtern: "Man macht das nicht für andere. Man macht das alles für sich." Für das kommende Jahr kündigt er zudem eine Skulptur des britischen Künstlers Darren Almond an.

Klimakrise

In der "Zeit" analysiert Johannes Schneider, warum Bilder von Waldbränden und anderen Klimafolgen Menschen kaum zum Handeln bewegen. Zwar zeigten Aufnahmen wie das viel verbreitete Motiv von Touristen am Strand vor einer Rauchwand "die Klimakrise bei der Arbeit", doch sie erzeugten selten einen konkreten Handlungsimpuls. Schneider argumentiert, die Klimakrise lasse sich nicht direkt fotografieren: Bilder hielten nur einzelne Folgen fest, deren Ursachen komplex seien. Zudem könnten Katastrophenbilder Abstumpfung und Distanz auslösen. Unter Berufung auf Susan Sontag schreibt Schneider, die Kamera mache Menschen zu "Touristen in den Realitäten anderer Leute". Die abgebildeten Beobachter würden so eher zur Projektionsfläche für die eigene Untätigkeit. Erfolgreicher seien dagegen Bilder, die einen Zeitgeist verdichteten und Identifikation ermöglichten – wie das Foto des fliehenden Napalm-Kinds aus Vietnam.

Hollywood-Star George Clooney und seine Frau Amal haben ihr Haus im südfranzösischen Brignoles wegen der dortigen Waldbrände verlassen. Das Paar habe die Evakuierung in einem Brief an den Bürgermeister der Stadt bestätigt, berichtete das US-Magazin "People" unter Berufung auf einen Sprecher des seit 2014 verheirateten Paares. "Wir haben derzeit keine Ahnung, ob unser schönes Zuhause diese schreckliche Zeit überstehen wird", zitierte auch das Magazin "Us Weekly" aus dem Schreiben, das ihm nach eigenen Angaben vorliegt. Amal und George versprechen, "dass wir – egal, was mit unserem Dorf geschieht – Teil dieser Gemeinschaft bleiben und dazu beitragen werden, sie wieder zusammenzuführen", heißt es darin. "Wir lieben Brignoles und unsere Freunde, die dort leben." Der Oscar-Preisträger (65, "Syriana", "Argo") und die Menschenrechtsanwältin (48) leben mit ihren neun Jahre alten Zwillingen Alexander und Ella einen Teil des Jahres in Südfrankreich. Die Region ist wie andere Teile Frankreichs, Spaniens, Italiens und Griechenlands von schweren Waldbränden betroffen.