Debatte
Thomas Mießgang kritisiert in der "Zeit" den Umgang mit Otto Muehl und dem Wiener Aktionismus. Anlass ist eine Ausstellung im Wiener Aktionismus Museum, gegen die ehemalige Mitglieder von Muehls Kommune protestierten. WAM-Direktor Klaus Albrecht Schröder betont, Muehls Verbrechen dürften "weder die Bedeutung seiner Kunst zum Verschwinden bringen noch die Verbrechen durch die Bedeutung seiner Kunst relativieren". Mießgang zeichnet die Entwicklung des Aktionismus von der antikonservativen Revolte zur autoritär geprägten Kommune nach und verweist auf Franz Schuhs Warnung vor "totalitären Heilsversprechungen". Muehls Werk grundsätzlich zu verbieten, führe jedoch nicht weiter. Vielmehr müsse man den Wiener Aktionismus in seiner Ambivalenz betrachten – als Befreiungsschlag, Grenzüberschreitung und im Fall Muehls als pädokriminelle Entgleisung. Für Monopol hat sich Jonathan Guggenberger die Ausstellung angeschaut und Elke Buhr den Umgang mit Mühl kommentiert.
Selbst die "New York Times" berichtet über den Streit um die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im sächsischen Heidenau. Der Stadtrat stimmte mit 13 zu 6 Stimmen aus der AfD und der CDU dafür, sieben neue Stolpersteine nicht zu verlegen. Stattdessen soll ein zentrales Mahnmal auf dem Friedhof entstehen. Befürworter des Verbots argumentierten, Passanten könnten auf die Gedenktafeln treten und damit die Opfer missachten. Kritiker sehen darin einen Versuch, individuelles Erinnern aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Der Künstler Gunter Demnig, Initiator der Stolpersteine, sagt: "Über sechs Millionen Opfer nachzudenken ist abstrakt, aber an eine ermordete Familie zu denken, ist konkret." Die Entscheidung sorgte bundesweit für Kritik, auch aus der CDU.
Kunstmarkt
In der "FAZ" spricht Laura Helena Wurth mit Judith Andreae und deren Tochter Katja Kamilla über den Generationenwechsel in der Bonner Galerie Andreae. Vor zwei Jahren stieg die Tochter als Direktorin ein, aus der Galerie Judith Andreae wurde Andreae. Es gehe zunächst um eine "Transformation, keine komplette Übergabe", sagt Katja Kamilla Andreae. Beide setzten auf eine Doppelspitze: Während die Mutter ihre Bonner Netzwerke pflege, kümmere sich die Tochter stärker um die internationale Platzierung. Das Programm habe sich verjüngt, zugleich wolle man nicht ausschließlich als Galerie für Nachwuchskünstler wahrgenommen werden. Weil das Geschäft zunehmend über Messen laufe, plane man zudem Kooperationen mit anderen Feldern. Judith Andreae betont, das Ziel sei klar: "dass sie übernimmt".
Kunstszene
Marlene Knobloch macht für "Die Zeit" einen Selbstversuch mit der "Marina Abramović Methode", einem Kartenset mit Anleitungen für einen Neustart. Statt klassischer Lebenshilfe verspricht es "Ausdauer, Konzentration und Willenskraft“. Knobloch probiert unter anderem aus, sich eine halbe Stunde lang selbst in die Augen zu schauen – und schläft dabei ein. Eine andere Übung führt sie frühmorgens im Schlafanzug auf die Wiese vor ihrem Münchner Haus: Sie soll den Boden mit den Füßen spüren und, "falls es das Gesetz erlaubt", nackt hinausgehen. Trotz ihrer anfänglichen Skepsis erlebt sie die Übung als überraschend eindrücklich: "Du wunderst dich, wie schnell sich doch die Sinne scharfstellen, wie intensiv man das Leben wahrnehmen kann." Am Ende geht sie mit kalten Füßen, aber geschärften Sinnen zurück ins Haus.
"Curbed" blickt in die New Yorker Wohnung der kanadischen Künstlerin Anna Weyant, die nun zum Verkauf steht. Die Malerin, die 2019 noch Zeichnungen für 400 Dollar verkaufte, habe ihre Classic Six (also ein Apartment aus Wohnzimmer, Esszimmer, zwei Schlafzimmern, Küche und Dienstmädchenzimmer) an der Fifth Avenue 2024 für 3,15 Millionen Dollar erworben und nun für 3,49 Millionen Dollar inseriert. Die Wohnung liegt gegenüber des Central Parks und verfügt über Holzböden, Vertäfelungen und einen Kamin. Weyants Karriere sei parallel rasant verlaufen: Ihre Werke wurden bereits für bis zu 1,6 Millionen Dollar versteigert. Bekannt wurde die Künstlerin auch durch ihre Beziehung zum Galeristen Larry Gagosian, der sie weiterhin vertritt.
Rhea Nayyar hat sich für "Hyperallergic" ein nur auf den ersten Blick abseitiges Thema ausgesucht, nämlich die steigenden Kosten für tierärztliche Versorgung und deren Folgen für Künstlerinnen und Künstler. Betroffene Kunstschaffende berichten von Rechnungen von bis zu 16.000 Dollar. Die Künstlerin Jess MacCormack etwa gibt jährlich 5000 bis 6000 Dollar für ihre beiden Katzen aus. Andere greifen auf Crowdfunding zurück. Die Künstlerin Mei Kanamoto sagte, selbst die grundlegendste Versorgung summiere sich schnell. Bei Notfällen könnten die Kosten auf 1000 bis 8000 Dollar oder mehr steigen.