Medienschau

"Zeichnen ist Wahrnehmung und Vereinnahmung von Welt"

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Aus fürs Münchner Auktionshaus Neumeister, Künstler protestieren mit goldener Toilette gegen Trump und "Alter Mann mit Goldkette" könnte tatsächlich von Rembrandt sein: Das ist unsere Medienschau am Dienstag

Kunstmarkt

Das Münchner Auktionshaus Neumeister stellt seinen Betrieb ein, berichtet Brita Sachs in der "FAZ". Geschäftsführerin Katrin Stoll nennt "private Gründe": Nach erfolglosen Sondierungen und weil ihre Kinder "andere berufliche Ziele" verfolgten, fehle eine Perspektive für die Fortführung. Zudem sei im Zuge der Auflösung der Eigentümergemeinschaft auch die Immobilie verkauft worden. Das 1958 von Rudolf Neumeister gegründete Haus gilt als bedeutend im Kunsthandel. Anerkennung fand Stoll besonders für ihre Provenienzforschung und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Vorgängers Weinmüller. Die Sommerauktion findet noch statt, zum 31. Oktober endet der Betrieb.

Kunstgeschichte

Dalya Alberge berichtet im "Guardian", dass ein Porträt in einer britischen Sammlung, lange als Werkstattkopie von Rembrandt abgetan, tatsächlich vom Meister selbst stammt. Die beiden Fassungen von "Alter Mann mit Goldkette" aus den 1630er-Jahren wurden erstmals seit fast vier Jahrhunderten im Art Institute of Chicago vereint. Der Rembrandt-Experte Gary Schwartz stellte fest: "Es ist nur die Frage, ob wir akzeptieren wollen, dass Rembrandt es gemacht hat. Ich finde das sehr spannend." Er argumentierte, die Qualität der Pinselarbeit und historische Praxis sprächen dafür, dass Rembrandt selbst die Replik geschaffen habe. Röntgen- und Infrarotuntersuchungen zeigten Unterschiede bei den Unterzeichnungen, die auf eine direkte Hand des Meisters hindeuten. Schwartz erklärte weiter, die frühere Einschätzung des Kunsthistorikers Wilhelm Bode, es handele sich um eine "clevere Reproduktion", sei unbegründet gewesen. Sir Francis Newmans Urgroßvater hatte das Gemälde 1898 als Rembrandt erworben; Newman selbst bezeichnete es als "ein ewiges Rätsel" und kündigte an, dass es bei Bestätigung als Rembrandt in ein Museum gehen werde.

Kunstbetrieb

In der Sendung "Kompressor" von Deutschlandfunk Kultur stellt Chefredakteurin Elke Buhr das Monopol-Aprilheft vor und damit zwei künstlerische Positionen, die wir in der Ausgabe vorstellen. Marina Abramović erklärt zu ihrer Berliner Ausstellung, es gehe um "die ursprüngliche Energie des Menschen" – Nacktheit habe "nichts mit Pornografie zu tun". Erotik verstehe sie als eine Form von Erkenntnis und sogar "Transzendenz"; sie habe das Thema erst spät für sich entdeckt. Elke Buhr zufolge wolle Abramović damit auch gegen die Reduktion von Körperlichkeit auf Pornografie arbeiten. Daneben porträtiert das Heft Lee Ufan, der Malerei als existenziellen Akt begreift: Ein Pinselstrich sei mit dem Atem verbunden – und damit mit dem Universum. Seine Werke zielten, so Buhr, auf das Unsichtbare, "auf das, was wir nicht sehen".

Im Gespräch mit Tim Wiese bei Deutschlandfunk Kultur beschreibt der Künstler Yadegar Asisi seine Panoramen als Erfahrungsräume: "Man muss wirklich drinnen gestanden haben." Zeichnen sei für ihn kein Talent, sondern "ein Handwerk", das jeder lernen könne. Asisi schildert zugleich eindrücklich seine iranische Familiengeschichte und die politische Lage: Die heutige Situation sei "so grausam", sie führe zu einer "gesellschaftlichen Depression". Er deutet die Revolution von 1979 als anfänglichen "Aufbruch der Menschen", der später in Repression umschlug. Kunst versteht er als Mittel der Welterfassung: Zeichnen sei "Wahrnehmung und Vereinnahmung von Welt" – und damit ein grundlegendes Instrument fürs Leben.

In Washington, D. C. protestiert das Künstlerkollektiv The Secret Handshake mit einer goldenen Toilette gegen US-Präsident Donald Trump, berichtet "Die Zeit" unter Berufung auf AFP. Die Installation heißt Ein Thron für einen König und steht nahe dem Lincoln Memorial; auf einer Plakette heißt es: "In einer Zeit beispielloser Spaltung… hat sich Präsident Trump auf das konzentriert, was wirklich zählt: die Neugestaltung des Lincoln-Badezimmers im Weißen Haus." Die Künstler wollten damit Trumps extravagante Bauvorhaben kritisieren und gleichzeitig eine "Art Atempause von der Dunkelheit" schaffen, wie ein Mitglied der Gruppe der "Washington Post" sagte. Passanten ließen sich auf der Toilette fotografieren. Die Aktion folgt auf eine frühere Installation der Gruppe, die Trump und Jeffrey Epstein tanzend darstellte. Kritiker werfen Trump vor, sich wie ein autoritärer Herrscher zu verhalten; die Künstler setzen auf ironische Symbolik, um auf Machtkritik und gesellschaftliche Spannungen aufmerksam zu machen.