Lebenswerk
Lauren Cornell hebt in "Art in America" die visionäre Bedeutung von Okwui Enwezor hervor, der als "einer der wichtigsten Architekten der heutigen Kunstwelt" gilt. Cornell betont, wie der verstorbene Direktor des Münchner Haus der Kunst "den westlichen Kanon dezentralisierte und die Kunst für vielfältige Perspektiven öffnete". Sie beschreibt ihn als Verfechter eines "kritischen Kosmopolitismus", der traditionelle Dichotomien wie "Erste/Dritte Welt" oder "Schwarz/Weiß" überwand. Besonders hervorgehoben wird Enwezors Konzept von Kunst als "diagnostischem Werkzeug", das komplexe globale Verflechtungen sichtbar macht. Cornell nennt seine Documenta 11 als Meilenstein, der "einen Bruch mit westlichen Narrativen" markierte. Gleichzeitig zeigt sie sich beeindruckt von seinem "offenen Vermächtnis", das weiterhin "viele postkoloniale Welten inspiriert". Sie bedauert, dass Enwezor bereits 2019 verstorben ist, doch sein Einfluss bleibe "ein fortwährendes Werk in der Entstehung".
Museen
Kate Middleton kuratiert für das V&A East in London eine Mini-Ausstellung: "Makers and Creators" zeigt kunsthandwerkliche Objekte aus verschiedenen Epochen und Kulturen, berichtet "Artnet News". Zu sehen seien etwa ein besticktes Feenkostüm von Oliver Messel, eine walisische Patchworkdecke aus dem 19. Jahrhundert, Werke von Beatrix Potter sowie eine Porzellanvase aus der Qing-Dynastie. Middleton betont: "Eine Sammlung von Objekten kann eine Erzählung schaffen – über unsere Vergangenheit und als Inspiration für die Zukunft." Die Schau würdige das kreative Erbe vergangener Generationen und dessen Einfluss auf heutige Gestaltung.
Am Mittwochabend ist ein 34-jähriger Mann im Whitney Museum in New York tödlich verunglückt. Laut einem Bericht von "ARTnews" sprang er kurz vor Ende der Öffnungszeiten von einem höher gelegenen Bereich auf die darunterliegende Plaza. Museumsdirektor Scott Rothkopf informierte die Belegschaft per E-Mail über das tragische Ereignis und kündigte an, das Museum am Donnerstag erst ab 12 Uhr zu öffnen, um dem Team Zeit zur Verarbeitung zu geben. Eine Untersuchung läuft, die Todesursache wird von Gerichtsmedizinern geklärt.
Musiktheater
Laut Markus Thiel im "Merkur" zählt Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" mit Marionetten von Georg Baselitz zu den eigenwilligsten Produktionen der Salzburger Festspiele. Der 87-jährige Künstler entwarf antirealistische, skelettartige Figuren, die laut Thiel "wie expressive Skelette" wirken. Auch Bühnenbild und Kostüme stammen von Baselitz, der mit dem Teufel, der kopfüber erscheint, eine "Stilduftmarke" setzt.
Venedig-Biennale
Travis Diehl kritisiert im "Spike"-Magazin die provokative Ausstellungsidee von Curtis Yarvin und Tarik Sadouma, die mit einer absichtlich beleidigenden, postironischen Performance die Biennale von Venedig "beschmutzen" wollen. Diehl sieht in der Aktion vor allem einen trollhaften Versuch, liberale und "globalistische Eliten" zu provozieren, der jedoch inhaltlich wenig Substanz habe und mehr als performativer Akt denn als ernstzunehmender Beitrag zur Kunstwelt verstanden werden müsse. Er betont, dass die Biennale heute dezentralisiert und digitalisiert sei und daher solche Skandale kaum noch die einstige Macht und Bedeutung besitzen. Gleichzeitig hinterfragt Diehl kritisch, für wen die Biennale eigentlich gemacht sei und plädiert dafür, statt alter Traditionen zu bewahren, auch "vulgäre" oder "ehrliche" Formen des US-Pavillons zuzulassen – etwa mit populärkulturellen oder technologischen Innovationen, die die Grenzen des Etablierten sprengen. Insgesamt sieht Diehl in solch radikalen Vorschlägen nicht nur Provokation, sondern auch einen notwendigen Impuls, damit Kunstinstitutionen sich weiterentwickeln – indem sie die Schnittstellen zu Massenkultur nicht ignorieren, sondern durchschreiten.
Kunsttherapie
Emily Watlington spricht für "Art in America" mit dem US-Künstler Max Maslansky, der sich aus Enttäuschung über die "Launen und Modezyklen" des Kunstbetriebs zum Therapeuten umschulen ließ. Maslansky beschreibt diese Entscheidung als befreiend – er habe nicht das Kunstmachen aufgegeben, sondern lediglich die Identifikation mit dem Kunstmarkt. Kunst sei für ihn heute vor allem eine Form von Selbstfürsorge, ähnlich wie Therapie. Beide Tätigkeiten verbindet er durch ihre dialogische Struktur: "Kunst ist eine heilende Dialektik mit dem Selbst, während Therapie eine heilende Dialektik mit einer anderen Person ist." Die psychoanalytische Therapie faszinierte ihn durch ihre Sprache und den Fokus auf frühkindliche Erfahrungen. Die Arbeit als Therapeut empfindet er als sinnstiftender, menschlich näher – und überraschend schnell erlernbar.
Ferien
In der "Financial Times" teilen Kreative ihre liebsten Urlaubsbilder. Modedesignerin Isabel Marant zeigt ein Foto eines nackten Paares auf Ibiza, das für sie pure Freiheit verkörpert. Der Künstler Erwin Wurm reinszeniert mit seiner Familie eine eigene Skulptur in der Wüste Ägyptens. Rick Owens und Michèle Lamy posieren vor antiken Tempeln in Abu Simbel – ein Symbol für Zeit, Geschichte und Liebe. Für die Künstlerin Felicity Aylieff ist ihr Studio in Jingdezhen, China, ein Ort kreativer Zuflucht