Medienschau

"Leidenschaft ist der Mechanismus der Ausbeutung"

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Kunstbetrieb im Burnout-Modus, Regisseur Emmerich kritisiert Trumps Abriss am Weißen Haus – und der Papst trifft Patti Smith im Vatikan: Das ist unsere Medienschau am Freitag

Kunstbetrieb

Im "Art Journal" beschreibt Harriet Lloyd-Smith anhand ihrer eigenen Burnout-Erfahrung ein strukturelles Problem des Kunstbetriebs: Statt einzelne Vorgesetzte verantwortlich zu machen, argumentiert sie, das System selbst fördere Selbstausbeutung. Der Medienwissenschaftler Mark Deuze erkläre, Leidenschaft sei "der Mechanismus der Ausbeutung": Viele Kulturschaffende seien dankbar, überhaupt in der Branche arbeiten zu dürfen, und nähmen deshalb schlechte Arbeitsbedingungen hin. Deuze warnt zudem: "Die Gefahr der Dankbarkeit besteht darin, dass sie einem die Rechte nimmt, die Beschäftigte erwarten sollten." Umfragen zeigten eine hohe Wechselbereitschaft wegen Überarbeitung und schlechter Bezahlung. Die Autorin resümiert, Burnout sei kein Betriebsunfall, sondern Ausdruck eines Systems, das auf permanenter Verfügbarkeit und Unsicherheit beruhe – und dessen Schweigen darüber nun langsam aufbreche.

Museen

Der Kunstraub in Frankreich nimmt kein Ende: In der "FAZ" ist Stefan Trinks geschockt über den Diebstahl des keltischen "Torques von Vix" aus einem Museum in Châtillon-sur-Seine – nach den Raubzügen im Louvre und im Musée Lalique der dritte spektakuläre Fall in kurzer Zeit. Der Autor warnt, der 2500 Jahre alte Goldhalsreif könnte wegen seines Materialwerts eingeschmolzen werden. Frankreich reagiere nun mit einem Aktionsplan und wolle "besonders sensible Exponate vorübergehend" aus Ausstellungen entfernen. Trinks sieht darin jedoch ein "Eingeständnis eines Totalversagens" beim Schutz der Kulturschätze. Die Idee, Museen durch leere Säle zu sichern, widerspreche dem Prinzip des Universalmuseums: "Soll als nächstes die Mona Lisa abgehängt werden?" fragt er und kritisiert, dass Sicherheit nicht auf Kosten der öffentlichen Zugänglichkeit gehen dürfe.

In der "New York Times" berichtet Robin Pogrebin über den wachsenden politischen Druck auf die Smithsonian-Museen in den USA. Auslöser ist die Anhörung von Anthea M. Hartig, Direktorin des National Museum of American History, der konservative Abgeordnete vorwarfen, das Museum zu einem Instrument "progressiver politischer Aktivismus" gemacht zu haben. Pogrebin erinnert daran, dass auch die frühere Direktorin der National Portrait Gallery, Kim Sajet, nach Angriffen von Donald Trump zurücktrat. Sajet sagte, sie habe früh erkannt, dass daraus eine "echte Hexenjagd" werden könne. Die ehemalige Museumschefin kritisierte, Politiker verlangten von Historikern einfache Antworten: "Sie wollen den Soundbite, sie wollen die Punktzahl." Geschichte aber brauche Kontext und Nuancen. Die Debatte werfe die grundsätzliche Frage auf, ob Regierungen bestimmen sollten, wie Vergangenheit erzählt wird.

Architektur

Roland Emmerich kritisiert Trumps Abriss am Weißen Haus: "Bei den Bildern musste ich beinahe weinen", sagte der Hollywood-Regisseur der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der 70-Jährige, der in seinen Filmen selbst dreimal das Weiße Haus zerstörte, nannte den Abriss zugunsten eines geplanten Ballsaals einen schweren Verlust: "Im Grunde ist gerade das die wahre Katastrophe. Es war ja eine Katastrophe – eine politische." Auch die Größe des Bauvorhabens kritisierte er: "Und zu allem Überfluss ist der Ballsaal dann auch noch viel zu groß. Warum muss dieses Ding so groß sein? Wie heißt das deutsche Wort noch mal? Gigantomanisch." Hinter dem Umbau vermutet Emmerich weniger ein politisches Signal als eine private Entscheidung. "Melania hätte Nein sagen müssen. Der Ostflügel war das Reich der First Lady. Da hatten sie und ihr Stab alle ihre Büros. Wo sind die jetzt? Im Ostflügel war sogar der kleine Kinosaal des Weißen Hauses." Auf die Frage, ob der Abriss eine Geste innerhalb der Ehe des Präsidentenpaars gewesen sei, antwortete Emmerich: "Wahrscheinlich war das eine absolut persönliche Angelegenheit. Und sie hat dazu wahrscheinlich nur gesagt: "Was soll's. Mir ist es egal." Gefragt nach seiner liebsten Zerstörungsszene nannte Emmerich nicht seinen Klassiker "Independence Day" von 1996, sondern den Katastrophenfilm "2012" aus dem Jahr 2009, "weil sie am komplexesten ist. In 'Independence Day' ist es, ehrlich gesagt, ja so: Die Aliens kommen, brennen alles nieder und verschwinden wieder. Der Tsunami in '2012' war eine viel raffiniertere Szene." In dem Film wird das Weiße Haus von einer gewaltigen Flut überspült und von einem Flugzeugträger zermalmt.

Die besondere Begegnung

Zwei Chicagoer unter sich: Der erste US-Papst traf Patti Smith im Vatikan. Die Musikerin, die auch als Dichterin, Fotografin sowie bildende Künstlerin arbeitet, hatte zuletzt eine besondere Verbindung zum Vatikan durch ein Kunstprojekt. Zum ersten Jahrestag der Wahl von Robert Francis Prevost zum Papst eröffnete sie im Mai den Pavillon des Heiligen Stuhls bei der Kunstbiennale in Venedig. Gemeinsam mit dem Soundwalk Collective präsentiert sie dort eine Klangperformance, die als eine Art musikalisches Gebet angelegt ist (hier Kurator Hans Ulrich Obrist im Monopol-Podcast über das Projekt). Der Heilige Stuhl teilte ein Video von dem Treffen im Apostolischen Palast: