Kunstmarkt
Die Art Basel Qatar eröffnet in dieser Woche. Wael Shawky, künstlerischer Direktor, betont gegenüber Gesine Borcherdt in der "Welt": "Wir haben exakt dieselben strengen Standards wie bei allen Art-Basel-Messen angewendet." Unter dem kuratorischen Motto "Becoming" spiegelt die Messe den Wandel der Golfregion wider: "Menschen, Glaubenssysteme, gesellschaftliche Ordnungen und Wissen verändern sich gerade enorm." Über die ausgestellten Künstler sagt Shawky: "Die Qualität der Werke ist auf einer Linie mit dem Anspruch der Art Basel an Stringenz, Klarheit und Tiefe." In der "Financial Times" berichtet Melanie Gerlis vorab. Der Galerist Niru Ratnam erklärt, ihn zögen "die Teile der Kunstwelt an, die sich noch formen", und vergleicht die Dynamik der Golfregion mit London in den frühen 2000er-Jahren. Zugleich äußerten Galeristen privat Bedenken wegen Zensur, der Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und der Menschenrechtslage. Art-Basel-CEO Noah Horowitz bezeichnet die Messe als "kuratierte Momentaufnahme". Ebenfalls in der "Financial Times" ordnet Jan Dalley den Start der Messe als kulturpolitischen Wendepunkt ein. Die Messe trete bewusst kleiner auf als andere Ableger. Verantwortlich ist Sheikha al-Mayassa al-Thani, die erkläre, man habe Kunstmessen schon früher angeboten bekommen, sei dafür aber "nicht bereit" gewesen. Ziel sei nun, "schrittweise Wissen über Kunst als Wertanlage aufzubauen". Dalley beschreibt Katar als Sonderfall im Golf: Während Nachbarstaaten früh auf Kommerz setzten, habe das Emirat lange auf öffentliche Museen und Bildung fokussiert. Al-Mayassa betone, Kultur fördere Dialog und Toleranz: "Kultur schafft Empathie". Kritische Fragen zu Menschenrechten blendet der Text nicht aus, zeigt aber, wie konsequent Katar kulturelle Soft Power einsetzt.
Die NFT-Plattform Nifty Gateway wird am 23. Februar 2026 geschlossen, wie Valentina Di Liscia auf "Hyperallergic" berichtet. Die von Duncan Cock Foster und seinem Bruder Griffin gegründete Plattform, 2019 von den Winklevoss-Zwillingen übernommen, sei "berüchtigt für zahlreiche Probleme" gewesen, darunter Hackerangriffe und Zahlungsausfälle. Noch 2021 habe Nifty Gateway ein Handelsvolumen von 300 Millionen Dollar erzielt, doch nach dem Platzen der NFT-Blase verloren die meisten Token rapide an Wert: Bereits 2023 seien "95 Prozent der NFTs praktisch wertlos" gewesen. Der Eigentümer Gemini erklärte, die Schließung ermögliche es, "den Fokus zu schärfen und die Vision einer All-in-One-Super-App umzusetzen". Künstler und Sammler leiden unter dem Rückzug, der laut einer Nutzerin zeige: "Keine ernstzunehmende Branche."
Was mit Kunst geschieht, wenn ein Künstler stirbt, beleuchtet Rüdiger Heinze in der "Augsburger Allgemeinen". Der Maler Harry Meyer betont, jeder Künstler glaube daran, Kulturgut zu schaffen, doch ob ein Werk diesen Status behalte, entscheide allein die Zeit. Werde ein Gesamtwerk nicht bewahrt, sei eine spätere Bewertung unmöglich: "Das ist dann vorbei." Meyer plädiert dafür, Nachlässe aktiv zu regeln, Verkäufe zu erlauben und Pflege sowie Erhalt finanziell abzusichern. Wie dies gelingen kann, zeigt der Erbe Simon Kaminski, der den umfangreichen Nachlass seines Vaters Max Kaminski professionell verwaltet, ausstellt und verkauft. Institutionen wie der Verein Bayerische Künstlernachlässe warnen zugleich vor begrenzten Ressourcen und verweisen darauf, dass Nachlässe neben Kunstwerken auch Dokumente und Archive umfassen.
Aus Protest gegen die hohe Mehrwertsteuer auf Kunstverkäufe wollen Anfang Februar mehr als 200 zeitgenössische Galerien in Spanien zeitweise schließen. Wie Philippa Kelly auf "Ocula" berichtet, fordert der Zusammenschluss spanischer Gegenwartsgalerien eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes von derzeit 21 Prozent auf ein europäisches Vergleichsniveau. In einer Stellungnahme erklärt der Verband, man sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, da die Situation "ernsthaft die Existenzgrundlage von Künstlern und Galerien bedroht". Die Untätigkeit der Regierung untergrabe die Wettbewerbsfähigkeit spanischer Galerien und mache ihre Arbeit "nahezu unmöglich". Die Vorsitzende Idoia Fernández sagt, mit so unterschiedlichen Steuersätzen sei es "unmöglich zu konkurrieren". Das Kulturministerium zeigt Verständnis und bezeichnet die Forderung als gerechtfertigt, verweist die Zuständigkeit jedoch an das Finanzministerium. Galerien warnen, ohne Reform drohe dem Sektor eine "sehr, sehr düstere Zukunft".
Der US-Kunstmarkt gerät durch neue Einreisepläne der Trump-Regierung unter Druck. Wie Rob Fields auf "Hyperallergic" ausführt, erwäge die US-Regierung, von Besuchern aus 42 visafreien Staaten weitreichende persönliche Daten zu verlangen, darunter jahrelange Social-Media-Historien und biometrische Informationen. Der Jurist Jeramie D. Scott vom Electronic Privacy Information Center erkläre, das Heimatschutzministerium habe nie belegen können, dass Social-Media-Überprüfungen zur Sicherheitsprüfung taugen; vielmehr seien sie "gut darin, Rechte auf Meinungsfreiheit, Zusammenschluss und Privatsphäre zu bedrohen". Fields warnt, dass der Kunstmarkt auf Mobilität angewiesen sei und bei neuen Hürden ausweiche. Als Beispiel nennt er Brexit-Folgen, durch die London an Bedeutung verlor. Sollten internationale Akteure die USA meiden, drohe eine nachhaltige Schwächung von Messen, Museen und Sammlungen.
Nachruf
In der "New York Times" würdigt Will Heinrich Dieter Roths Sohn Björn Roth als Hüter einer radikalen Familienkunstpraxis, die er nach dem Tod seines Vaters fortführte und an seine eigenen Söhne weitergab. Im Zentrum stand für die Roths der Verfall als künstlerisches Prinzip, eine Arbeit am Lauf der Zeit, die Heinrich als Suche nach Ausdauer und Transformation beschreibt. Björn Roth habe diese Praxis institutionell verankert und dabei bewusst die Autorschaft verwischt. Er selbst erklärte rückblickend, es sei "schwierig zu sagen, wo die Grenze war" zwischen ihm und seinem Vater; am Ende seien sie "wie eins in dem, was wir taten" gewesen. Dieter Roths Atelier habe er als "eine Art Labor" beschrieben, in dem man versuche, "Schönheit im Nichts zu finden". Heinrich schildert Roth zugleich als bescheidenen Vermittler, der nicht vorgab, das Genie seines Vaters zu sein, sondern das gemeinsame Werk konsequent weiterlebte.
Kunstfreiheit
Im Iran ist ein Co-Autor des oscarnominierten Politthrillers "Ein einfacher Unfall" festgenommen worden. Wie das iranische Onlineportal Emtedad berichtete, habe Mehdi Mahmoudian nach seiner Inhaftierung inzwischen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen können. Die Vorwürfe gegen ihn seien bislang unbekannt, hieß es unter Berufung auf seinen Anwalt. Als möglicher Grund für die Festnahme gilt ein Schreiben, das Mahmoudian gemeinsam mit weiteren Persönlichkeiten unterzeichnet hatte und in dem die blutigen Repressionen im Iran Anfang Januar verurteilt wurden. Eine dramatische Wirtschaftskrise und sehr hohe Inflation hatten Ende Dezember Proteste im Iran ausgelöst. In den Metropolen kam es am 8. und 9. Januar dann zu Massenprotesten, die brutal niedergeschlagen wurden. Dabei sollen Tausende Menschen getötet worden sein. Auch der iranische Regisseur des Film "Ein einfacher Unfall", Jafar Panahi (65), hatte zum Auftakt des Europäischen Filmpreises Mitte Januar in Berlin mit einem dramatischen Appell an die Lage in seinem Heimatland erinnert. "Wenn Gewalt unbeantwortet bleibt, wird sie normalisiert", sagte Panahi unter anderem. Und wenn sie normalisiert werde, breite sie sich aus und werde ansteckend. Panahi gewann mit seinem jüngsten Film "Ein einfacher Unfall" die Goldene Palme in Cannes und geht damit bei den Oscars in der Sparte für den Besten Internationalen Film für Frankreich ins Rennen. Er setzt sich darin mit Erlebnissen im Gefängnis und der Gewalt des iranischen Regimes auseinander. Während der Regisseur im Ausland weilte, verhängte ein Revolutionsgericht in Teheran in Abwesenheit gegen ihn eine Haftstrafe.
Nach Kritik und Spott über ihn und die Politik seiner Regierung hat US-Präsident Donald Trump die Grammy-Gala und Moderator Trevor Noah beschimpft. Die Musikpreis-Verleihung sei "Müll" und "praktisch nicht anschaubar", schrieb Trump bei seinem Online-Sprachrohr Truth Social. Den südafrikanischen Comedian Trevor Noah, der die Gala zum sechsten und letzten Mal moderiert hatte, bezeichnete Trump als "totalen Verlierer", der kein Talent habe. Zudem drohte er ihm mit einer Klage. Noah hatte bei der Gala gespottet, dass Trump Grönland haben wolle, weil die Privatinsel von Jeffrey Epstein nicht mehr verfügbar sei. "Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen." Er sei aber nie auf der Privatinsel von Epstein gewesen, schrieb Trump. Deswegen werde er Noah nun verklagen. "Mach dich bereit, Noah, ich werde mit dir einiges an Spaß haben." Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach mit der Annexion der Arktis-Insel Grönland gedroht, die zum dänischen Königreich gehört. Der Multimillionär Jeffrey Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. 2019 starb Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können. Der Finanzier hatte eine Insel in der Karibik - und beste Kontakte in die High Society, unter anderem zum früheren US-Präsident Clinton und zu Trump. Die Grammys, die zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt gehören, wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen. Für Monopol schreibt Daniel Völzke über die Auszeichnung für Bad Bunny fürs beste Album.