München (dpa) - 65,1 Millionen US-Dollar für «Le Printemps» von Manet, 101 Millionen für Giacomettis «Chariot», 58 Millionen für die Skulptur «Balloon Dog» von Jeff Koons. Wer ein Kunstwerk zur rechten Zeit verkauft, kann für Normalbürger unvorstellbare Reichtümer verdienen. 2013 erzielte ein Triptychon von Francis Bacon gar 142,4 Millionen Dollar - ein Weltrekord. Schön für die Eigentümer, aber schwierig für die Museen. Die Preisjagd macht Ausstellungen mit hochkarätigen Künstlern für viele Häuser nahezu unerschwinglich, sagt der Kunstversicherungsexperte der Allianz Versicherungs-AG, Georg von Gumppenberg, im Interview der Nachrichtenagentur dpa anlässlich der Internationalen Kunstmesse Highlights in München.
Die Preise für Kunstwerke steigen seit Jahren. Hält diese Entwicklung an oder ist da ein Ende in Sicht?
Es gibt keine einheitliche Linie. Vor 10, 15 Jahren waren Biedermeiermöbel und Teppiche sehr teuer. Die sind eher im Preis gefallen. Bei zeitgenössischer Kunst etwa von Gerhard Richter oder Sigmar Polke ist das anders. Eine Polke-Ausstellung im MoMA in New York bedeutet, die Preise gehen durch die Decke. Die Amerikaner nehmen jetzt erst wahr, was Polke für ein toller Künstler war.
Für Museen bedeuten die Preissteigerungen, dass sie sehr viel höhere Beiträge für die Versicherung bezahlen müssen, da sich diese nach dem Wert der Kunstwerke bemessen. Wie viele Museen weltweit können sich hochkarätige Ausstellungen überhaupt noch leisten?
Es werden immer weniger. Respektive die Museumsdirektoren müssen immer findiger werden, wie sie Drittmittel einwerben können. Sie werden so zurückhaltend alimentiert vom Staat, dass sie sagen: große Ankäufe sind nicht mehr möglich. Und große Ausstellungen gehen nur noch, wenn man Sponsoren findet. Was man früher für eine Million versichert hat, muss ich heute für zwei, drei oder gar fünf Millionen versichern. Und dafür muss ich zum Beispiel zwei Promille als Prämie bezahlen.
Wie hoch ist die Versicherungssumme einer Polke-Ausstellung?
Antwort: Was in New York gezeigt wurde, würde ich vom Wert der Kunstwerke her auf eine halbe Milliarde Euro schätzen. Mit dieser Größenordnung muss man heute bei großen Ausstellungen rechnen. Die Versicherungssumme liegt dann bei bis zu einer Million Euro.
Welche Museen können das bezahlen?
Die großen amerikanischen Museen auf jeden Fall, hinter denen stecken meistens Stiftungen. Große deutsche Museen sind schon auch in der Lage, hierfür Gelder einzuwerben. Aber eine Pinakothek in München hat natürlich andere Möglichkeiten, als das Kreismuseum in Straubing. Aber die Versicherung ist nicht alles. Es wird mehr darauf geachtet: Wie gut sind die Sicherheitsanlagen in den Museen, wie ist das Wachpersonal, wie sind die Brandschutzmaßnahmen? Das sind alles Punkte, die die Kosten für Ausstellungen nach oben treiben. Und dann ist da noch der Transport. Je wertvoller ein Objekt ist, desto aufwendiger muss es verpackt werden.
Was halten Sie davon, dass die Preise für Kunst immer weiter steigen?
Man kann das nicht bedauern oder befürworten. Wir haben überhaupt keinen Einfluss darauf. Wenn viele bereit sind, mehr zu zahlen, dann ist das der Markt. Ich glaube allerdings nicht, dass wir schon in einer wirklichen Blase stecken oder dass die Blase kurz vor dem Platzen ist. Es gibt im Moment sehr viel Geld auf der Welt. Es gibt immer mehr Menschen, die sich für Kunst interessieren. Das befürworte ich natürlich.
Wo liegt im Moment das große Geld im Kunsthandel?
In China, Indien, Südamerika, nach wie vor auch in Russland und in Arabien. Aber es gibt auch in den USA, England und zum Teil in Deutschland Leute, die in kurzer Zeit relativ viel Geld verdient haben. Für die gehört es zum Lebensstil, sich mit Kunst zu umgeben, nicht nur mit goldenen Wasserhähnen im Bad, die kaum jemand sieht. Wenn sie Gäste haben, können sie sich darüber unterhalten: Wo hast Du das gefunden, wie bist du da dran gekommen? Das ist eine andere Form, sein Geld zu zeigen, als mit dicken Goldringen. Das ist schon sehr viel mehr «sophisticated».
Wie werden sich die Preise auf dem Kunstmarkt Ihrer Ansicht nach in Zukunft entwickeln?
Die Ware ist relativ knapp und es gibt immer mehr Sammler. Ich denke, dass die Preise tendenziell noch anziehen werden. Aber das gilt vor allem für Dinge, die eine gewisse Bedeutung haben. Alles, was im Mittelbau ist, die normale Barockkommode, das normale 19. Jahrhundert, der normale Künstler, den man schnell wieder vergisst - das wird sich kaum bewegen. Aber besondere Objekte werden nach wie vor eine große Nachfrage haben und die Preise dafür werden eher steigen.
Wenn Sie so eine hochkarätige Ausstellung versichert haben, können Sie dann nachts noch gut schlafen?
Das kann ich schon. Wir sind in Gesprächen mit den Museen und wissen, dass sie professionell arbeiten. Und wenn die Bilder erst an der Wand hängen, dann ist eigentlich die größte Gefahr gebannt. Die größte Gefahr besteht immer beim Auf- und Abbau. Da geht es hektisch zu. Dann sind einzelne Dinge schon ausgepackt, aber noch nicht am endgültigen Ort. Da schwitzt man eigentlich am meisten. Wenn die Ausstellung steht, sind alle ganz beruhigt.
ZUR PERSON: Georg von Gumppenberg ist bei der Allianz Versicherungs AG (München) für die Kunstversicherung in Deutschland verantwortlich. Der 60-Jährige hat Kunstgeschichte studiert und 1984 promoviert. 1985 wurde er Allianz-Kunstsachverständiger in Nordrhein-Westfalen, seit 2000 ist er in der Hauptverwaltung in München tätig.
Die Preise für Kunstwerke steigen seit Jahren. Hält diese Entwicklung an oder ist da ein Ende in Sicht?
Es gibt keine einheitliche Linie. Vor 10, 15 Jahren waren Biedermeiermöbel und Teppiche sehr teuer. Die sind eher im Preis gefallen. Bei zeitgenössischer Kunst etwa von Gerhard Richter oder Sigmar Polke ist das anders. Eine Polke-Ausstellung im MoMA in New York bedeutet, die Preise gehen durch die Decke. Die Amerikaner nehmen jetzt erst wahr, was Polke für ein toller Künstler war.
Für Museen bedeuten die Preissteigerungen, dass sie sehr viel höhere Beiträge für die Versicherung bezahlen müssen, da sich diese nach dem Wert der Kunstwerke bemessen. Wie viele Museen weltweit können sich hochkarätige Ausstellungen überhaupt noch leisten?
Es werden immer weniger. Respektive die Museumsdirektoren müssen immer findiger werden, wie sie Drittmittel einwerben können. Sie werden so zurückhaltend alimentiert vom Staat, dass sie sagen: große Ankäufe sind nicht mehr möglich. Und große Ausstellungen gehen nur noch, wenn man Sponsoren findet. Was man früher für eine Million versichert hat, muss ich heute für zwei, drei oder gar fünf Millionen versichern. Und dafür muss ich zum Beispiel zwei Promille als Prämie bezahlen.
Wie hoch ist die Versicherungssumme einer Polke-Ausstellung?
Antwort: Was in New York gezeigt wurde, würde ich vom Wert der Kunstwerke her auf eine halbe Milliarde Euro schätzen. Mit dieser Größenordnung muss man heute bei großen Ausstellungen rechnen. Die Versicherungssumme liegt dann bei bis zu einer Million Euro.
Welche Museen können das bezahlen?
Die großen amerikanischen Museen auf jeden Fall, hinter denen stecken meistens Stiftungen. Große deutsche Museen sind schon auch in der Lage, hierfür Gelder einzuwerben. Aber eine Pinakothek in München hat natürlich andere Möglichkeiten, als das Kreismuseum in Straubing. Aber die Versicherung ist nicht alles. Es wird mehr darauf geachtet: Wie gut sind die Sicherheitsanlagen in den Museen, wie ist das Wachpersonal, wie sind die Brandschutzmaßnahmen? Das sind alles Punkte, die die Kosten für Ausstellungen nach oben treiben. Und dann ist da noch der Transport. Je wertvoller ein Objekt ist, desto aufwendiger muss es verpackt werden.
Was halten Sie davon, dass die Preise für Kunst immer weiter steigen?
Man kann das nicht bedauern oder befürworten. Wir haben überhaupt keinen Einfluss darauf. Wenn viele bereit sind, mehr zu zahlen, dann ist das der Markt. Ich glaube allerdings nicht, dass wir schon in einer wirklichen Blase stecken oder dass die Blase kurz vor dem Platzen ist. Es gibt im Moment sehr viel Geld auf der Welt. Es gibt immer mehr Menschen, die sich für Kunst interessieren. Das befürworte ich natürlich.
Wo liegt im Moment das große Geld im Kunsthandel?
In China, Indien, Südamerika, nach wie vor auch in Russland und in Arabien. Aber es gibt auch in den USA, England und zum Teil in Deutschland Leute, die in kurzer Zeit relativ viel Geld verdient haben. Für die gehört es zum Lebensstil, sich mit Kunst zu umgeben, nicht nur mit goldenen Wasserhähnen im Bad, die kaum jemand sieht. Wenn sie Gäste haben, können sie sich darüber unterhalten: Wo hast Du das gefunden, wie bist du da dran gekommen? Das ist eine andere Form, sein Geld zu zeigen, als mit dicken Goldringen. Das ist schon sehr viel mehr «sophisticated».
Wie werden sich die Preise auf dem Kunstmarkt Ihrer Ansicht nach in Zukunft entwickeln?
Die Ware ist relativ knapp und es gibt immer mehr Sammler. Ich denke, dass die Preise tendenziell noch anziehen werden. Aber das gilt vor allem für Dinge, die eine gewisse Bedeutung haben. Alles, was im Mittelbau ist, die normale Barockkommode, das normale 19. Jahrhundert, der normale Künstler, den man schnell wieder vergisst - das wird sich kaum bewegen. Aber besondere Objekte werden nach wie vor eine große Nachfrage haben und die Preise dafür werden eher steigen.
Wenn Sie so eine hochkarätige Ausstellung versichert haben, können Sie dann nachts noch gut schlafen?
Das kann ich schon. Wir sind in Gesprächen mit den Museen und wissen, dass sie professionell arbeiten. Und wenn die Bilder erst an der Wand hängen, dann ist eigentlich die größte Gefahr gebannt. Die größte Gefahr besteht immer beim Auf- und Abbau. Da geht es hektisch zu. Dann sind einzelne Dinge schon ausgepackt, aber noch nicht am endgültigen Ort. Da schwitzt man eigentlich am meisten. Wenn die Ausstellung steht, sind alle ganz beruhigt.
ZUR PERSON: Georg von Gumppenberg ist bei der Allianz Versicherungs AG (München) für die Kunstversicherung in Deutschland verantwortlich. Der 60-Jährige hat Kunstgeschichte studiert und 1984 promoviert. 1985 wurde er Allianz-Kunstsachverständiger in Nordrhein-Westfalen, seit 2000 ist er in der Hauptverwaltung in München tätig.