Stellen Sie sich vor, dass Ihre Kredit- oder Debit-Karte nicht in allen Geschäften akzeptiert wird. Sie dürfen pro Monat nur einen festgelegten Höchstbetrag ausgeben, der niedriger als die Grundsicherung ausfällt. Sie dürfen kein Geld überweisen. Online einkaufen geht auch nicht. Die Einrichtung eines Lastschriftverfahrens ist ausgeschlossen, denn die Funktionen Ihres Kontos sind limitiert. Generell können Sie nicht auf dem Wochenmarkt einkaufen, beim Asien- oder Orientmarkt um die Ecke auch nicht. Nur ein paar Discounter und Supermärkte akzeptieren Ihre Karte. Geld abheben geht zwar, aber maximal 50 Euro pro Monat.
Genau so müssen immer mehr Geflüchtete in Deutschland leben. Die Ampel-Koalition, angeblich Deutschlands progressivste Regierung ever, hat im vergangenen Jahr noch in der letzten Kurve, kurz vor der Karambolage, die Rechtsgrundlage für die Bezahlkarte für Geflüchtete geliefert. Seit der vergangenen Wahl ist die Union dazugestoßen, die eine solche Gängelung von Schutzsuchenden ebenfalls geil findet. Ich will an dieser Stelle Klartext liefern: Viele Politikerinnen und Politiker und ihre Wählerinnen und Wähler in diesem Land sind miese, kleine, verbitterte, hasserfüllte Wichser, die nichts gönnen können und ihr eigenes Glück im Unglück anderer suchen.
Was bei der Bezahlkarte für Geflüchtete im Vordergrund steht, ist die schiere deutsche Unmenschlichkeit, die deutsche Leitkultur, Menschen zu demütigen, kleinzuhalten, rassistisch zu markieren, ihre Menschenwürde mit Füßen zu treten. Die Karte gängelt Geflüchtete, sie entmündigt sie, stigmatisiert sie, wenn sie an der Kasse damit bezahlen, und liefert dem Staat nebenbei Daten zu einer möglichen lückenlosen Überwachung von Asylsuchenden. Wo ist die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, wenn man sie mal braucht?
Ein dysfunktionales Land
Wenn man den Geflüchteten diese eingeschränkten Karten ausgibt, so die Argumentation weiter Teile der ehrenlosen deutschen Politik, würden sie kein Geld mehr an ihre Verwandten im Ausland, in Kriegsgebieten mit Hungersnöten schicken. Oft wird – ohne jegliche wissenschaftliche oder sonstige realitätsbezogene Grundlage – behauptet, dass Geflüchtete Schleppern das Geld weitergeben würden. Als ob Geflüchtete die paar Gulden, die sie in die Hand gedrückt bekommen, noch irgendwie groß verteilen könnten.
Anstatt die Menschenwürde zu respektieren und Schutzsuchenden finanzielle Freiheit und eine Arbeitserlaubnis einzuräumen, wird ihnen die Lebensgrundlage in diesem Land Stück für Stück entzogen. Zuletzt mit der Aussetzung des Familiennachzugs für Kriegsflüchtlinge. Für diese unmenschliche, familienfeindliche Maßnahme haben auch einige Kanacken in der SPD gestimmt und danach öffentlich geheult, dass es ihnen ja so schwergefallen sei, wie damals, als sie alle für die Einführung der Bezahlkarte im Bundestag die Hand gehoben haben. Im Arabischen sagt man: Mögen sie ihre Tränen mit Dornen abwischen.
Weil Deutschland eine failed Gesellschaft ist und nichts gescheit kann, gibt es aber auch gute Nachrichten: In einigen Landkreisen von Brandenburg haben technische Probleme dafür gesorgt, dass die Einführung der finanziellen Bevormundung von Schutzsuchenden sich um Monate verspätet. Das dysfunktionale Deutschland hat auch seine nicen Seiten. Noch besser als Digitalisierung im Fax-Tempo ist gesellschaftliches Engagement mit einem klaren Bekenntnis zur Menschenwürde.
Tauschbörsen als Korrektiv
Zum Glück gibt es in diesem Land nämlich viele Engagierte, die diese Ungerechtigkeit nicht einfach so akzeptieren. Ich bin in den vergangenen Monaten in ganz Deutschland unterwegs gewesen, und überall begegneten mir Initiativen, die für die betroffenen Geflüchtete Bargeld organisieren, damit sie auch mal eine Kugel Eis für ihre Kinder kaufen können oder frisches, gesundes und günstigeres Gemüse oder Gewürze auf dem lokalen Markt.
Almans (und zu gut integrierte SPD-Kanacken), die nur ungewürzte Klöße mit Pulversoße kennen, wissen nicht, wie wichtig es ist, abseits vom standardisierten Lebensmitteleinzelhandel einkaufen zu gehen. Deswegen sind die Tauschbörsen wichtig, wenn auch eine zügige Abschaffung der Bezahlkarten besser wäre.
So funktioniert der Tauschprozess: Menschen mit Bezahlkarte kaufen Gutscheine für Drogerien oder Supermärkte, solidarische Bürgerinnen und Bürger kaufen sie ihnen auf organisierten Tauschbörsen eins zu eins ab. Mit den Gutscheinen kann man in den entsprechenden Geschäften normal einkaufen gehen, die Schutzsuchenden erhalten Bargeld, um auf dem Flohmarkt oder auch über Kleinanzeigen im Netz etwas zu erwerben - oder, verdammt noch mal, mit dem ihnen zustehenden Geld zu machen, was sie wollen.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Aber auch hier enttäuschen die regelvernarrten, selbstzentrierten und qua Leitkultur frustrierten Almans (SPD-Kanacken stets mitgemeint) nicht. In vielen Gemeinden werden die Tauschbörsen schikaniert, Kommunen und Städte vertreiben sie von öffentlichen Orten und drohen ihnen Konsequenzen an.
Auch hier gibt es aber positive Ausnahmen, wo es eben läuft: die Städte Potsdam, Lübeck, Flensburg, Braunschweig, Hannover, Freiburg, Dortmund, Aachen, Münster, Krefeld, Bonn oder das beschauliche Beckum in Nordrhein-Westfalen haben die Einführung der Bezahlkarte für Geflüchtete zum Beispiel abgelehnt.
Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat den Aufstand gegen das Land Hessen gewagt - und vorerst verloren. Ich habe gehört, dass der neue Oberbürgermeister von Würzburg, Martin Heilig, im Wahlkampf versprochen habe, dass er die für bayerische Kommunen verpflichtende Einführung der Bezahlkarte im Rahmen seiner Möglichkeiten bekämpfen werde. Auch an politisch beschissenen Orten wie Hessen oder Bayern gibt es noch ein bisschen Menschlichkeit.
Comfort Food statt Autokratie
Ich habe mir diesmal ein Rezept ausgesucht, für das man alle Zutaten in einem schnöden Discounter oder Supermarkt bekommen kann. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass die politischen Nachfolger der deutschen Autokratien irgendwann auf die Idee kommen, für alle eine beschränkte Bezahlkarte einzuführen. Wir schreiben das Jahr 2025, alles ist möglich. Ich stehe dann hinter den Almans (insbesondere SPD-Kanacken) in der Schlange an der Kasse und lache sie aus. Für das Rezept dieser Kolumne braucht es nur fünf Zutaten: eine Rolle fertigen Blätterteig, Nuss-Nougat-Creme, Nüsse der Wahl, ein bisschen Milch und etwas Puderzucker.
Einfacher geht es in der Kategorie Gebäck nicht. Einen Blätterteig ausrollen. In zwei gleich große Rechtecke teilen. Eins davon mit Nuss-Nougat-Creme bestreichen. Darauf Nüsse der Wahl streuen; ich habe Mandelblätter genommen. Das zweite Blätterteig-Rechteck darauflegen und leicht andrücken. In Streifen schneiden, die circa eineinhalb Finger dick sind.
Die Streifen spiralförmig drehen und auf ein Backpapier platzieren. Mit etwas Milch bestreichen. Den Ofen auf 180 °C vorheizen, die süßen Dinger (so heißen sie jetzt bei mir) je nach Beschaffenheit des Ofens um die 20 Minuten goldbraun backen. Auskühlen lassen und dann mit reichlich Puderzucker bestreuen. Eignet sich gut als Snack für alle bei den Tauschbörsen gegen die Bezahlkarten-Schikane.