Das neue Jahr ist da, und es wird scheiße. Mein Motto: Wo keine Erwartungen, da auch keine Enttäuschung. Gern geschehen. Natürlich hilft es uns Menschen beim Verarbeiten der andauernden Berieselung mit schlechten Nachrichten, uns an Daten oder Ritualen festzuhalten. "Frohes neues Jahr" haben sich fast alle Menschen auf dieser Erde gewünscht. Wünsche gehen aber manchmal eben nicht in Erfüllung. Und irgendwie ist es ja auch therapeutisch, sich einfach einzugestehen, dass die Welt ein bisschen am Ende ist.
Aber keine Sorge, das ist kein Grund zur Resignation. Man kann auch tanzen, während sich der Untergang zumindest ankündigt. Vor allem die Menschen im Libanon sind Meister darin, sich die Feierlaune nicht verderben zu lassen. Meine libanesischen friends erzählen mir, wie sie im Bürgerkrieg die besten Partys in den Bunkern gefeiert haben. Oben Raketen, unter der Erde Beats und gute Drinks. Als die israelische Regierung Beirut und andere Städte im Land vor wenigen Monaten ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung bombardieren ließ, aktivierten viele Menschen im Libanon wieder ihren gut gelaunten Überlebensmodus. Ich reiße viele Witze über die libanesische Küche, weil sie oft in Zitrone ertränkt wird, aber für ihre Bewältigungsstrategien bewundere ich die Menschen dort doch irgendwie.
Wir sollten also alle etwas mehr Libanon wagen. Mit ein bisschen mehr Vorsorge für den Katastrophenfall, wenn es geht, aber immer mit Humor und ohne in ein allzu tiefes Loch zu fallen. Das neue Jahr wird vielleicht nicht so froh - aber neu ist diese Nachricht nicht, wenn man mal ehrlich ist. Und wer weiß, vielleicht treffen sich auf der Bunker-Party nette Menschen, die sich die verbliebene Zeit noch irgendwie versüßen und dabei sauer bleiben können.
In Brasilien weiß man, wie man trotz allem feiert
Apropos süß und sauer: Zitrusfrüchte, in gemäßigten Mengen und vor allem mit der richtigen Technik verarbeitet, machen besonders gute Laune. Ich habe für meine Untergangsparty eine brasilianische Limetten-Limo gemacht, die man für noch bessere Laune alkoholisch anreichern kann. In Brasilien weiß man ja bekanntermaßen, wie man trotz allem feiert – vielleicht, weil dort auch viele libanesischstämmige Menschen leben.
Für die limonada suíça braucht man drei unbehandelte Limetten, 1 Dose gezuckerte Kondensmilch (400 ml), 1 Liter kaltes Wasser und Eiswürfel. Die Limetten gründlich waschen und die Enden abschneide. Dann vierteln und Kerne entfernen, damit die Limonade nicht bitter wird. Die Limettenstücke zusammen mit dem Wasser in einen Mixer geben und sehr kurz pulsierend zerhacken. Das ist wichtig, zu langes Mixen würde die Bitterstoffe der Limetten aktivieren.
Die Mischung anschließend durch ein feines Sieb in eine Karaffe gießen. Die Kondensmilch hinzufügen und mit einem Stabmixer homogenisieren. Wer mag, kann das Getränk mit etwas Minze oder einem Spritzer Sprudelwasser auffrischen. Ein Schuss weißer Rum, Cachaça oder Wodka schadet auch nicht. Sofort mit Eiswürfeln servieren – solange wir die Party noch irgendwie am Laufen halten können.