Nur zufällig bin ich in eine sehr unangenehme Gesellschaft geraten. Unweit vom Berliner Bahnhof Zoologischer Garten liefen unzählige uniformierte Männer umher, die man kaum auseinanderhalten konnte. Sie stammten aus den verschiedensten Ecken der Welt, sprachen unterschiedliche Sprachen, hatten verschiedene Hautfarben – und dennoch sahen sie in ihren dunkelblauen Uniformen alle identisch aus. Sie versprühten den Charme eines ETF-Portfolio-Vorschlags aus dem Finanzressort der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Selbst die wenigen Frauen in dieser Gesellschaft fügten sich nahtlos in die dunkelblaue Masse ein.
Für die Konferenz "SuperReturn Venture" wurden rund um den Berliner Zoo Bürgersteige von der Polizei gesichert und Zufahrten abgeriegelt. Die Finanzelite aus Europa, Nordamerika, dem Nahen Osten, China und Indien wollte unter sich bleiben, während sie darüber diskutierte, wie sie sich auf Kosten von Mensch und Umwelt weiter bereichern kann. In kleinen, stickigen Boxen links und rechts der Straße, zwischen mehreren Luxushotels, ließ sich gut beobachten, wie ihre Geschäfte funktionierten. Rüstung, Drohnen, Mars-Missionen, Tabak, Öl und Gas, Kunst: Hauptsache #SuperReturn. So war es jedenfalls auf den zahlreichen Fahnen entlang der Straße zu lesen.
Bei einem Spaziergang durch diese kapitalistische Hölle kam ich mir vor wie in einer Immersive-Experience-Museumsausstellung nach dem Vorbild einer National-Geographic-Dokumentation oder bei einer Live-Performance auf irgendeiner Biennale mit dem Titel "Eat the Rich! Even if it tastes bad!" Immerhin kauten die Kapitalisten genüsslich auf Sandwiches, während sie gemeinsam Milliarden verschoben. Hinter verschlossenen Türen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wurden zum Beispiel Themen wie "VC & government policy: is alignment needed?" besprochen. VC ist die Abkürzung für Wagniskapital. Ich tippe darauf, dass die Herren und drei Damen liebend gern Regeln abschaffen und staatliche Vorgaben zu ihren Gunsten umschreiben würden – und dafür viel Geld in Lobbyarbeit stecken.
Was für ein dreckiges Geschäft
Am besten kann man sich dem Charakter von Menschen durch kleine Alltagsbeobachtungen annähern: Links und rechts der Straße unweit des Zoos konnten sich die SuperReturn-Kapitalisten gegen Vorlage ihrer Badges gratis Eis, Kaffee, Matcha, Sandwiches oder Bagels holen. Das Essen war genauso uniform wie das Publikum an diesem Ort. Die Verpflegung war für sie kostenlos, denn wir alle tragen die Kosten dafür. Neben den vielen Polizistinnen und Polizisten, die diesen Zirkus bewachen mussten, kommen wir als ehrliche Steuerzahlende auch für die Stadtreinigung auf. Beim "SuperReturn Venture" schmeißt man seinen Müll nämlich einfach direkt auf die Straße: Dutzende Plastikbehälter und Tüten landeten auf dem Boden. Was für ein dreckiges Geschäft.
Ganz sauber dagegen ist diese Kafta-Tajine. Ein einfaches Schmorgericht mit Hackfleisch in Tomatensauce, das mit Reis oder Baguette ein schnelles Abendessen ergibt. Für zwei Personen reichen 250 g Rinderhackfleisch. Das Fleisch mit 2 EL fein gehackter Zwiebel, zwei zerdrückten Knoblauchzehen, etwas Paprikapulver, Chili, Petersilie, Salz und Pfeffer würzen und zu Kugeln formen, die in die Handfläche passen. Wer eine Tajine hat, benutzt das Tongefäß. Wer keine hat, kann sich ein Tajine-Investment mit #SuperReturn durch den Kopf gehen lassen. Bis dahin tut es aber auch ein normaler Topf.
Die Hackfleischbällchen in einem kräftigen Schuss Olivenöl von allen Seiten kross anbraten. Ich habe dafür einen Schmortopf benutzt. Dann eine in Streifen geschnittene Zwiebel hinzugeben und karamellisieren. Anschließend alles in die Tajine geben – oder einfach im Schmortopf bleiben. Für die Tomatensauce reichen 1 EL Tomatenmark und eine Dose stückige Tomaten. Ich füge noch eine frische, gewürfelte Tomate hinzu, aber das ist wirklich optional. Nach Geschmack mit Paprikapulver, einer zerhackten Knoblauchzehe, Chili, etwas Ingwerpulver, Salz und Pfeffer würzen. Alles in der Tajine oder im Topf mindestens 15 Minuten bei geringer Hitze schmoren lassen. Zum Schluss ein Ei in die Mitte geben und warten, bis das Eiweiß stockt. Mit frischer Petersilie garnieren und warm servieren. Für die vegane Variante kann auch eine Hackfleischalternative verwendet und auf das Ei verzichtet werden.