Ein Gedicht, das in filigraner Kalligrafie auf einem Körper über Gesicht und Arme geschrieben wurde. Einzelne Sätze, die an Wände im öffentlichen Raum projiziert werden. Worte in Wellenformen aufgeschrieben, bei denen man erst merkt, dass es Worte sind, wenn man ganz nah ans Bild herantritt. All das sind verschiedene Formen der Written Art – der geschriebenen Kunst.
Die Ausstellung "Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art" in der Pinakothek der Moderne in München ist Thema der neuen Folge des Monopol-Podcasts "Kunst und Leben" in Kooperation mit Detektor.FM. Moderatorin Sara-Marie Plekat spricht mit dem kuratorischen Duo Madeleine Freund und Oliver Kase über die Geschichte und Bedeutung von Schrift in der Kunst.
"Sweeter than Honey" zeigt Werke von rund 60 Künstlerinnen und Künstlern aus 20 Ländern, von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Written Art Collection, einer einzigartigen privaten Sammlung, die schriftbasierte Werke aus der westlichen Welt mit ebensolchen aus dem ostasiatischen Raum sowie dem Mittleren und Nahen Osten zusammenbringt.
Anderen eine Stimme geben
Die Münchner Schau steigt mit Werken der Nachkriegskunst ein. Im Informel sind Worte zunächst eher abstrakte Gesten, die wie wortlose Impulse auf den Leinwänden stehen. Das verändert sich mit dem Aufkommen der Konzeptkunst in den 1960er-Jahren; hier wird Schrift oft als Material angesehen. Eines der frühesten Werke dazu stammt von dem japanischen Künstler On Kawara. Er begann 1966 mit seiner sogenannten "Today"-Serie. Er bemalte eine Leinwand pro Tag, und zwar immer mit dem aktuellen Datum in der Konvention des Landes, in dem er sich gerade aufhielt. Die Serie umfasst heute mehr als 2000 einzelne Bilder.
Auch in der Gegenwartskunst gibt es Werke, in denen mit typografisch oder geometrisch gesetzten Schriftbildern gearbeitet wird. Die indische Künstlerin Shilpa Gupta hingegen verwendet Sprache, um anderen eine Stimme zu geben. Für ihr Werk "For, In Your Tongue, I Cannot Fit" (2017–2018) hat sie Texte von Dichterinnen und Dichtern gesammelt, die zensiert oder wegen ihrer Kunst inhaftiert wurden. Die Ausstellung "Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art" läuft noch bis zum 12. April 2026.
"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und wird von Sara-Marie Plekat moderiert. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Die aktuelle Folge finden Sie auch direkt hier: