Die Gegenwart zu durchleuchten und Brechungen zu erzeugen – darum geht es in vielen der Ausstellungen, die die Münchener Institutionen zu "Various Others" zeigen. Die Pinakothek der Moderne nimmt den Begriff der Reflexion dabei im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ernst: als optisches Phänomen, als Form des Nachdenkens und als Mittel künstlerischen Ausdrucks. Als Gemeinschaftsprojekt der vier Museen der Pinakothek der Moderne bringt die Ausstellung "Reflexion" 100 Positionen aus den Bereichen bildende Kunst, Architektur, Grafik und Design zusammen, darunter Isa Genzken, Ludwig Mies van der Rohe, Piet Zwart und Ettore Sottsass.
Glas entfaltet seine volle Wirkung erst im Spiel mit dem Licht. Das Material ist allen Arbeiten der 50 internationalen Künstlerinnen und Künstler gemein, die anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens in der Alexander-Tutsek-Stiftung ausstellen. Zu sehen sind Werke von unter anderen Monica Bonvicini, Tony Cragg und Laure Prouvost, die die Vielfalt des Materials sichtbar machen.
Jetzt öffnet die Villa Stuck nach der Sanierung wieder ihre Pforten – und das gleich mit vier Ausstellungen: Schimmernde Aluminiumtafeln und mit Farbe getränkte Marmorplatten prägen die Skulpturen von Philipp Messner. Mit einer eigens für den Atelierbau der Villa Stuck geschaffenen Installation, einem "Haus im Haus", reagiert er auf die Räume an der Prinzregentenstraße. Mit "Damenporträt à la japonaise" kehrt zudem das gleichnamige Gemälde Franz von Stucks dank einer Schenkung an seinen Entstehungsort zurück. Die in Berlin lebende Künstlerin Ilit Azoulay filmt mit einer Makrokamera kleinste Details. Für "No Single View" recherchierte sie zur Geschichte der Villa Stuck sowie der Menschen, die mit dem Haus verbunden sind. Die vierte Ausstellung, "Zehn Leben", ist vor dem Hintergrund der aktuellen Migrationsdebatten zu lesen: Delschad Numan Khorschid und Jan-Hendrik Pelz beschäftigen sich in ihren Gemälden, Fotos, Skulpturen und Texten mit traumatischen Fluchterinnerungen.
Villa Stuck: Ilit Azoulay "MARY", 2025/26
Um Geschichten aus der Zeit der Weimarer Republik geht es im Lenbachhaus. Die Gruppenausstellung "Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik" versammelt Werke unter anderen von Jeanne Mammen, Gabriele Münter und Christian Schad. Im Blick steht eine Krisenzeit, in der politische und gesellschaftliche Möglichkeiten sichtbar werden, die später im Nationalsozialismus gewaltsam verschüttgingen.
August Sander "Sekretärin beim Westdeutschen Rundfunk in Köln (Sylvia von Harden)", 1928, zu sehen im Lenbachhaus, München
Auch im Museum Brandhorst rückt eine Vergangenheit in den Fokus, die bis heute nachwirkt. Die Künstlerinnen Hêlîn Alas, Cana Bilir-Meier, Louise Lawler, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-To-See Smith und Leyla Yenirce nehmen in "Carrying" die Geschichte des Kunstareals in der Maxvorstadt zum Ausgangspunkt für architektonische Interventionen, Performances, Gemälde, Sound- und Filmarbeiten. Hier stand einst die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch "Türkenkaserne" genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden.
Museum Brandhorst: Leyla Yenirce "28.01.2026", 2025
Wie schnell sich ein vermeintlich souveräner Blick auf die Welt ins Wanken bringen lässt, zeigt auch "Seeing the Unseen" in der Eres Stiftung. Die interdisziplinär angelegte Ausstellung, die bereits im Dezember eröffnet wurde, führt mit Werken und Forschung von Elsa Garmire, Tamiko Thiel oder Tan Mu in die Parallelwelt der Quantenphysik ein.
Eres Stiftung: Ayoung Kim "Delivery Dancer’s Sphere", 2022, Videostill
Zum Ausgleich zu all der Reflexion darf aber auch gespielt und getanzt werden: Nach einem Jahr im Außenraum ist der Begegnungsort Flux in den Wintergarten der Pinakothek der Moderne gezogen. Als begehbare Skulptur der britischen Künstlerin Morag Myerscough gestaltet, lädt er zum Ausruhen und Kreativwerden ein.
Im Haus der Kunst läuft weiterhin die Ausstellung "Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968". Ab dem 14. Mai richtet die Institution zudem ein dreitägiges Programm mit Konzerten und Performances aus. Die offizielle Closing Party findet dann im Blitz Club statt – jenem Technoclub, der seinen Standort auf der Museumsinsel im August verlassen muss, da der Mietvertrag ausläuft.
Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 5/2026