Murano-Glas in Düsseldorf

Kunst und Transparenz

Murano-Glas steht für leuchtende Farben und jahrhundertealte Handwerkskunst. Der Kunstpalast in Düsseldorf zeigt mit "Mythos Murano" 135 Werke seiner Sammlung – von Vasen und Leuchtern bis zu modernen Experimenten

Man erkennt sie an den intensiven Farben, an kleinen Lufteinschlüssen, Unregelmäßigkeiten oder der Pontilmarke am Boden, die entsteht, wo der Glasbläser den Stab abbrach. Glasware aus Murano ist weltbekannt. Das liegt vor allem an der langen Geschichte der Glasbläser-Insel von Venedig. Nun zeigt der gerade modernisierte Kunstpalast in Düsseldorf 135 Arbeiten seiner Sammlung."Mythos Murano" ist der erste Teil einer neuen Serie von jährlich wechselnden Themenausstellungen, die im neu gestalteten Ausstellungsbereich gezeigt werden sollen. 

"Der Ruf von Venedig als Glasstadt ist bis heute ungebrochen. In jedem Stück Glas spiegelt sich die Geschichte der über Jahrhunderte überlieferten Glaskunst wider", so Barbara Til, Sammlungsleiterin für Skulptur, Angewandte Kunst und Glassammlung. Bereits im Mittelalter entstanden die Glaswerkstätten in der Republik Venedig und wurden immer mehr, sodass 1291 aus Brandschutzgründen das Glasmachen nur noch auf der kleinen Insel Murano erlaubt wurde.

Die Lage an den Handelsrouten sorgte für die Verfügbarkeit von Rohstoffen, und über Generationen wurde das Wissen um den Umgang mit den Glasmacherpfeifen perfektioniert, neue Farben und Herstellungsmethoden wurden entwickelt. Techniken wie Filigran- oder Millefiori- Glas sind hier entstanden.

Leuchter, Vasen und Sexspielzeug

Deswegen pilgern heute Touristen auf die Insel oder suchen in den Geschäften Venedigs nach originalen Gläsern aus Muranoglas, die – so warnen echte Venezianer – gelegentlich auch aus China kommen. "Vetri di Murano" lautet das Siegel, das die Echtheit beweist. Seit den 1970er-Jahren nahm die Herstellung von Andenken für die Touristen zu. Sehr dünne Gläser mit farbigem Abschluss oder Tierfiguren sind besonders beliebt. Aber es werden auch Leuchter, Vasen oder sogar Sexspielzeug gefertigt.

So gut wie heute lief es allerdings nicht immer. Als in den 1870er-Jahren das Geschäft stagnierte, brachte der Anwalt Antonio Salviati mit seinen Fabriken, die unter anderem Glasmosaiken herstellten, Bewegung in die Glasproduktion. Später mussten die Glaskünstler Anschluss an die modernen künstlerischen Strömungen finden. 1921 gründeten der Kunsthändler Giacomo Cappellin und der Rechtsanwalt Paolo Venini die Glasmanufaktur Venini, deren Erzeugnisse heute noch modern wirken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte das italienische Design auch in Murano auf. Künstlerische Arbeiten entstanden, und mehr und mehr Künstler kamen, um im Veneto ihre Ideen produzieren zu lassen. Der Bildhauer Tony Cragg etwa lässt Glas auf Murano gestalten, das man in der Ausstellung sehen kann. Auch aus den 1920er bis 1970er-Jahren, einer klassischen Blütezeit der Muranoglaskunst, sind zahlreiche Arbeiten in der Ausstellung zu sehen.

Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 09/2025.