Plagiatsvorwurf

Nirvana verklagt Marc Jacobs

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Die verbliebenen Mitglieder der Grunge-Band Nirvana verklagen den Modedesigner Marc Jacobs und das gleichnamige Label. Der Vorwurf: Plagiat

Die Marc Jacobs International LLC betreibe den Missbrauch intellektuellen Eigentums, heißt es in der Anklageschrift. Denn der Designer spielt mit einer im November vorgestellten Kollektion auf das "Happy Face"-Logo der Band an, bloß anstelle des Schriftzugs "Nirvana" steht über dem Smiley "Heaven", und statt der gekreuzten Augen sind die Initialen des Designers, M.J., auf das T-Shirt gedruckt.

Weil Marc Jacobs sich das Nirvana-Logo und die Typographie aneigne, sieht die Anklageschrift eine klare Verletzung des Markenrechts. Das Logo wurde 1991 von Kurt Cobain gestaltet und im Jahr darauf gesetzlich geschützt. Die Kollektion ist nicht von Nirvana autorisiert — daher sei die Gestaltung irreführend, sie suggeriere eine Kollaboration des Modehauses und der Band. Deshalb hat die Nirvana LLC, die von den verbliebenen Bandmitgliedern Dave Grohl und Krist Novoselic sowie der Cobain-Witwe Courtney Love gegründete Gesellschaft, nun Klage vor dem Bezirksgericht von Kalifornien eingereicht. 


Mit dem Titel "Redux Grunge Collection 1993/2018" spielt das Modelabel nicht nur auf die Grunge-Band aus Seattle an, sondern auch auf die mittlerweile legendäre Grunge-Kollektion, die der junge Marc Jacobs für das Modeunternehmen Perry Ellis 1992 gestaltete. Damals schickte er die Models in schweren Schuhen, bedruckten T-Shirts und allerlei popkulturellen Referenzen über den Laufsteg. "Grunge ist eine Gegenbewegung zur Mode, und so etwas zu diesem Preis anzubieten, ist lächerlich", schrieb einst eine Kritikerin. Marc Jacobs wurde in der Folge von dem Modehaus entlassen. "Die Grunge-Kollektion war der Inbegriff der Bestimmtheit, meine Vision verwirklicht zu sehen — ohne gestalterische Kompromisse", wie Jacobs dem Magazin "Vogue" sagte. "Bei der genauen Reproduktion von 26 Looks aus der ursprünglichen Grunge-Kollektion geht es nicht mehr so sehr um die Musik, sondern "um den fortdauernden Stil der Kombination von alt und neu", heißt es in einer Produktinformation zur Modelinie. 

Marc Jacobs scheint jedenfalls zu wissen, was er tut: Im Dezember erschien eine Anzeigenkampagne in der "New York Times", die den Designer im "Heaven"-T-Shirt zeigte, darunter den Titel des Nirvana-Songs "Come As You Are". Und zunächst wurde die Linie mit dem Titel "Bootleg Redux Grunge Collection" beworben – und bootleg bedeutet soviel wie Raubkopie. 

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