Die Jury lobte Kalus farbintensive Zeichnungen und Skulpturen, die unter anderem aus gefundenen Stoffstücken und VHS-Kassettenband bestehen. Kalu arbeitet mit der Londoner Organisation ActionSpace zusammen, die Künstlerinnen und Künstler mit Lerneinschränkungen unterstützt.
Alex Farquharson, Vorsitzender der Jury und Direktor der Tate Britain, sagte bei der Verleihung in Bradford, Kalus Sieg sei ein Wendepunkt für die internationale Kunstwelt. "Nnenas Werk wurde vor allem aufgrund seiner Qualität ausgewählt, aber da sie eine neurodivergente Künstlerin ist und ihre verbale Kommunikation eingeschränkt ist, wäre sie früher jemand gewesen, der außen vor geblieben wäre", sagte er. Es sei nun Zeit, die Grenzen zwischen "neurotypischer und neurodiverser Kunst auszuradieren".
Nnena Kalu wurde 1966 in Glasgow geboren. Ihre Werke, die oft an Kokons erinnern, waren unter anderem bei ActionSpace in London, in der Kunsthall Stavanger in Norwegen, bei der Manifesta 15 in Barcelona und auf der Frieze London bei der Galerie Arcadia Missa zu sehen. Zusammen mit Kalu standen Rene Matić, Zadie Xa und Mohammed Sami auf der Shortlist des diesjährigen Turner Prize.
Die bedeutendste britische Auszeichnung für moderne Kunst wird in diesem Jahr zum 41. Mal verliehen. Der Preis ist mit 25.000 Pfund dotiert und nach dem britischen Maler J.M.W. Turner (1775–1851) benannt. Er geht jedes Jahr an einen Künstler oder eine Künstlerin, der oder die entweder aus Großbritannien stammt oder im Land arbeitet. Damit gilt die Auszeichnung als Gegenstück zum Booker Prize für britische Schriftsteller. Prominente Gewinnerinnen und Gewinner sind Wolfgang Tillmans, Lubaina Himid, Laure Prouvost, Grayson Perry und Damien Hirst. In der Vergangenheit ging die Auszeichnung außerdem an ein Kollektiv oder wurde unter allen Nominierten geteilt.