Peter Doig in London

Meisterwerke zum Hören und Sehen

Peter Doig "Fall in New York (Central Park)", 2002–2012
Foto: © Peter Doig

Peter Doig "Fall in New York (Central Park)", 2002–2012

In den Londoner Serpentine Galleries zeigt Peter Doig seine Gemälde zusammen mit karibischer Musik, die ihn inspiriert. Man weiß gar nicht, wovon man begeisterter sein soll

Man hat oft den Verdacht, dass Gemälde einen bestimmten Soundtrack haben, denn was sollen Künstler im Atelier beim Malen anderes machen als Musik hören? Wenn das Atelier sich in Trinidad befindet, wie beim schottischen Maler Peter Doig, gilt das erst recht. Jetzt hat Doig zum ersten Mal die Musik, die sein Schaffen kontinuierlich begleitet, bewusst ins Zentrum einer Ausstellung gestellt – thematisch und physisch, in Gestalt von Vintage Sound Systems, bestückt mit einer nerdig fein ausgesuchten Sammlung von Vinylplatten und Tapes.

"House of Music" in den Londoner Serpentine Galleries ist gleichzeitig Kunstausstellung und Listening Station. Und wenn man im dunklen Ausstellungsraum sitzt und dem flirrenden Sound der Duke Ellington Band oder den tief gluckernden Klängen einer karibischen Steel Drum zuhört, wünscht man sich, dass man sich immer so zurücklehnen könnte im Museum und sich in der Musik verlieren und gleichzeitig die Bilder in sich aufnehmen.

Wobei kurz unklar ist, was spektakulärer aussieht: der in warmem Holz glänzende, riesige Lautsprecher der deutschen Firma Klangfilm aus den 1950er-Jahren, den Doig in Zusammenarbeit mit dem Hi-Fi-Nerd Laurence Passera herbeigeschafft hat, oder die meisterhaften Gemälde Doigs.

Antikoloniale Symbole von Mut, Freiheit und Widerstand

Sie zeigen Musikerlegenden aus Trinidad, ekstatische Tänzerinnen in der Nacht und immer wieder Löwen, die aus dem Zoo ausgebüxst sind und in Port of Spain herumschleichen. Die Tiere sind antikoloniale Symbole von Mut, Freiheit und Widerstand und gleichzeitig alles andere als heroisch – man kann sie fast missgelaunt knurren hören.

Wenn Peter Doig so in die Farben und die Kultur der Karibik eintaucht, ist er dann ein aufgeklärterer Gauguin? Die Frage kann man stellen, und man darf davon ausgehen, dass sie ihn selbst begleitet. Aber der Vorwurf des Exotismus wäre viel zu eindimensional für die Echos, die hier hin und her reisen zwischen Bild, Klang, Technologie und Mythos.