Marek Claassen ist Gründer von ArtFacts.net, der nach eigenen Angaben weltweit größten Online-Kunstdatenbank. Was 1999 als Gegenentwurf zu Artnet entstand, wurde zu einem zentralen Archiv und Werkzeug für Orientierung im globalen Kulturbetrieb. Im "Fantasiemuskel"-Podcast spricht er über Daten als Transparenzwerkzeug, über die Ambivalenz von Rankings und darüber, warum er sich selbst eher als Außenseiter der Kunstwelt sieht.
Sein Weg begann in der linken Szene der 1970er-Jahre, als Teil von Hausbesetzungen und Protesten gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen. "Ich war eigentlich immer ein Alien dort", erklärt Claassen rückblickend, weshalb er über Umwege in Musik, Galeriearbeit und schließlich Technologie die Brücke zwischen Kunst und Digitalisierung schlug. Mit ArtFacts wollte er, so erklärt er den beiden Monopol-Podcastern Alexander Doudkin und Friedrich von Borries, die hierarchische Ordnung der Kunstwelt sichtbar machen.
Entstanden ist so eine Art Kunst-Ranking-System. Heute beobachtet Claassen eine zunehmende Konzentration auf wenige Stars und warnt: "Es ist wie im Fußball – nur, dass Punkte durch Reputation ersetzt werden." Dennoch sieht er die Rankings nicht als Herrschaftsinstrument, sondern als Mittel, "den Leuten ohne voice, eine voice zu geben."
Interessant ist, dass Claassen Unternehmertum nicht als lineare Erfolgsgeschichte versteht, sondern als lange Wegstrecke mit Brüchen und Widersprüchen: vom Dotcom-Crash über die Lehman-Brothers-Krise bis zu neuen Finanzierungsmodellen. "Wir haben noch nie einen Business-Plan gemacht", sagt er, und beschreibt ArtFacts als eine Art grassroots-Initiative: ohne großen Masterplan, aber mit Beharrlichkeit und Offenheit für Wandel. Genau so trainiert er auch seinen Fantasiemuskel – nicht durch große Gesten, sondern, indem er "Sachen, die schon da sind, in einen anderen Kontext" bringt.
Sie können "Fantasiemuskel", den Monopol-Podcast über Kunst, Wirtschaft und gesellschaftliche Transformation, auf allen bekannten Plattformen hören – oder die neue Folge direkt hier: