Viele müssen jetzt stark sein, aber der Sommer endet – und Berlin startet mit der Art Week in den Kunstherbst. Über 100 Museen, Sammlungen, Galerien, Projekträume und die Kunstmesse Positions gestalten vom 10. bis 14. September das Festivalprogramm. Was die diesjährige Ausgabe bereithält, verrät die aktuelle Folge des Monopol-Podcasts "Kunst und Leben".
"In diesem Jahr gibt es nicht so viele Blockbuster-Shows in den Institutionen", sagt Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr, was auch an den Unsicherheiten in Zeiten finanzieller Kürzungen liege. In die Lücke seien dafür Privatsammlungen gesprungen. "Ich habe große Lust auf die LAS Foundation, die sich mit Technologie beschäftigt. Die haben ein ehemaliges Kaufhaus in Neukölln gemietet, wo ein neues Werk der Künstlerin Christelle Oyiri gezeigt wird, ein immersives Werk mit Sound, begleitet von Performances des Kollektivs CEL."
Elke Buhr freut sich außerdem auf die Gemälde von Issy Wood. Die britische Künstlerin ist bekannt für ihre figurative Malweise, die sich zwischen Realismus und Surrealismus bewegt. Im Schinkel-Pavillon zeigt sie mit "Magic Bullet" ihre erste große Einzelausstellung in Deutschland.
Utopische Gegenwelten
Sebastian Frenzel, stellvertretender Chefredakteur von Monopol, hat sich vor der Art Week mit dem kosovarischen Künstler Petrit Halilaj getroffen. In seinem Werk setzt er sich mit seiner Herkunft, seiner Kindheit, seiner Familie und dem Bürgerkrieg im Kosovo auseinander. Der Hamburger Bahnhof zeigt mit "An Opera Out of Time" eine Ausstellung, die um seine erste Oper kreist.
Ausgangspunkt dieses Werkes ist der Heimatort von Halilajs Mutter, Syrigana. Hier sollen der Legende nach Adam und Eva nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies von den Bewohnerinnen und Bewohnern getraut worden sein. "Halilaj ist ein wahnsinnig charismatischer Typ und ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Er stammt aus dem Kosovo, und in seiner Kunst verbindet er seine Kindheit, seine Familie, das kulturelle Erbe seiner Heimat und seine Erfahrungen des Bürgerkriegs und macht daraus installative Arbeiten, die utopische Gegenwelten zeigen", sagt Sebastian Frenzel.
In der Sektion "Featured" zeigt die Berlin Art Week mehr als 25 Projekte, die abseits des institutionellen Kunstbetriebs agieren. So haben zum Beispiel die Künstlerinnen Sophia Süßmilch und Cathrin Hoffmann die Ausstellung "Maximal" in der Remise in Kreuzberg kuratiert. Hier zeigen sie fast 40 Berliner und internationale Positionen. Die Remise ist ein Ort, der verschwinden wird, denn das Atelier soll abgerissen werden.
Von den Galerien an die U-Bahnhöfe
Kunst wird in diesem Jahr auch in Kirchen gezeigt, in Industriehallen oder im öffentlichen Raum, etwa am U-Bahnhof Hermannplatz oder am Zoologischen Garten. Und auch für die Galerien stellt die Art Week neben dem Gallery Weekend im Mai einen zweiten Höhepunkt des Jahres dar, so Elke Buhr. Die Ausstellung der US-Künstlerin Andrea Zittel bei Sprüth Magers sei ein Beispiel für das hochwertige Programm, das Besucherinnen und Besucher zur Gallery Night am Donnerstagabend, 11. September, erwartet.
"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und moderiert von Sara-Marie Plekat. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt, und die aktuelle Folge auch direkt hier: