Kein anderes Fantasiewesen ist so vielseitig einsetzbar wie das Einhorn, das seit Jahrtausenden durch die Kulturgeschichte schreitet. Es kann für Jesus stehen, Jungfrau-Begleiter oder wilde Bestie sein. Seinem beeindruckenden Horn wurden heilende Kräfte zugesprochen - bei den prominent ausgestellten Exemplaren in Europa handelte es sich allerdings genau genommen um Zähne von Narwalen. Im 20. Jahrhundert wurde es außerdem zum feministischen spirit animal und ab den 1980er-Jahren gnadenlos durchkommerzialisiert. Heute bevölkern Glitzer-Einhörner weltweit Kinderzimmer, Mode- und Emoji-Kollektionen. Lediglich als Symbol der queeren Community hat es sich eine gewisse Subversion bewahrt.
Die kunstgeschichtlichen Vorfahren der heutigen Einhörner hat nun das Museum Barberini in Potsdam zusammengetragen. Von Felszeichnungen aus dem heutigen Indien bis zu zeitgenössischen Videoarbeiten kann man das Geschöpf in 150 Werken durch die Zeit begleiten. Dabei entpuppt sich das Tier als wahrer Gestaltwandler, wie Monopol-Redakteurin Saskia Trebing in dieser Folge des Podcasts "Kunst und Leben" erzählt. Jede Zeit, so sagt sie im Gespräch mit Moderatorin Sara-Marie Plekat, erschafft sich ihre eigenen Einhörner, die dann mehr über die Menschen als über ihre eigene Spezies aussagen. Sie sind also ein Ausdruck menschlicher Vorstellungskraft - und in diesem Sinne höchst real.
Außerdem kommt im Podcast der Künstler Olav Nicolai zu Wort, der in Potsdam sein Werk "La Lotta" zeigt. Dabei handelt es sich um ein ausgestopftes, ziemlich echt aussehendes schwarzes Einhorn, dessen Oberfläche auf 43 Grad erwärmt ist - genau die Körpertemperatur, bei der Säugetiere sterben. Nicolai erzählt, wie seine Faszination für Einhörner begonnen hat und für was die Begegnung mit seiner Installation stehen könnte.
"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und moderiert von Sara-Marie Plekat. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt, und die aktuelle Folge auch direkt hier: