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Wie Museen an Geld kommen

Eine Postkarte von Max Raabe

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Für Neuerwerbungen fehlt deutschen Museen oft das Geld. Sie müssen sich daher etwas einfallen lassen

Der Schauspieler Axel Prahl war ganz besonders kreativ: Rote Linien schlängeln sich wild und doch nach einem gewissen System um einen blauen und gelben Punkt. "Abstrakter Expressionismus der 50er Jahre", sagt Museumsdirektorin Marlene Lauter dazu und lacht. Sie leitet das Würzburger Museum im Kulturspeicher. "Kreatives Potenzial ist überall!", ist sie überzeugt. Darauf basierend hat sie gemeinsam mit dem Frauen-Wohltätigkeitsclub Soroptimist eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um ein neues Bild für das Museum kaufen zu können, für das sonst kein Geld da gewesen wäre.

Das Würzburger Museum ist für seine Sammlung von Konkreter Kunst bekannt, es hat zudem eine Sammlung mit mehr als 30 000 grafischen Arbeiten, Zeichnungen, Gemälden und Plastiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Und für diese Sammlung will Lauter gern ein großformatiges Stillleben in Öl kaufen. 14.000 Euro soll das kosten. Doch das städtische Museum hat keinen Etat für Neuanschaffungen. Im Einzelfall gibt die Stadt zwar Geld dazu, doch der Großteil muss über Sponsoren und Förderer eingetrieben werden.

So wie dem Würzburger Museum geht es vielen Einrichtungen. "Es gibt ja fast überall wenig Mittel vom Staat. Insofern sind die Museen auf eine Sonderfinanzierung angewiesen, wenn sie etwas Besonderes wollen", sagt Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes. "Der klassische erste Ansprechpartner sind die Fördervereine." Und je aktiver die sind, desto mehr finanziellen Spielraum haben logischerweise die Museen. Weitere Wege zum Geld führen über Spendengalas, Crowdfunding-Projekte, große Stifter und Gönner sowie die Kulturstiftung der Länder.

Das muss doch auch anders gehen, dachten sich die Würzburger Museumsdirektorin Lauter und die Soroptimisten und verschickten im Sommer an rund 600 Prominente und Künstler eine leere Postkarte. Die Benefizaktion "Ein Bild für ein Bild" war geboren. Auf der Vorderseite zeigten alle einen gelben und einen blauen Punkt. Dieses Motiv sollten die Angeschriebenen kreativ vervollständigen und zurückschicken. Rund 200 kleine Kunstwerke kamen zurück. Unter den Absendern sind die Schauspielerin Hannelore Hoger, die Politikerin Andrea Nahles, der Kabarettist Urban Priol, der Autor Paul Maar, die Schlagersängerin Nicole und viele Künstler aus der Region.

Als "unglaublich fantasievoll" beschreibt Lauter beispielsweise das Bild des Sängers Max Raabe. Er hat die zwei Punkte zu Luftballons gemacht, die einen Mann auf einem Stuhl über eine Landschaft schweben lassen. 520 Euro erlöste die Karte kürzlich bei einer Versteigerung.

Der Impuls für bürgerschaftliches Engagement ist auch für den Bundesverband der Fördervereine Deutscher Museen für bildende Kunst von enormer Bedeutung. Der Geldmangel der Museen habe deshalb durchaus auch eine positive Seite, sagt Verbandspräsident Ekkehard Nümann. "Wir spüren die Liebe zur Kultur; zum eigenen Museum. Es ist schön zu sehen, wie Bürger das machen und hinter ihren Museen stehen." Auch dank dieser Unterstützer sei Deutschland auch in den kleinen Städten reich an kulturellen Angeboten.

Die Würzburger Postkarten-Aktion findet Nümann großartig. "Es ist kreativ, mal was ganz anderes. Es können alle mitmachen, das aktiviert. Das finde ich super." 14.800 Euro - inklusive Spenden und Eintrittskarten - hat die Aktion "Ein Bild für ein Bild" dem Würzburger Museum im Kulturspeicher am Ende gebracht. Damit ist der Ankauf des 14.000 Euro teuren Gemäldes von Dorothea Maetzel-Johannsen gesichert. Wenn alles klappt, könnte das Ölgemälde "Stillleben mit Uhr und Papierrollen" aus dem Jahr 1922 schon im April in der Städtischen Sammlung hängen.

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