Sie kennen vielleicht das Mooresche Gesetz aus dem Jahr 1965, das besagt, dass sich in regelmäßigen Zeiträumen – zwölf bis 24 Monaten – die Zahl der integrierten Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten verdoppelt. Das klingt ein bisschen technisch, in der Praxis hieß das aber, dass Geräte, Speicher und Festplatten ihre Kapazitäten alle ein bis zwei Jahren um das Zweifache anwachsen – während der Preis gleich bleibt oder gar fällt. Das Mooresche Gesetz beschreibt eine Entwicklung, die wesentlich für die weltweite Digitalisierung und die Revolution des Informationszeitalters gewesen ist.
Die Grafik bei Spielekonsolen und PC-Games wurden über die Jahrzehnte immer besser und komplexer. Hatte eine Festplatte in den frühen 1990er-Jahren eine Größe von 20 oder 40 MB, sind heute E-Mail-Anhänge in dieser Größe keine Seltenheit. Außerdem gibt es heute kaum eine Produktkategorie, die nicht mit eigenen Computern ausgestattet ist: Autos, smarte Haushaltsgeräte, Wearables und vieles mehr.
Seit einiger Zeit gilt aber das Gesetz von Gordon Moore nicht mehr, denn seit Monaten werden Arbeitsspeicher und Grafikkarten teurer bei gleicher, wenn nicht sogar sinkender Leistung. Grund dafür ist der hohe Bedarf an KI-Datenzentren wie jene von OpenAI. Gerade Arbeitsspeicher (RAM) sind derzeit Mangelware. Berichte gehen davon aus, dass in diesem Jahr 70 Prozent aller High-End-RAMs für KI-Firmen vorgesehen sind, dabei sind die meisten davon noch gar nicht in Betrieb.
Wann platzt die KI-Blase?
Der Unmut steigt nicht nur in der Gaming-PC-Community. Im letzten Quartal 2025 haben sich die Preise verdreifacht. Im Januar sind die Arbeitsspeicher noch einmal um 50 Prozent teurer geworden. Große Hersteller wie Micron haben die Produktion für Endkonsumenten völlig eingestellt, um den Hunger der KI-Branche zu stillen. Samsung will seit Oktober 2025 OpenAI im Monat 900.000 der sogenannten DRAM-Wafer zur Verfügung stellen.
Nun ist die Rede vom "RAMageddon", denn immer mehr Menschen schauen kritisch auf den KI-Hype. OpenAI schreibt von Beginn an große Verluste. Einige Experten gehen davon aus, dass das von Sam Altman geleitete Unternehmen im kommenden Jahr bankrott gehen wird, weil die Kosten schlichtweg nicht gedeckt werden können. Es gehe gar nicht mehr darum, ob die KI-Blase platzen wird, sondern viel mehr darum, wann.
Denn die Folgen dieser Entwicklung betreffen eben auch jene, die vielleicht gar nichts mit KI zu tun haben wollen oder sich sogar dagegenstellen. Die ganze Welt zahlt für den Hype mit, unter anderem durch steigende Preise für andere technische Geräte. Neue Laptops werden mittlerweile mit weniger Arbeitsspeicher als zuvor ausgeliefert, um die Preise stabil zu halten. Auch Spielekonsolen wie die PlayStation 5 und die Nintendo Switch 2 sind von Lieferengpässen und Preisanstiegen betroffen. Selbst E-Autos werden teurer wegen der gigantischen Exklusivdeals, die zwischen Chipherstellern und der KI-Industrie geschlossen werden. Und es geht nicht nur um die Rechenzentren von OpenAI, auch Microsoft, Google, Amazon und Nvidia investieren massiv in dem Bereich und verschärfen die Situation zusätzlich.
Geiselhaft statt Freiheit
Aktuell geht der Trend dahin, Computerservices auf KI-Clouds auszulagern, um die heimischen Rechenkapazitäten zu schonen. Jeff Bezos zufolge ist der Personal Computer ohnehin ein Relikt der Vergangenheit. Bereits 2024 erklärte er im "New York Times"-Interview, dass demnächst niemand mehr einen eigenen Computer besitzt, sondern ihn aus dem Netz leiht oder mietet, so wie man Filme bei Netflix oder Spotify streamt ohne die Medien zu Hause zu haben. Vielen Usern ist im Betriebssystem Windows 11 aufgefallen, dass im File Explorer nicht mehr "My Computer", sondern nur noch "This PC" steht. Steckt dahinter ein langgehegter Plan zum KI-Wandel? Die derzeitigen Entwicklungen lassen wenig andere Interpretationen zu.
Auch in der mutmaßlich konservativen Automobilbranche werden immer mehr Neuwagen mit eingebauten Abo-Fallen verkauft. Audi, Mercedes, BMW, VW und Co. bieten viele Funktionen wie Konnektivität nur für einen bestimmten Zeitraum nach dem Kauf kostenlos an. So verlangt BMW bereits nach drei Monaten für Funktionen wie Echtzeitverkehrsdaten und Parkplatzsuche 9,98 Euro im Monat. Bei Mercedes-Benz gibt es drei Jahre Ortung und Live-Verkehrsdaten aufs Haus, danach werden bis zu 329 Euro im Jahr fällig. Volvo lässt die Fahrer immerhin für vier Jahre Navigation und Sprachassistent nutzen, allerdings erfährt der Kunde erst kurz vor Ablauf, wie viel die Services danach überhaupt kosten sollen. Bei vielen wird auch die App-Nutzung (Überprüfung Ladestand, Routenplanung) nach einer Zeit kostenpflichtig. Standen nicht Autos für ihre Lobby synonym für Freiheit und uneingeschränkte Mobilität?
Der Trend geht – ob bei Auto, PC oder Unterhaltung – in Richtung Geiselhaft. Viele werden bald entscheiden müssen: Lohnt die Investition in teure, immer komplizierter werdende eigene Technik oder geht man eher unfreiwillig in weitere Knebelverträge? Der Mensch und seine Rechte stehen immer weniger im Mittelpunkt. Das klang kürzlich auch bei OpenAI-CEO Sam Altman durch, als er in Indien darauf angesprochen wurde, dass KI-Rechenzentren eine schlechte Ökobilanz hätten. Sein Kommentar: "Es braucht aber auch viel Energie, einen Menschen zu trainieren. 20 Jahre Lebenszeit und die ganze Nahrung, die es braucht, bis ein Mensch smart ist. Aber nicht nur das, es brauchte die ganze Evolution und 100 Milliarden Menschen, um zu dem Wissensstand zu gelangen, den wir heute haben." Im Vergleich dazu sei ChatGPT viel energieeffizienter, deute Altman an.
Na, wenn das so ist, dann überlassen wir der KI halt einfach die Welt. Das hat die Tech-Elite ohnehin vor. Wenn Spaß, Glück, Familie, Liebe und Freundschaften keinen Wert mehr haben, wer braucht noch das Leben? In diesem Fall können wir die Menschheit komplett abschaffen. Aber dann braucht auch niemand mehr KIs, Streaming oder Autos.