Koloniales Erbe

Returning from Germany

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Was hat Horst Seehofers neue Ausreisekampagne mit dem Report zur Restitution kolonialer Raubkunst zu tun? Alles natürlich. Eine Glosse 

Horst Seehofer hat es wieder einmal geschafft, Freunde wie Gegner zu überraschen. Vergangene Woche startete das Innenministerium die Kampagne "Returning from Germany". Tagelang war über Hintergrund und Absicht der landesweiten Aktion spekuliert worden, doch jetzt sickerte durch: Seehofers Ministerium unterstützt damit den Bericht zur Restitution afrikanischen Kulturerbes, den die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der senegalesische Ökonom Felwine Sarr vergangenen Freitag vorstellten.

Die Wissenschaftler fordern darin die sofortige, ungeprüfte Rückgabe aller Objekte, die im Zuge militärischer Aktionen erbeutet wurden sowie aller Stücke, die bis 1960 aus wissenschaftlichen Expeditionen in Frankreichs Museum gelangten. Was für Frankreich gelten soll, dafür macht sich jetzt offenbar auch Seehofer in Deutschland stark. Endlich soll auch hier die Debatte über den Umgang mit Kolonialgut ins Rollen kommen. Ganz bewusst hat das Ministerium die Plakataktion daher zeitlich abgestimmt.

Völlig gegenstandslos also die Spekulationen, mit der Kampagne sollten Asylbewerber zur Rückkehr in ihre Heimat aufgefordert werden. Das Innenministerium verwies darauf, dass in unseren Museen Tausende Objekte lagerten, die während der Kolonialzeit nach Deutschland gebracht wurden. Zur gleichen Zeit Menschen, die in Folge der Kolonialzeit heute als sogenannte Flüchtlinge nach Deutschland kommen, abschieben zu wollen, wäre ein höchst zynischer, ja inhumaner Akt.

Seehofers Ministerium legt sogar noch einen drauf – und unterstützt die Rückführung von Kulturgut auch finanziell. Für alle Objekte, die bis zum 31. Dezember aus Europa zurück in ihre Heimatländer geschickt werden, sichert das Ministerium Transportkosten und bis zu zwölf Monate Lagerungskosten zu. Auch eine große Gruppenausstellung in einem afrikanischen Museum sei schon geplant, den Titel habe man bereits: "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!"

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